

Wer sich heute für den Kauf eines Filters entscheidet, sieht sich einer Flut von Optionen gegenüber, die die Entscheidungsfindung fast unmöglich machen. Von günstig bis Premium gibt es ein reichhaltiges Angebot an verschiedenen Filtern. Bei variablen Graufiltern, auch VND (Variable Neutral Density) genannt, ist die Qualität jedoch besonders relevant. Denn bei diesm Filtertyp muss das Glas hervorragend verarbeitet sein, um unschöne Verfärbungen zu vermeiden.
Wer auf der Suche nach einem hochwertigen VND-Filter mit einem Durchmesser von 82mm ist, muss tief in die Tasche greifen. Die Preise der Hersteller wie Nisi und PolarPro liegen bei 170-200 CHF, wobei man für ein Magnetsystem nochmals mit einem Aufpreis rechnen muss. Umso überraschender ist der neue V2 Magnetischer Hybrid-VND/CPL-Filter mit 3–7 Stopps von Freewell, der all diese Eigenschaften für 149 CHF bieten soll. Es stellt sich die Frage, ob er wirklich gut sein kann.
Ich habe die Möglichkeit dieses neue System zu testen. Dafür teste ich den Filter in der Basisversion. Es gibt auch eine Pro-Version mit zusätzlichen Effektfiltern.
Verpackungsinhalt
Beim Öffnen der Verpackung fällt mir sogleich eine stabile Hülle auf, in der man den Filter transportieren kann. Die mitgelieferte Hülle aus Kunstleder macht auf mich einen hochwertigen Eindruck. In der Hülle finde ich auch gleich den Filter mit dem magnetischen Objektivdeckel, den Basisring und eine magnetische Schutzkappe, jeweils separiert durch Trennwände aufbewahrt. Ausserdem liegen noch eine Gebrauchsanleitung, ein Mikrofasertuch und ein kleiner Karabiner bei.




Erster Eindruck
Zuerst nehme ich die Gebrauchsanweisung zur Hand und lege sie sogleich zurück in die Verpackung, denn wer braucht schon eine Anleitung für einen Filter?! :-) Letztendlich habe ich sie doch noch für den Testbericht angeschaut und finde, dass sie gut illustriert ist. Der Rest des Zubehörs macht ebenfalls einen gut verarbeiteten Eindruck. Alles ist einwandfrei beschichtet. Das Magnetsystem erscheint auf den ersten Blick durchdachter als jenes der ersten Generation. Dies ist am besten beim Frontdeckel ersichtlich, der nun einen integrierten Griff hat und somit das Abnehmen erleichtert. Dies war beim Vorgängermodell nicht der Fall und ich musste mir mit Panzer-Tape selbst einen kreieren.
Der Filter hinterlässt einen robusten Eindruck. Das Verstellen der Dichte funktioniert reibungslos und dank der festen Endpunkte besteht keine Gefahr, den Filter zu überdrehen. Die Seiten sind mit Rillen versehen, die einen besseren Halt gewährleisten. Auffällig sind auch die zwei seitlich angebrachten Schrauben, die den Filter am Adapter fixieren. Um den zirkularen Polarisationsfilter (CPL) zu verwenden, können diese Schrauben einfach gelöst werden.
Ein kleiner Nachteil ist die Tatsache, dass sich die Schrauben vollständig entfernen lassen. Dies birgt das Risiko, dass sie nach einiger Zeit verloren gehen könnten. Ersatzschrauben können aber problemlos nachbestellt werden.




Tests
Um die Qualität des Filters zu beurteilen, habe ich eine Reihe von Tests durchgeführt. Ich verwendete hierfür meine Sony A7R III mit meinem Tamron 35-150mm Objektiv bei einer Brennweite von 35mm und einer Blende von f/8, um mögliche Schwachstellen aufzudecken.
Vignettierung:
Zur Erkennung einer Vignettierung fotografierte ich eine weisse, beleuchtete Wand. Schon auf dem Kamerabildschirm konnte ich keine Vignette erkennen. Dies konnte ich dann auch später am Computer bestätigen. Um jedoch eine geringfügige Vignette sichtbar zu machen, erhöhte ich den Kontrast und den „Dehaze“ Regler, wo ich dann ganz in den Ecken fündig wurde.


Bei meiner Testaufnahme ist kaum eine Vignettierung ersichtlicht.


