

Der Markt an Vlogging-Kameras erinnert mich regelmässig an die Handys der 2000er Jahre. Runde Tastaturen, drehbare Bildschirme, Querformat und was gab es nicht alles für spannende Konzepte der damaligen Mobilfunkgeräte. Die Designs von Systemkameras mit Videofunktionen ähneln sich aber Vlogging-Kameras wie der DJI Osmo Pocket 3 heben sich ab. Braucht man so eine Vlogging-Kamera? Insbesondere wenn wir davon ausgehen, dass sich stets ein Smartphone in der Hosentasche oder dem Gepäck befindet?
Ja, das braucht’s.
Der Osmo Pocket 3 hebt sich von anderen Vlogging- und Action-Kameras ab. Er erinnert eher an eine Kameradrohne. DJI bringt beim Osmo Pocket ihr umfangreiches Know-how aus ihrem vielfältigen Produktangebot zum Einsatz. Ein 1-Zoll-Sensor, wie er auch in meiner DJI Mavic 3 zu finden ist, bietet in der Dämmerung ein brauchbares Bild, hat einen stabilisierten Kamerakopf und ermöglicht das Anbringen von Filtern vor der Linse. Zudem fügt sich der Osmo nahtlos in das Ökosystem von DJI-Apps und -Diensten ein, was nicht unerwähnt bleiben sollte. In diesem Artikel möchte ich jedoch zuerst auf die Haptik eingehen und erörtern, ob der Osmo Pocket eine nützliche Videokamera ist.
Zuerst waren wir beide skeptisch. Meine Frau, Denise, betreibt einen YouTube-Kanal mit Koch- und Lifestyle-Videos. Also Videos über Dinge, die sie unternimmt oder eben kocht. Sie hat keine hohen Ansprüche an die Kameratechnik; es soll einfach funktionieren. Der Inhalt ist für sie und ihre Community wichtiger als die technische Qualität ihrer Videos. Das soll nicht heissen, dass die Videoqualität irrelevant ist, aber eine Systemkamera mit einem Gimbal herumzuschleppen, kommt für sie nicht in Frage.
Ich hingegen vergleiche Vlogging-Kameras immer mit ihren grösseren Geschwistern mit APS-C- oder Vollformatsensoren, lichtstarken Objektiven und Gimbal-Systeme, die ich aus meinem Alltag als Videoproduzent kenne. Wenn kleine Kameras viel versprechen, bin ich immer erst skeptisch. Somit stellt sich der DJI Osmo Pocket 3 einer strengen Jury.


Stefan Lehmann
Selbständiger Fotograf und Videoproduzent
Inhaber lehmann kreativ GmbH Aarberg
Instagram: @stefanlehmann
Youtube: @stefanlehmann_ch
Seit rund 10 Jahren erbringe ich Dienstleistungen im Bereich Foto & Video. Ich mag Review-Videos auf Youtube, grillieren und schöne Kameras. Beruflich arbeite ich am Liebsten mit 85mm Brennweite und privat habe ich meistens etwas um 35mm bei mir. Fotografisch versuche ich die ungestellte Streetfotografie in meine übrigen Buchungen einfliessen zu lassen. Blitzlicht mag ich nicht besonders, dafür könnte ich Stunden damit verbringen, Kamerarigs zu bauen.




Die Haptik.
Ich würde den Osmo Pocket in die Kategorie der Action- und Vlogging-Kameras einordnen. Er ist kompakt, bietet 4K und weitere Videomodi wie Slowmotion sowie ein gutes internes Mikrofon. Aber abgesehen vom 1-Zoll-Sensor sitzt die Kamera auf einem Gimbal. Es gibt also eine physische Stabilisierung des Kameramoduls. Die meisten Kameras bieten eine Sensorstabilisierung; einige nur eine digitale Stabilisierung mit einem Zuschnitt der verfügbaren Auflösung. Folglich erreicht man richtig geschmeidige Kamerafahrten nur mit einem externen Gimbal.
Zunächst fühlt sich die Haptik etwas befremdlich an. Der Griff ist anders als bei einer GoPro oder einem Handy – sicherer. Besonders ohne zusätzliches Zubehör lässt sich der Osmo Pocket gut greifen und führen. In der Creator Combo befindet sich ein kleiner Stativfuss und eine Griffverlängerung, die gleichzeitig eine Powerbank ist. Es gibt aber auch einen Stativgewinde-Adapter, sodass man ihn auf jegliche Stative und ähnliche Stützen schrauben kann. Und natürlich gibt es als optionales Zubehör eine Manschette mit den klassischen GoPro-Ösen, sodass man den Osmo Pocket mit jeglichem Actionkamera-Zubehör nutzen kann.


