📸 EINE NEUE ÄRA DER LEICA M

Endlich ist sie da: meine langersehnte Leica M mit digitalem Sucher. Ein EVF in einer Kamera, die ihren Namen vom Messsucher hat – das sorgt sicher nicht überall für Begeisterung. Aber fangen wir vorne an.



🔍 Wie der Messsucher Denken und Sehen verändert

1932 führte Leica mit der Leica II erstmals einen eingebauten, mit dem Objektiv gekoppelten Entfernungsmesser ein. Diese Kamera hatte aber noch zwei separate Fenster: einen Sucher für den optischen Bildaufbau und einen Messsucher fürs Scharfstellen.

Das Wort Messsucher beschreibt dabei die Kombination aus Sucher und Entfernungsmesser. Ab 1954 hatte die Leica M3 ein kombiniertes Messsucherfenster.

Der Sucher beinhaltet ab dieser Version einerseits Hilfslinien, die dich bei der Komposition des Bildes unterstützen, und andererseits das analoge Schnittbild, um korrekt zu fokussieren. Die Hilfslinien werden auch über eine entsprechend mechanische Übertragung vom Objektiv an den Body weitergegeben.

Wer noch nie mit einem Messsucher fotografiert hat, sollte dies unbedingt einmal ausprobieren. Es ist ein sehr puristisches Gefühl beim Fotografieren, obwohl es durchaus auch seine frustrierenden Momente mit sich bringt.

Wenn beim Hantieren mit der Kamera ein Finger vor das kleine Fokussierfenster rechts neben dem Logo rutscht oder sich generell etwas vor dem Messsucher befindet, kann nicht fokussiert werden.

Zudem muss einem bewusst sein, dass man nicht durch das Objektiv schaut. Der Messsucher befindet sich links vom Objektiv und hat eine andere optische Achse als der Sensor oder Analogfilm hinter dem Objektiv. Wenn du also durch einen Lattenzaun fotografierst, kann es durchaus passieren, dass du durch den Zwischenraum siehst, dein Bild aber nur die Holzlatte zeigt.

📏 Zone Focusing: Schnell scharf ohne Autofokus

Bevor der Messsucher kam, war das Zonenfokussieren die übliche Methode – und sie wird auch heute noch praktiziert.

Viele Objektive, selbst einige mit Autofokus, haben eine eingravierte oder aufgedruckte Fokussierskala. Darauf lässt sich ablesen, welcher Entfernungsbereich bei einer bestimmten Blende scharf abgebildet wird.

Die Skala zeigt also, wie Blende und Fokuseinstellung zusammenhängen – anfangs wirkt das etwas verwirrend, aber mit etwas Übung wird es schnell verständlich.

In der Praxis ist das Zonenfokussieren die schnellste Art zu fokussieren – vorausgesetzt, man beherrscht sie. Die Blende wird am Objektiv eingestellt, der Fokusring auf die gewünschte Distanz gedreht.

Stelle ich beim Leica Summilux-M 1.4/24 ASPH den Fokusring auf drei Meter und wähle Blende 2.8, zeigt mir die Skala, dass alles zwischen etwa zwei und vier Metern scharf ist. Wenn ich also beim Fotografieren darauf achte, Motive in diesem Bereich zu platzieren, muss ich nicht mehr fokussieren.

Natürlich hat das auch seine Grenzen. Bei bewegten Motiven funktioniert es nicht immer zuverlässig – und wer, wie ich, Distanzen schlecht einschätzen kann, wird öfter mal danebenliegen.

Trotzdem gilt beim manuellen Fokussieren klar: Übung macht den Meister.

🖥️ Warum ein EVF die M plötzlich vielseitiger macht

Wer schon einmal manuell an einer Systemkamera fokussiert hat, kennt die Vorteile eines elektronischen Suchers. Die farbige Kantenanhebung – meist in Rot – zeigt sofort, wo der Fokus liegt. Man ist nicht mehr darauf angewiesen, dass sich genau in der Bildmitte eine Struktur befindet, an der man die Schärfe beurteilen kann. Selbst am Bildrand lässt sich dank digitaler Hervorhebung erkennen, wo der Fokus sitzt. Und natürlich sind alle Anzeigen, Menüs und auch die Bildrückschau direkt im Sucher verfügbar – das ist schlicht komfortabel.

