
Zum Glück ist meine Sony RX1RIII nicht nachtragend. Ich stelle mir vor, wie sie im Herbst 2025 beleidigt in der Schublade sitzt und sich fragt, warum ich sie gekauft habe. Mir ist dabei ein gravierender Fehler unterlaufen. Heute sind wir aber versöhnt und glücklich. Mehr über meine Beziehung mit Sonys neuster Premium Kompaktkamera erfährst du in diesem Blogartikel.
UNTER DER HAUBE
Der A7R V Sensor
Das Herzstück der neusten Version der RX1R-Serie ist der 60-Megapixel-Vollformatsensor mit bis zu 15 Stufen Dynamikumfang. Das klingt zunächst etwas unspektakulär, weil derselbe Sensor bereits in der Alpha 7R V zum Einsatz kommt. Der entscheidende Unterschied: Die RX1R III ist rund ein Drittel kleiner – trotz fest verbautem 35-Millimeter-Objektiv. Die RX1R passt damit problemlos in etwas grössere Jackentaschen, Bauchtaschen oder Handtaschen und fällt mit ihren 498 Gramm nicht wirklich ins Gewicht. Jedenfalls nicht für eine so leistungsfähige Vollformatkamera.
Bekanntes Objektiv
Sony verbaut erneut das Zeiss Sonnar T* 35 mm F2, auf das wir später in diesem Artikel noch genauer eingehen werden.
Moderne Chip-Architektur
Nebst dem Bildsensor ist ein dedizierter KI-Chip für den Autofokus enthalten. Dank dieser zusätzlichen Rechenleistung versteht die Kamera deutlich mehr vom Bildinhalt und kann Menschen sowie Tiere aktiv erkennen und verfolgen. Selbst wenn ein Motiv kurz aus dem Bild verschwindet und wieder auftaucht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Autofokus wieder auf die gewünschte Person oder das gewünschte Objekt springt. Das ist bei actionreichen Szenen genauso nützlich wie im Alltag mit der Familie.
LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK
Der gravierende Fehler, weshalb ich Sonys neusten RX1R-Ableger nach einer kurzen Kennenlernphase wieder in der Schublade verschwinden liess, war ständiger Vergleich.
Als die Sony RX1R III auf den Markt kam, fotografierte ich mit fünf verschiedenen Kamerasystemen. Ich litt unter einer gewissen Megapixel-Reizüberflutung und befand mich mitten in der Hochzeits-Saison. Ich bin nicht hauptsächlich Hochzeitsfotograf, aber im dritten Quartal 2025 war wirklich viel los. Natürlich hatte ich mein bewährtes Kit, das ich für solche Einsätze nutzte. Die Sony RX1R III gehörte damals nicht dazu. Sie war zu neu. Und ehrlich gesagt nahm ich mir viel zu wenig Zeit, sie wirklich kennenzulernen...
Warum brauche ich eigentlich noch eine Premium-Kompaktkamera?
Weil ich gerne Kameras kaufe.
Daran muss ich wohl noch arbeiten.
Aber warum habe ich die Kamera heute, fast ein Jahr später, immer noch?
WEIL SIE SENSATIONELL GUT IST
Nehmen wir den Elefanten im Raum vorweg: Sie ist teuer.
Ich habe in den letzten Monaten viele Leute getroffen, die die Kamera beinahe ehrfürchtig in die Hand genommen haben und sie mir mit ungefähr denselben Worten zurückgaben. Sie sei genau so cool, wie man es sich vorgestellt habe – aber einfach zu teuer. Gehen wir dem also auf den Grund. Was heisst überhaupt «zu teuer»? Die Kamera kostete beim Release CHF 4'199.–. Das ist richtig viel Geld.
Eines ihrer besten Features kommt ihr bei der Rechtfertigung dieses Preises gleichzeitig in die Quere: ihre Grösse. Die Kamera ist etwa so gross wie ein 500 Gramm schweres Schoggiweggli. Wenn es sein muss, packe ich so eines in die Hosentasche.