Die größere Griff-Erweiterung enthält einen Akku und am unteren Ende einen 1/4-Zoll-Gewindeanschluss. Man clickt sie einfach mittels USB-C-Anschluss und zwei Sicherungsklemmen an den Osmo Pocket 3. Die kleinere Griff-Erweiterung bietet keine Sonderfunktionen und schliesst den Osmo unten mit einem 1/4-Zoll-Gewindeanschluss ab. Der Osmo Pocket selbst verfügt unten lediglich über einen USB-C-Anschluss und kein Stativgewinde.
Um den Osmo Pocket einzuschalten, dreht man das Display einfach in die Horizontale, und nach etwa zwei Sekunden kann man direkt starten. Möchte man sich selbst filmen, tippt man unten rechts auf das Symbol, das den Gimbal um 180° dreht. Dies ist super simpel und intuitiv, und die Bildqualität erscheint bereits auf dem sehr gut ablesbaren Display vielversprechend.




Im (Urlaubs-)Alltag
Wir haben den Osmo Pocket 3 auf unsere Teneriffa-Reise mitgenommen. Vloggen kann man zwar überall, aber auf Reisen macht es besonders viel Spass. So hat man tolle Erinnerungen an Ausflüge und Erlebnisse als Bewegtbild. Das ist noch einmal etwas ganz anderes als Fotos – auch wenn man kein professioneller Vlogger ist und weniger in die Kamera spricht, sondern sie stattdessen auf schöne Sehenswürdigkeiten, appetitliche Gerichte und malerische Landschaften richtet. Die Bedienbarkeit des Osmo ist genial. Im Creator Kit ist eine kleine Tasche enthalten, in der alles Platz findet. Dennoch hatten wir den Osmo oft griffbereit in der Mittelkonsole unseres Mietwagens.
Natürlich bietet der Osmo Pocket 3 viele beeindruckende Funktionen, die dem beweglichen Kamerakopf zu verdanken sind. Zeitraffer-Aufnahmen mit einer leichten Drehung von oben rechts nach unten links? Kein Problem. Ein vertikales Panorama mit automatisierten Aufnahmen von unten nach oben oder umgekehrt? Auch das ist möglich. Zusammengefasst kann der Osmo Pocket 3 fast alles, was eine Drohne kann – nur fliegen kann er nicht.
Dafür ist ein sehr gutes internes Mikrofon verbaut. Wer klaren und sauberen Ton aus grösserer Entfernung wünscht, kann das DJI Mic2 nutzen, das im Lieferumfang der Creator Combo enthalten ist. Es verbindet sich nach dem Einschalten sofort mit dem Osmo und nimmt den Ton bei Videoaufnahmen auf. Fotografieren ist ebenfalls möglich, doch aufgrund der ungewöhnlichen Haptik, die weniger zum Fotografieren geeignet ist, haben wir darauf verzichtet und stattdessen unsere mitgebrachten Kameras verwendet.
Nachfolgend zwei unbearbeitete Videos direkt von der Speicherkarte des DJI Osmo Pocket 3, bei denen nur das interne Mikrofon aktiv war. Ein DJI Mic2 Sender ist in der Creator Combo enthalten.
Zusammenfassung
Wir sind zu Fans geworden. Der Osmo Pocket 3 bleibt bei uns und hat seit der Rückkehr aus Teneriffa bereits viele kurze und längere Videos aufgezeichnet. Meine Frau Denise schätzt den einfachen Zugang zu einer herausragenden Videoqualität im kleinen Formfaktor. Sie stellt den Osmo einfach überall hin und nimmt auf. Ob beim Kochen, Erstellen von Erklärvideos oder Vloggen – alles ist möglich. Zudem ist der Osmo dank der Grifferweiterung mit Akku immer ausreichend geladen.






Ich nutze ihn am liebsten für Behind-the-Scenes-Aufnahmen meiner Fotoshootings oder Videoproduktionen. Er war sogar schon einmal mit einem Blitzschuhadapter auf meiner grossen Kamera als Actionkamera montiert – der kompakte Formfaktor und die stabilisierten Aufnahmen sind ideal für Shortform-Content auf Social Media, insbesondere dank der vertikalen Aufnahmemodi. Aufstellen und Aufnehmen – das ist bei vielen Kameras nicht so einfach.
Einige Konkurrenzprodukte verfügen nur über ein kleines Stativ und können den Kamerakopf nicht nach oben neigen. Actionkameras benötigen immer eine Art von Stütze, und die Tonqualität ist oft weit von der eines Osmo Pocket 3 entfernt. Wer also nicht gerade beim Kajakfahren filmen möchte, sollte sich den Osmo Pocket 3 bei Foto Zumstein unbedingt anschauen. Für Wassersport eignet sich die DJI Osmo Action 4, die ebenfalls bei Foto Zumstein erhältlich ist.







