Fabian Fopp alias @naturfotografie_fopp, ist ein Schweizer Wildlife-Fotograf mit Fokus auf Säugetiere und Vögel. In seiner Arbeit kombiniert er Artenkenntnis und Naturerlebnis mit dem Anspruch, nicht nur Tiere festzuhalten, sondern auch ihren Lebensraum und die Geschichten dahinter erlebbar zu machen.

 

TIPP NR. 1: PERSPEKTIVEN

Begebe dich auf Augenhöhe mit deinem Motiv.

Warum ist dieser Tipp so wichtig?
Dieser Tipp gilt eigentlich für alle Tiere, auch für Menschen. Man erhält einen viel intimeren Bildlook, wenn man eine flache Perspektive wählt.

Wann funktioniert das besonders gut?
Am deutlichsten wird der Effekt, wenn man Tiere fotografiert, die klein sind und am Boden leben, oder bei Vögeln, die in einem Baum sitzen oder gar am Himmel kreisen.

Kannst du ein konkretes Beispiel geben?
Wenn ich Enten fotografiere, die auf einem See oder Fluss schwimmen, versuche ich, so tief wie möglich herunterzugehen, sodass ich nur knapp über der Wasserkante fotografiere. Je nach Topografie des Ufers fotografiere ich mit einem Bohnensack oder stelle mein Stativ ins Wasser.

Was machen viele hier falsch?
Sie trauen sich nicht, sich dreckig zu machen – wenn man tief heruntergehen will, muss man oft am Boden liegen. Hier hilft sicher die richtige Vorbereitung: Ich nehme oft ein frisches T-Shirt, eine Hose und Socken in den Rucksack mit, damit ich mir im schlimmsten Fall nach dem Fotografieren wieder etwas Trockenes anziehen kann.

 

TIPP NR. 2: KAMERAKONFIGURATION

Setze dich mit deiner Kamera und der Tastenbelegung auseinander.

Warum ist dieser Tipp so wichtig?
In der Tierfotografie passieren Dinge oft schnell, oder es ergeben sich unerwartet neue Möglichkeiten. Wenn du jedes Mal ins Menü musst, um die Einstellungen der Kamera anzupassen, verlierst du wertvolle Zeit und verpasst unter Umständen den besten Moment.

Wann funktioniert das besonders gut?
Zum Beispiel, wenn du verschiedene Bildideen umsetzen möchtest, die unterschiedliche Einstellungen benötigen, oder wenn du verschiedene Motive fotografierst.

Kannst du ein konkretes Beispiel geben?
Für Singvögel, die in einem Baum sitzen, nutze ich ganz andere Einstellungen als für eine Schwalbe, die ich im Flug fotografieren möchte. Dies betrifft meist nicht nur die Verschlusszeit, sondern auch den Autofokus, das Serienbild und den ISO-Wert. Heutige Kameras lassen sich sehr gut konfigurieren, und man kann sich z. B. ein „Action-Preset" abspeichern, das man dann mit dem Druck einer Taste aufrufen kann.

Was machen viele hier falsch?
Viele Leute nutzen diese Möglichkeit nicht oder vergessen, welchem Bedienelement sie welche Funktion zugewiesen haben. An einem regnerischen Tag kann man das auch gut zu Hause üben.

 

TIPP NR. 3: BRENNWEITE

Brennweite – mehr ist nicht immer besser.

Warum ist dieser Tipp so wichtig?
Die Entscheidung, wie viel Brennweite man einsetzt, beeinflusst massgeblich, was auf dem Foto enthalten ist und was nicht. Einige Elemente können ablenkend wirken, während andere helfen können, eine bestimmte Geschichte zu erzählen.

Wann funktioniert das besonders gut?
In Situationen, in denen die Umgebung etwas zum Bild beiträgt. Dies kann eine Berglandschaft, aber auch eine Stadt sein, falls man Tiere im urbanen Lebensraum dokumentieren möchte. Am besten funktioniert es, wenn man etwas näher an die Tiere herankommt und weniger Brennweite nutzen kann.