Die offiziellen Masse der RX1R III betragen 11,3 cm Breite, 6,8 cm Höhe und 8,8 cm Tiefe inklusive Objektiv. Und darin steckt ein 60-Megapixel-Vollformatsensor mit einem KI-gestützten Autofokus-System, das verschiedene Motive erkennen, verfolgen und zuverlässig wiederfinden kann.
Das fest verbaute Zeiss-Objektiv verfügt zudem über einen integrierten Makro-Modus. Dieser verkürzt die Naheinstellgrenze von 30 auf 20 Zentimeter ab Sensor. Besonders erfreulich: Die maximale Lichtstärke bleibt dabei erhalten. Auch im Makro-Modus steht weiterhin Blende 2 zur Verfügung.
TIEFPASSFILTER & LEAF SHUTTER
Zudem sitzt kein Tiefpassfilter vor dem Sensor, was den Mikrokontrast etwas erhöht. Dazu kommt der Leaf-Shutter. Der Verschluss sitzt also im Objektiv und verschliesst zentral und nicht wie ein klassischer Vorhang, der sich von oben nach unten schliesst. Er ist kaum hörbar und sehr unauffällig. Er erlaubt Blitzsynchronzeiten bis 1/2000 Sekunde bei Blende 2. Zudem führen Leaf-Shutter nur zu minimale Erschütterungen in der Kamera, was das Fotografieren ohne zusätzlichen Stabilisator vereinfacht. Die Nachteile des Leaf-Shutters sind sein Preis und die reduzierte, maximale Verschlusszeit von 1/2000 Sekunden. Beim Fotografieren mit offener Blende im hellen Sonnenlicht habe ich also stets ein ND4-Filter mit 49mm Filtergewinde bei mir.
Dass in dieser kompakten Kamera ein so starker Bildsensor verbaut ist, ist jeden Franken wert, denn diese Kamera nimmst du einfach immer mit.
ZEISS SONNAR T 35 F2
Die wichtigsten Fakten habe ich bereits erwähnt: den Makro-Modus, Blende 2, die sich auch im Makro-Modus nicht reduziert, den Leaf Shutter direkt im Objektiv sowie das 49-mm-Filtergewinde. Es ist offensichtlich dasselbe Objektiv, das bereits in den Vorgängerversionen der RX1 verbaut war. Entsprechend gab es im Internet einige kritische Stimmen, die mich zunächst etwas verwirrt haben. Wie könne Sony ein so altes Objektiv mit einem derart hochauflösenden Sensor kombinieren?
Nachwievor starkes Objektiv
Ich kann diese Argumentation nur bedingt nachvollziehen. Ich liebe es, ältere Objektive an modernen Kameras zu verwenden. Viele aktuelle Objektive sind klinisch scharf. Oft nutze ich deshalb Black Mist Filter oder ähnliche Vorsatzfilter, um dem etwas entgegenzuwirken. Das Zeiss 35 mm hat keinen ausgeprägten Glow – und das ist gut so. Dafür zeigt sich bei Blende 2 eine leichte Vignette. Ich mag das. Das Bokeh wirkt angenehm ruhig und die Bilder erhalten eine harmonische Gesamtwirkung. Wenn ich mit der RX1R III fotografiere, stehen keine Testcharts auf dem Programm.
35MM LOVE
Ich nutze sie mittlerweile für Events aller Art und als tägliche Begleiterin. Die Bilder gefallen mir durchwegs. Mal kommt die Sonne frontal, mal von der Seite oder von oben – die Resultate bleiben organisch und besitzen eine schöne Tiefe. 35 Millimeter Brennweite bei Blende 2 ist einfach eine Kombination, die in unzähligen fotografischen Situationen hervorragend funktioniert.
Ägypten im April 2026 – es ist eindrücklich, dass man mit der RX1RIII die Leistung einer grossen Systemkamera in der Jackentasche dabei hat.
ÜBERZEUGEND?
Nebst den grossen Features gibt es einige Kleinigkeiten, die den Alltag angenehm machen.
Sucher - nicht mehr einklappbar
Der fest verbaute Sucher gehört für mich dazu. Viele kleine Kameras verzichten mittlerweile darauf. Die RX1R III nicht. Gerade bei hellem Sonnenlicht fotografiere ich deutlich lieber durch den Sucher als über das Display. Toll ist der Sucher geblieben. Die RX1R II hatte ebenfalls einen Sucher. Diesen konnte man jedoch im Gehäuse versenken und bei Gebrauch wieder mechanisch hochfahren. Ein ausgeklügelter Mechanismus der verschwunden ist.
