Welcher Fotograf kennt das nicht? Man will irgendwohin, weiss aber nicht, welche Objektive man wirklich mitnehmen soll, und schlussendlich hat man dann doch alle dabei. Wahrscheinlich wurden die wenigsten benutzt, und müde ist man obendrein. So war es jedenfalls bei mir. Hierfür hat sich Tamron ein hervorragendes Objektiv ausgedacht: das 35-150mm, welches nun seit über einem Jahr in meinem Besitz ist. Zuerst stelle ich dir einige technische Aspekte des Objektivs vor und erzähle anschliessend über meine Erfahrungen mit dem Objektiv in verschiedenen Anwendungsfällen.

Lieferumfang

Das Tamron 35-150mm wird in einem weissen Karton geliefert. Darin findest du das Objektiv, die Gegenlichtblende, Front- und Bajonettdeckel sowie die üblichen Unterlagen. Auf das Objektiv erhältst du eine 10-jährige Garantie, was ich persönlich fantastisch finde und das Vertrauen in die Langlebigkeit stärkt. Leider fehlt eine Aufbewahrungstasche, die bei Objektiven dieser Preisklasse üblich ist. Ein positiver Aspekt ist die Gegenlichtblende, die über einen Lock-Schalter verfügt und dadurch sicher am Objektiv sitzt. Es ist auch erfreulich zu sehen, dass das Objektiv trotz des USB-C-Anschlusses gegen Umwelteinflüsse abgedichtet ist. Auf diesen Punkt werde ich später noch eingehen.

Spezifikationen & optische Qualitäten

Das Objektiv deckt einen Brennweitenbereich vom 35mm-Weitwinkel bis zum 150mm-Tele ab. Es startet mit einer tollen Anfangsblende F/2 und endet bereits bei Lichtstarken F/2.8. Die Iris  verfügt über 9 Blendenlamellen. Das Objektiv hat ein Gewicht von 1'100 Gramm und ein Filtergewinde von 82mm. Das Gehäuse besteht aus Kunststoff und fühlt sich sehr hochwertig und langlebig an.

Beim Zoomen fährt das Objektiv aus, was den Vorteil eines kleineren Packmasses hat. Der Fokusring ist meiner Meinung nach eher leichtgängig, falls man das Objektiv manuell fokussieren möchte. Direkt neben dem Fokusring befinden sich zwei Funktionsknöpfe, ein AF/MF-Schalter und ein Custom-Schalter mit drei Positionen, den man programmieren kann. Die Programmierung erfolgt über die Tamron-eigene Software per USB-C. Ja, Du hast richtig gelesen: Dieses Objektiv verfügt über USB-C Anschluss und ist trotzdem vor Umwelteinflüssen geschützt. Die Tamron-Software bietet die Möglichkeit, den Custom-Schalter-Positionen verschiedene Bedienungsanpassungen zuzuweisen, wie zum Beispiel, dass die Blende nun mit dem Fokusring gesteuert werden soll. Ebenfalls können Fokuspunkte definiert werden und Firmware Updates direkt eingespielt werden. Was die umfassende Utility-Software für Mobile und Desktop sonst noch kann, erfährst du in folgendem Blogbeitrag zur Tamron Lens Utility App.

Tamron Zoom Verriegelung

Tamron Tasten und Schalter

Nun ein kleiner Einblick in das, was wirklich zählt: die optischen Qualitäten. Das Objektiv bietet über den gesamten Brennweitenbereich eine hervorragende Auflösung in der Bildmitte. Bei weitwinkligeren Aufnahmen nimmt jedoch die Randschärfe ab. Dies kann durch das Schliessen der Blende reduziert werden. Ich möchte jedoch anmerken, dass dies nur für uns „Pixelpeeper“ relevant ist, da das Objektiv genügend Abbildungsleistung für die meisten Einsatzzwecke mitbringt. Bei 35mm ist die Vignettierung merklicher als bei anderen Brennweiten, reduziert sich jedoch, sobald man die Blende schliesst. Das Objektiv ist bei 35mm fast verzeichnungsfrei. Sobald man zoomt, kommt eine leichte Kissenverzeichnung zum Vorschein, die in der Porträtfotografie nicht als störend empfunden wird. Für andere Einsatzzwecke, wie Architektur, muss sie jedoch korrigiert werden. Flaring bei Gegenlichtaufnahmen ist bei diesem Objektiv erkennbar, was auf die komplexe Konstruktionsweise zurückzuführen ist. Persönlich hat mich das Flaring im Alltag jedoch nie so sehr gestört, dass ich das Objektiv nicht mehr für Gegenlichtaufnahmen einsetzen würde.