Im vorherigen Abschnitt ging es um den Ursprung des Messsuchers: die Leica II mit ihren zwei getrennten Fenstern. Innerhalb von zwanzig Jahren entwickelte sich daraus ein kombiniertes System – eine echte Innovation ihrer Zeit. Heute mag man kaum nachvollziehen, wie bedeutend diese Verbindung aus Sucher und Entfernungsmesser damals war. Wer sich jedoch etwas mit der Geschichte von Leica und der Entstehung des Kleinbildformats beschäftigt, versteht schnell, wie viel Ingenieurskunst und unternehmerischer Mut darin steckten.

Die nächste grosse Veränderung kam erst 2006, als Leica mit der M8 die erste digitale M vorstellte. Ihr APS-H-Sensor stammte von Kodak, bot 10,3 Megapixel und hatte einen Cropfaktor von 1,33. Damit blieb das M-System seiner Form treu, während sich die Technik darunter veränderte. Umso bemerkenswerter ist es, dass nun mit der Leica M EV1 erstmals eine M ohne Messsucher erscheint – mit einem EVF an seiner Stelle. Für viele ist das ein Paradigmenwechsel, für andere eine längst überfällige Entwicklung.

💭 Mein persönlicher Blick auf die M EV1

Ich bin der Geschichte und den Kameras von Leica sehr zugetan, obschon ich erst Ende 2022 meine erste eigene Leica gekauft habe. Und die hatte ein EVF: eine Q2.

Kurz darauf gesellte sich eine M11 dazu und unterdessen konnte ich mir ein gutes Bild über das gesamte Lineup von Leica machen. Obwohl ich verstehe, dass ein EVF in einer M Kamera nicht für alle Freunde aus der Leica Community ein Bedürfnis ist, kann diese Neuigkeit gerade für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen ein Segen sein.

Manuelles Fokussieren ist sicher eine Herausforderung, aber mit Übung absolut lernbar. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Dass man in hektischen Situationen nicht einfach auf Autofokus umschalten kann, fühlt sich anfangs, wie eine Einschränkung an – vor allem, weil wir uns Autofokus schlicht gewohnt sind.

Aber bei weitem nicht jeder Autofokus trifft zuverlässig. Bei der Leica M steuerst du diesen Vorgang bewusst selbst. Wer sich mit der Zonenfokussierung beschäftigt und sich die Zeit dafür nimmt, wird kaum Probleme haben, konstant scharf zu fotografieren.

Wenn du dich für eine Leica M EV1 interessierst oder für eine andere Kamera aus der Leica Welt, buch gerne einen individuellen Fotowalk mit mir. Ich stelle dir verschiedene Modelle persönlich vor und zeige dir, wie du manuell fokussieren kannst. Die Fotowalks findest du über diesen Link. Sollten gerade keine Walks geplant sein, kontaktier uns einfach per Mail.

🎒 Welche Leica passt zu dir?

Leica bietet für jeden ein passendes Modell: die SL3, SL3-S und SL3 Reporter als Systemkameras mit Wechselbajonett und grösserem Body. Die Leica Q Modelle mit fest verbautem Objektiv in 28 oder 43 Millimetern. Die kompakte D-Lux 8. Und natürlich die verschiedenen Modelle der M Reihe, von Sonderfarben über die M11-D ohne LCD für das reine Messsucher Erlebnis bis zur M11-Monochrom für Liebhaber und Liebhaberinnen der Schwarzweiss Fotografie.

  • Kompakte, digitale Systemkamera
  • Integrierter elektronischer OLED-Sucher 5,76 MP 
  • Fokussierhilfen für einfaches manuelles Fokussieren
  • Dioptrienausgleich von -4 dpt. bis +2 dpt.
  • 60MP BSI-CMOS-Vollformatsensor mit Triple Resolution Technologie
  • 64GB interner Speicher
  • Zeitloses ikonisches Design mit eleganter Belederung im Rautenmuster
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CHF 7’950.00
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  • Stefan Lehmann

    Selbständiger Fotograf und Videoproduzent 
    Inhaber lehmann kreativ GmbH Aarberg

    Instagram: @stefanlehmann_
    Youtube: @stefanlehmann_ch

    Seit rund 10 Jahren erbringe ich Dienstleistungen im Bereich Foto & Video. Ich mag Review-Videos auf Youtube, grillieren und schöne Kameras. Beruflich arbeite ich am Liebsten mit 85mm Brennweite und privat habe ich meistens etwas um 35mm bei mir. Fotografisch versuche ich die ungestellte Streetfotografie in meine übrigen Buchungen einfliessen zu lassen. Blitzlicht mag ich nicht besonders, dafür könnte ich Stunden damit verbringen, Kamerarigs zu bauen.