Moderne Schnittstellen
Dazu kommen USB-C mit Ladefunktion, WiFi für die Bildübertragung aufs Smartphone und die praktische Step-Crop-Funktion. Per Knopfdruck wechselt die Kamera von 35 auf 50 oder 70 Millimeter Bildwinkel. Dank der 61-Megapixel-Auflösung bleibt dabei immer noch genügend Reserve übrig.
Immer noch NP-FW50 Akku
Ein kleines Minus bekommt die Akkulaufzeit, die für etwas mehr als 300 Bilder reicht. Ein grösserer Akku und damit auch ein grösserer Kamerabody wären aber ebenfalls schade gewesen. Wohl ein Kompromiss den wir eingehen müssen, wenn wir so viel Technik auf kleinstem Raum wünschen. Und da die RX1R III in der neusten Version USB-C mit Power Delivery unterstützt, kann man sie unterwegs unkompliziert über nahezu jede Stromquelle nachladen.
Die Abbildungsleistung des Sensors, der Bildlook des Zeiss Sonnar 35mm und die Makro-Fähigkeit gefallen mir besonders gut.
MEIN FAZIT
Meine Frau ist Fan
Meine Frau war Gast in einem Spalier an der zivilen Trauung eines Freundes. Ich konnte leider nicht teilnehmen, da ich an diesem Tag einen Auftrag hatte. Also gab ich meiner Frau die RX1R III mit, stellte alles auf Auto und sagte ihr, sie solle einfach ein wenig fotografieren – und die Kamera bitte heil zurückbringen.
Am nächsten Tag bearbeitete ich die Bilder kurz und schickte sie unserem Freund. Ich war beeindruckt, wie viele Aufnahmen im Fokus waren. Meine Frau ist keine Fotografin, sie knipst. Und sie fotografiert oft unscharfe Bilder. Nicht mit der RX1R III. Von da an fragte sie mich immer wieder, ob sie die Kamera nicht mitnehmen dürfe, "weil die kleine Sony so gute Fotos schiesst".
Gerne mit dabei
Ich wurde ein wenig neidisch, dass sie so viel Spass an der Kamera hatte. Also nahm ich die RX1R III selbst wieder an einige Events mit. Einfach als kleine, unauffällige 35-mm-Kamera. So fand die RX1R III ihren Weg aus der Schublade zurück in meine Fototasche. Immer dann, wenn ich mich nicht um zu viel kümmern möchte und eine möglichst kleine Kamera dabeihaben will.
Gerade wenn ich mit Sony A7 Kameras arbeite, ist es für meinen Workflow angenehm, wenn die kleine Kamera beim Apéro oder an einer zivilen Trauung ebenfalls einen Sony Sensor nutzt und ähnliche Farben sowie ein vertrautes Rendering liefert.
Einzigartig im Sony Kosmos
Ja, es gibt günstigere Kameras, die ebenfalls viel können. Und es gibt andere Kameras mit einem 61-Megapixel-Vollformatsensor. Aber die RX1-Serie mit Sony Menü, Sony Bedienkonzept, Sony Sensor, den vertrauten Farben und insbesondere dem vorbildlichen Autofokus ist im Sony-Kosmos einzigartig.
Deshalb freue ich mich inzwischen sehr, dass Sony die RX1-Fans mit einer dritten Version dieser besonderen Kamera versorgt hat. Komm sie dir am besten in einer der Foto Zumstein Filialen anschauen und überzeuge dich bei einem Try before buy via Zumirent selbst von dieser enormen fotografischen Leistung in einem Gehäuse mit den ungefähren Abmessungen eines Schoggibrötlis, das locker in deine Jackentasche passt. ;-)
Bei unserer Istanbul-Reise im Herbst 2025 hat die RX1RIII definitiv mein Herz erobert.
DIE CAM
PASSENDES ZUBEHÖR


