Erfahrungen auf Reisen

Egal ob bei einem kleinen Ausflug, beim Wandern in der Schweiz oder im Urlaub – ich hatte das Tamron 35-150mm immer dabei. Es begleitet mich schon seit einiger Zeit auf meinen Reisen und hat sich als ein äusserst vielseitiges und zuverlässiges Objektiv erwiesen.

Erst kürzlich war ich in Lissabon im Urlaub, wo mich das Objektiv überallhin begleitet hat. Für diese Reise habe ich mich bewusst entschieden, nur dieses eine Objektiv mitzunehmen, um zu testen, ob es wirklich alle meine fotografischen Bedürfnisse abdeckt, ohne das Handgepäck zu überfüllen. Normalerweise würde ich zusätzlich noch ein oder zwei weitere Objektive zur Sicherheit mitnehmen. Dieses Mal war das jedoch nicht möglich, da ich nur mit zwei Handgepäckstücken reiste.

Meine Ausrüstung für diesen Trip:

 Lowepro Protactic 450 AW:

  • MacBook Pro 16"
  • Externe SSD
  • Viele Ladekabel
  • Kleidung für 5 Tage
  • JJC Blasebalg (zum Produkt)
  • Freewell V2 Magnetiv VND/CPL + Glow Mist (zum Produkt)
  • Necessaire

Peak Design Messenger (zum Produkt)

  • Sony A7RIII mit Vertikalgriff
  • Tamron 35-150 mm
  • Jacke
  • Sonnenbrille
  • Sonnenhut
  • Powerbank

Schlussendlich fand alles Platz. Das Tamron-Objektiv ist zwar etwas grösser als ein 70-200 mm F/4, aber nicht signifikant, sodass es sich gut verstauen liess.

 

Während des Fluges nach Lissabon erkundigte ich mich bei einer Flugbegleiterin, ob sie ein Foto aus dem Cockpit machen könnte. Es stellte sich jedoch heraus, dass dies aufgrund der Grösse der Kamera nicht möglich war. Nach dem Flug durfte ich jedoch kurz einen Blick ins Cockpit werfen. Leider war das Objektiv bei 35mm nicht weitwinklig genug, um das gesamte Cockpit abzubilden. Dennoch war es eine fantastische Gelegenheit, und ich bin zufrieden mit den Bildern, die ich machen konnte. Hierfür wäre ein 24-105mm Objektiv vorteilhafter gewesen, aber ein solches Objektiv mit ähnlichen Spezifikationen gibt es nur für Canon und kostet fast das Doppelte.

Tamron 35-150 @35mm

Das Tamron 35-150mm Objektiv entpuppte sich auf den malerischen Strassen Lissabons als wahrer Alleskönner. Die Architektur der Stadt, geprägt von historischem Charme und moderner Dynamik, bot die perfekte Kulisse, um die Flexibilität dieses Objektivs zu testen. Mit Leichtigkeit gelangen mir Weitwinkelaufnahmen der beeindruckenden Gebäudefassaden, während ich im nächsten Moment in der Lage war, mich auf die faszinierenden Details im Telebereich zu konzentrieren. Der Belém-Turm, ein Wahrzeichen der Stadt, liess sich von aussen in seiner ganzen Pracht einfangen, und anderswo konnte ich dann schöne Blumen fotografieren.

Tamron 35-150 @150mm f2.8

Tamron 35-150 @35mm f2.0

Tamron 35-150 @150mm f2.8

Die schnelle Anpassungsfähigkeit an verschiedene Brennweiten erwies sich als grosser Vorteil, als ich von der ruhigen Atmosphäre eines lokalen Cafés zu der lebendigen Bewegung des Electrico, Lissabons berühmtem Tram, überging. Die Möglichkeit, Touristen unaufdringlich in Szene zu setzen, indem ich auf 150mm zoomte und lediglich ihre Silhouetten festhielt, verlieh meinen Bildern eine zusätzliche Dimension.

Tamron 35-150 @35mm f2.8

Tamron 35-150 @150mm f2.8 + Freewell Glowmist

Tamron 35-150 @150mm f2.8

Tamron 35-150 @150mm f2.8

Porträtaufnahmen offenbarten eine weitere Stärke des Objektivs. Ob ich eine starke Kompression für einen fokussierten Effekt wählte oder den Hintergrund mit all seinen Details einbezog – die Ergebnisse waren durchweg beeindruckend. Die lichtstarke Blende von f/2.0 bis f/2.8 erwies sich als Segen in der Dämmerung und an bewölkten Tagen, da sie es mir ermöglichte, mit kürzeren Verschlusszeiten zu arbeiten und so die fehlende Bildstabilisierung zu kompensieren.