Kannst du ein konkretes Beispiel geben?
Vor ein paar Jahren war ich in Norwegen und wollte Goldregenpfeifer fotografieren. Diese Art hatte ich dort schon vorher fotografiert, allerdings eher „klassisch" mit rund 700 mm Brennweite. Dieses Mal nutzte ich mein 100–300-mm-Objektiv, um die Fjell-Landschaft ins Foto miteinzubeziehen.

Was machen viele hier falsch?
Gerade wenn man damit beginnt, Vögel oder andere Tiere zu fotografieren, ist man dazu geneigt, diese möglichst gross zu zeigen. Oft hat das Tier dann zu wenig freien Raum, und das Foto verliert an Wirkung.

 

FABIANS EQUIPMENT

Mit welchem Setup arbeitest du aktuell und warum?
Mit der Canon R1 und R5 II, die sich durch den zuverlässigen Autofokus und das schnelle Serienbild ausgezeichnet für das Fotografieren und auch Filmen von sich schnell bewegenden Tieren eignen. Bei den Objektiven ist es ein Trio aus RF 28–70mm f/2, RF 100–300mm f/2.8 und RF 600mm f/4. So kann ich einen grossen Brennweitenbereich abdecken, ohne auf lichtschwache Objektive zurückgreifen zu müssen.

Wenn du nur ein Objektiv verwenden dürftest, welches wäre es?
Eindeutig das Canon RF 100–300mm f/2.8. Es ist zwar nicht mein meistbenutztes Objektiv, aber viele meiner Lieblingsfotos sind mit dieser Linse entstanden. Es erlaubt mir, mehr vom Lebensraum des Tieres zu zeigen, ohne dass dieser ablenkend wirkt.

Welche Funktionen deiner Kamera nutzt du am häufigsten und in welchen Situationen?
Ich nutze sehr häufig die Möglichkeit, mit der M-Fn-Taste zwischen dem C1- und C3-Modus hin- und herzuwechseln. Dabei werden Autofokusfeld, Serienbild, Verschlusszeit, ISO und weitere Parameter im Bruchteil einer Sekunde verändert.

Welche Accessoires nutzt du regelmässig und warum?
Für das bodennahe Fotografieren mit dem Teleobjektiv nutze ich gerne einen Bohnensack. Dieser ist sehr flexibel und macht das Nachführen einfacher, als wenn man die Kamera einfach auf dem Boden abstützt.

Wenn du dein Setup in einem Satz beschreiben müsstest, wie würde er lauten?
Vielseitig, robust und kompromisslos.

 

Fabians Kameras

 

Fabians Objektive

 

ÜBER FABIAN FOPP

 

Wofür bist du bekannt bzw. was zeichnet deine Arbeit aus?
Ich habe mich auf die Fotografie von diversen Säugetieren und Vögeln in Europa spezialisiert. Neben den klassischen Fotos versuche ich gerne, etwas mehr vom Lebensraum der Tiere im Foto zu zeigen, sodass man ein besseres Verständnis der entsprechenden Tierart bekommt. Seit rund sechs Jahren gebe ich mein Wissen auf YouTube, in E-Books, Videokursen und Fotoworkshops weiter.

In welcher Art Fotografie fühlst du dich am wohlsten? Warum?
Ich fotografiere zwar diverse Motive in der Natur, aber Vögel und Säugetiere haben es mir am meisten angetan. Es verbindet Artenkenntnis, Naturerlebnis und auch einen gewissen Adrenalinkick, wenn man auf einmal die Paarung einer bestimmten Vogelart beobachten kann oder ein Tier neugierig wird und sich einem nähert.


 

Was war ein prägender Moment in deiner Fotografie Karriere?
Als ich 17 Jahre alt war, habe ich mein gesamtes Sparkonto geleert, um mir ein 500mm f/4 Objektiv zu kaufen.

Was beschäftigt / inspiriert dich fotografisch gerade am meisten?
Tiere – egal welche Art – in aussergewöhnlichen Licht- oder Wetterbedingungen zu fotografieren. Es braucht aber manchmal etwas Überwindung…

Was inspiriert dich ausserhalb der Fotografie?
Natürlich die Natur, ansonsten hätte ich vermutlich nie zur Wildlife-Fotografie gefunden. Beim Spazierengehen oder Joggen im Wald kommen mir oft neue Bild- oder Videoideen, die ich später versuche umzusetzen.

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