Erst bei einer starken Nachbearbeitung mit "Dehaze" und Kontrast wird sie hervorgehoben.
Verfärbung:
Die Farben wurden durch den Filter nicht signifikant verändert. Ich stellte einen leichten Magentastich fest, der jedoch in Lightroom mit etwa +8 Grün korrigiert werden konnte. Dieser Farbstich verstärkte sich auch nicht mit zunehmender ND-Dichte, was auf eine hohe Qualität des Glases hindeutet. Auch die generelle Farbwiedergabe ist ausgezeichnet und weicht nur minimal vom Kontrollbild ab, wobei dies so gering ist, dass dies auch am Test liegen könnte.


Farben ohne Filter


Farben mit Filter
Schärfe:
Auch bei der Schärfe kann der Filter punkten, denn es ist kein merkbarer Verlust an feinen Details bei 4-facher Vergrösserung zu erkennen. Dies macht ihn zum perfekten Begleiter hochauflösender Kameras wie der Hasselblad X1D, oder Fujifilm GFX 100s.


Erfahrungen
Nach einer solch hervorragenden Leistung bei den Tests fragt man sich, ob sich der Filter auch in der Praxis bewährt. Um darauf einzugehen, werde ich meine Erfahrungen in die Kapitel „Fotografie“ und „Videografie“ aufteilen.
Fotografie
Die optischen Qualitäten des Filters sind mehr als geeignet für jegliche Art von Fotografie. Mit dem Filter sind Langzeitbelichtungen super einfach und schnell machbar, und durch die Zusatzfunktion des CPL können die Farben noch verbessert werden, ohne einen zusätzlichen Filter nutzen zu müssen. Der CPL ist zwar ein wenig fummelig, aber ich sehe keine bessere Möglichkeit diese zwei Filter zu kombinieren.
Jedoch überzeugt mich das System als Ganzes nicht komplett für die Fotografie. Die Nutzung einer Gegenlichtblende wird durch den Basisrings komplett verhindert. Zudem können keine bestehenden Filter vorne aufgeschraubt werden und müssen immer hinter dem Basisring befestigt werden. Dies erscheint mir fragwürdig, denn bei der ersten Generation war dies noch möglich.
Videografie
Für Videoanwender präsentiert sich die Situation für mich aber etwas anders. Die Standard-Gegenlichtblende ist bei mir bei Videoaufnahmen meist nicht im Einsatz, was meinen vorhergehenden Kritikpunkt entkräftet. Zudem sind die separat erhältlichen Filter vornehmlich für Videoanwendungen konzipiert und decken die meisten benötigten Effekte ab. Der Filter ist mit seinen minimalen 3 Stopps ND zwar relativ dunkel, aber bei Aufnahmen mit offener Blende im Tageslicht benötigt man meistens 4-5 Stopps ND, so dass dies kein Problem darstellt. Des weiteren empfinde ich die Möglichkeit einen eingebauten CPL-Filter zu nutzen, als sehr nützlich, um ungewünschte Reflexionen zu reduzieren. Auch das Magnetsystem erweist sich als besonders hilfreich, um beispielsweise Filter schnell und unkompliziert vom Gimbal zu entfernen oder anzubringen.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Filter optisch beeindruckend ist und ich ihn aufgrund seiner Eigenschaften gerne weiterempfehlen werde. In der praktischen Anwendung zeigen sich Einschränkungen, vor allem im Bereich der Fotografie. Die Überbreite des Basisrings verhindert zum Beispiel die Verwendung einer Gegenlichtblende und das Fehlen eines guten Frontdeckels trübt den Gesamteindruck. Auch wenn die Magnetfunktion eher als Gimmick erscheint, bietet sie doch praktische Vorteile. Insbesondere für Videoproduktionen bei denen ein schneller und unkomplizierter Filterwechsel erforderlich ist.
Insgesamt bietet der magnetische VND-Filter von Freewell eine solide Leistung zu einem attraktiven Preis. Für Fotografen könnten jedoch einige Einschränkungen hinsichtlich der Kompatibilität und Handhabung bestehen, weshalb ich das Filtersystem nur bedingt für rein fotografische Zwecke empfehle. Bei der Videografie hingegen, bietet das Filtersystem mit seiner Magnet- und der CPL-Funktion ein herausragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, das auch über die negativen Aspekte hinwegsehen lässt.
Über den Autor
Mein Name ist Marvin, und ich bin in der Portrait- und Wildlifefotografie zuhause. Schon als Kind war ich von der Fotografie fasziniert und wollte Momente mit der Kamera einfangen. Für mich ist ein Foto weit mehr als nur festgehaltenes Licht oder ein Schnappschuss. Ein Foto ist für mich wie eine Zeitmaschine. Es ermöglicht mir, zu den schönsten Momenten zurückzukehren und alles erneut zu erleben – von den Gerüchen bis hin zur Stimmung.
Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet man mich an der Universität Zürich, wo ich zurzeit studiere.
Website: www.smotographers.com
Instagram: @smotographers