Trotz der Vielseitigkeit des Objektivs gab es Momente, in denen ich mir einen noch weitwinkligeren Blickwinkel gewünscht hätte, um die städtischen Monumente in ihrer vollen Grösse einzufangen. Diese Herausforderung meisterte ich jedoch mit Panoramaaufnahmen, wobei der AF-Schalter zum Fixieren des Fokus unverzichtbar war. Eine mittelstarke Vignettierung bei 35 mm Brennweite fiel zwar auf, fügte sich jedoch in vielen Szenarien harmonisch ins Gesamtbild ein. Für Landschaftsaufnahmen habe ich meist mit einer eher geschlossenen Blende fotografiert, was der Randschärfe zu Gute kommt. Ich konnte keine signifikanten chromatischen Aberrationen oder störenden Farbsäume im täglichen Einsatz feststellen, was für die optische Qualität des Objektivs spricht.

Die Naheinstellgrenze des Objektivs erweist sich als ausreichend für gelegentliche Nahaufnahmen, wie beispielsweise das Einfangen der Schönheit von Blumen oder das Festhalten kleiner, aber feiner Details. Für ambitionierte Makrofotografen ist das Objektiv jedoch nicht geeignet. Bei der Autofokus-Performance zeigt sich das Objektiv manchmal launisch, was jedoch auch an meiner Kamera liegen könnte. Während es in vielen Situationen zuverlässig und präzise fokussiert, erreiche ich mit Sony-Objektiven meist eine konstantere Trefferquote.

Tamron 35-150 @52mm f2.2

Tamron 35-150 @78mm f2.5

Die Wetterfestigkeit des Objektivs konnte ich in Lissabon gut testen, denn es gab immer wieder leichte bis mittelstarke Niederschläge. Generell mache ich mir kaum Sorgen um mein Equipment, deshalb habe ich es auch weiter genutzt. Zum Glück hat Tamron seine Profi-Linse gut abgedichtet, sodass sie den kurzen Regen ohne Probleme überstanden hat und mir tolle Aufnahmen ermöglichte. Trotzdem würde ich davon abraten, das Objektiv bei starkem, langandauerndem Regen zu nutzen. Der ausfahrende Tubus erhöht die Möglichkeit, dass etwas Feuchtigkeit ins Objektiv gelangt.

Ein Punkt, der sicher Beachtung verdient, ist das Gewicht des Objektivs. Für mich persönlich stellt es auch nach einer längeren Wanderung von 20 Kilometern kein Problem dar. Mein Bruder hingegen empfände das Gewicht als belastend, wenn er es über längere Zeit tragen müsste. Das Objektiv ist gross und schwer und sicherlich nichts, das ich den ganzen Tag an einer Handschlaufe mit mir herumtragen möchte. Der fehlende Bildstabilisator im Objektiv spart Gewicht, schränkt aber auch, je nach Kamerabody, die Handhabung bei langen Verschlusszeiten ein.

Für Event-Fotografie

Über die anderthalb Jahre, die ich das Tamron-Objektiv nun schon besitze, hatte ich bereits die Gelegenheit, es auf verschiedenen Events ausgiebig zu testen. Wie bereits in meinem Reisebericht erwähnt, erwies sich die schnelle Anpassungsfähigkeit des Tamron 35-150mm auch bei Veranstaltungen als äusserst nützlich. Der Brennweitenbereich war besonders wertvoll, da ich ohne die Unterbrechung aufgrund eines Objektivwechsels, zwischen verschiedenen weitwinkligen und Tele-Brennweiten wechseln konnte. Dies beschleunigte meinen Workflow erheblich und ermöglichte es mir, flexibel auf unterschiedliche Situationen zu reagieren, sodass ich sicher keine wichtigen Momente verpasste. Zudem reduzierte der Verzicht auf ständige Objektivwechsel nicht nur das Risiko von Staub und Fingerabdrücken auf dem Sensor, sondern minimierte auch die Gefahr, dass mir ein Objektiv herunterfällt. Ein bei hektischen Veranstaltungen nicht zu unterschätzender Vorteil.

Die Gewichtseinsparung im Vergleich zu meiner üblichen Ausrüstung war bei längeren Events ebenfalls deutlich spürbar.

Trotz dieser Vorteile ist das Tamron 35-150mm noch kein vollständiger Ersatz für lichtstarke Festbrennweiten, besonders bei Indoor-Events. In schlecht beleuchteten Umgebungen stösst selbst eine Blende von f/2.0 oft an ihre Grenzen und hier habe ich die zusätzliche Lichtstärke meiner Festbrennweiten vermisst.

Tamron 35-150 @150mm f2.8

Für People-Fotografie

Das Tamron 35-150mm Objektiv hat sich in den vorangehenden Themen als äusserst vielseitig erwiesen und ist auch regelmässig mein Begleiter bei Fotoshootings. Es hat fast alle meine bisherigen Objektive in der People-Fotografie ersetzt, wobei ich es nur durch Festbrennweiten ergänze, wenn ich einen bestimmten Look erreichen möchte. Die Flexibilität des Objektivs ermöglicht es mir, die Komposition meiner Bilder sofort anzupassen, egal ob im Studio oder im Freien, was den kreativen Prozess fördert und das Shooting für alle Beteiligten angenehmer macht.

Tamron 35-150 @50mm f3.5

Tamron 35-150 @150mm f2.8

Besonders beeindruckend am Tamron 35-150mm ist das attraktive Bokeh und die exzellente Trennung vom Hintergrund, die den Porträts eine besondere Tiefe und Atmosphäre verleihen. Der Autofokus ist schnell und präzise, was für die People-Fotografie entscheidend ist, damit ich die  flüchtigen Momente festzuhalten kann. Die Schärfe des Objektivs finde ich beeindruckend, besonders im Zentrum des Bildes, wo es am wichtigsten ist, während der leichter Schärfeverlust am Rand für mich kaum ins Gewicht fällt. Auch die Verzeichnung ist minimal und neigt dazu, Objekte  schlanker wirken zu lassen, was in der Porträtfotografie vorteilhaft sein kann.

Selbst unter schwierigen Lichtverhältnissen habe ich keine störenden Farbsäume bemerkt, was für die optische Qualität des Objektivs spricht. Allerdings neigt es bei starkem Gegenlicht dazu, Flares zu zeigen, die zu einem Kontrastverlust führen können, besonders am Tele-Ende der Brennweite.

Tamron 35-150 @73mm f3.5

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir das Tamron 35-150mm wirklich Spass macht. Es ist vielleicht nicht das perfekte Objektiv für jeden Fotografen und jede Anwendung, aber es vereint viele Funktionen in einem und kann dennoch mit anderen Spitzenobjektiven mithalten. Der Satz „Jack of all trades, master of none, though oftentimes better than a master of one.“ fasst das Objektiv perfekt zusammen.

Die Flexibilität des Brennweitenbereichs ermöglicht es mir, eine Vielzahl von Aufnahmesituationen abzudecken, ohne ständig die Objektive wechseln zu müssen. Ob Landschaften, Porträts oder Detailaufnahmen – das Tamron 35-150mm meistert die meisten Herausforderungen souverän. Gelegentlich wünschte ich mir jedoch einen noch weitwinkligeren Bereich, insbesondere bei städtischen Aufnahmen oder Landschaften.

Ein weiterer Pluspunkt ist die robuste Verarbeitungsqualität. Die zusätzlichen Features wie der USB-C-Anschluss und die wetterfeste Abdichtung sind nützliche Ergänzungen. Natürlich gibt es auch einige Schwächen, wie die Randschärfe bei Weitwinkelaufnahmen und das Flaring. Für die meisten fotografischen Einsatzzwecke sind diese Einschränkungen jedoch nicht gravierend. Ob das Fehlen von 24mm Brennweite einen zu grossen kompromiss darstellt, muss jeder Fotograf persönlich entscheiden. 

Für mich hat sich das Tamron 35-150mm als zuverlässiger Begleiter erwiesen, das meine Ausrüstung verschlankt und meinen Workflow effizienter gestaltet hat. Insgesamt bietet das Tamron Objektiv ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich kann jedem empfehlen, dieses Objektiv genauer zu begutachten.


Über den Autor

Mein Name ist Marvin, und ich bin in der Portrait- und Wildlifefotografie zuhause. Schon als Kind war ich von der Fotografie fasziniert und wollte Momente mit der Kamera einfangen. Für mich ist ein Foto weit mehr als nur festgehaltenes Licht oder ein Schnappschuss. Ein Foto ist für mich wie eine Zeitmaschine. Es ermöglicht mir, zu den schönsten Momenten zurückzukehren und alles erneut zu erleben – von den Gerüchen bis hin zur Stimmung.

Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet man mich an der Universität Zürich, wo ich zurzeit studiere.

Website: www.smotographers.com

Instagram: @smotographers