Canon-Fotograf Martin Bissig zählt zu den bekanntesten Outdoor- und Abenteuerfotografen Europas. Im Gespräch erzählt er uns, welche Rolle Ferngläser für seine Arbeit spielen, sei es beim Scouting neuer Locations, in Kampagnen mit Canon oder unterwegs auf Expeditionen. Das Interview gibt spannende Einblicke in seine Erfahrungen und zeigt, warum Ferngläser für ihn mehr sind als nur ein Zusatz zum Kameraequipment.

Persönliche Fragen an Martin

1. Du hast in den letzten Jahren unzählige Abenteuer weltweit dokumentiert.  Von Ladakh bis Kappadokien, von Bike-Expeditionen bis hin zu Marken-Kampagnen. Was beschäftigt dich aktuell am meisten? Gibt es ein Projekt oder eine Idee, die dich gerade besonders antreibt?

Aktuell steht ein Projekt in Nepal vor der Tür, wo wir im Osten des Landes eine neue Route mit dem Mountainbike erschliessen werden. Allgemein ist es aber so, dass ich keine klassische Bucket List führe. Ich habe schon sehr viel von der Welt gesehen und war an unzähligen tollen Orten – es gibt tatsächlich nichts, was ich unbedingt noch machen müsste. Ich handhabe es lieber so, dass ich auf die richtige Gelegenheit warte, bis mir ein Projekt quasi zufliegt. So kommt es immer wieder vor, dass sich spontan Ideen ergeben, ich etwas höre oder sehe, das mich inspiriert, oder dass ein Athlet mit einem konkreten Projekt auf mich zukommt, welches wir dann gemeinsam umsetzen.

2. Für dein letztes Projekt hast du in Kirgistan eine siebentägigen Mountainbike-Expedition organisiert. Gemeinsam mit 3 kirgisischen Begleitern, vier Eseln und zwei Pferden habt ihr euch in bisher kaum zugängliche Grenzregionen gewagt. Diese Reise wurde wohl nicht nur zu einer sportlichen, sondern auch zu einer fotografischen Grenzerfahrung. Was hat dich an diesem Projekt gereizt, wie hast du die Kombination aus Pioniergeist, körperlicher Herausforderung und Bilddokumentation erlebt und welche Momente sind dir dabei besonders im Gedächtnis geblieben?

Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir zwei Dinge. Das eine war eine technische Herausforderung: Ich durfte die neue Canon EOS R5 Mark II testen. Ich habe die Kamera erst am Vormittag meiner Abreise abgeholt und hatte nur eine einzige Batterie dabei. Erst in Kirgistan merkte ich, dass meine bisherigen Akkus nur bedingt mit dem neuen Modell kompatibel waren. Das bedeutete, ich musste die gesamte Expedition mit einer einzigen Batterie bestreiten. Das war aber zum Glück kein Problem, da ich die Kamera unterwegs stets mit einer USB-Powerbank aufladen konnte.

Der Moment, der mir am meisten geblieben ist, war jedoch eine echte Grenzerfahrung. Weder unser Guide aus der Hauptstadt Bischkek noch wir kannten die Route im Detail – nur unser lokales Team mit den Eseln und Pferden war mit dem Gelände vertraut. Ich hatte die Route im Vorfeld grob auf einer Karte skizziert und den GPS-Track auf mein Telefon und meine Uhr geladen. Das war unsere einzige Orientierung. Da wir mit den Bikes schneller waren als die Crew, haben wir uns öfter verfahren. Der Knackpunkt war der zweitletzte Tag, als wir einen Gipfel auf 4.300 Metern überqueren mussten. Wir fuhren voraus, und plötzlich begann es heftig zu schneien. Wir befanden uns in einem kompletten Whiteout, irgendwo in der kirgisischen Hochgebirgskette zwischen Gletschern und Felsen, und sahen nichts ausser unserem GPS-Track auf dem Display. Wir kamen uns völlig vom Weg abgekommen vor und wussten nicht, ob wir richtig waren. Mein Freund Gerhard trug zudem nur Sommerhandschuhe und zog sich durch das Tragen des Fahrrads schwere Erfrierungen an zwei Fingern zu, in denen er bis heute kein Gefühl hat. Das war eine wirklich heikle und schwierige Situation. Gemeistert haben wir sie zum Glück, weil unsere Begleiter schliesslich kurz vor dem Pass zu uns aufschlossen und wir wussten, dass wir auf dem richtigen Weg waren.

3. Du hast bereits mehrere Kampagnen für Canon realisiert, auch über die klassische Fotografie hinaus rund um Canon Ferngläser. Was hat dich an dieser Aufgabe besonders gereizt und wie bist du daran herangegangen?

Das Coole an der Aufgabe war, dass es für mich etwas komplett anderes war. Ich hatte vorher kaum Berührungspunkte mit Ferngläsern. Als Canon mich anfragte, ob ich eine Kampagne dazu umsetzen möchte, passte es perfekt, da ich gerade mehrere Reiseprojekte vor mir hatte – auf den Seychellen, in den Bergen von Davos und in Kappadokien –, wo sich der Einsatz ideal anbot. Was mich besonders gereizt hat, war die Herausforderung, die Ferngläser so in Szene zu setzen, dass sie im jeweiligen Umfeld authentisch und sinnvoll wirken. Es war eine willkommene Abwechslung, mal nicht nur Athleten, sondern eine Person, die ein Fernglas benutzt, vor der Linse zu haben.

4. Bei den Fernglas-Kampagnen warst du nicht nur hinter der Kamera, sondern auch selbst vor der Linse zu sehen. Für jemanden, der sonst Athleten oder Landschaften in Szene setzt, ist das ein Rollenwechsel. Wie hast du diese Erfahrung erlebt und hat sie deine Sicht auf die Arbeit vor der Kamera verändert?

Es hilft natürlich enorm, wenn man sonst immer hinter der Kamera steht. Man weiss genau, wie etwas aussehen soll und wie man sich positionieren muss, damit es auf dem Bild eine gute Wirkung hat. Ich habe die Kamera dann jeweils auf Vollautomatik mit Personenerkennung eingestellt, das Framing vorab festgelegt und die Kamera einem Model in die Hand gedrückt, das dann die Fotos von mir gemacht hat. So sind die Bilder erstaunlich gut geworden.

5. Für deine schnellen Motive und abgelegenen Abenteuer arbeitest du primär mit den Topmodellen von Canon. Vor kurzem hast du aber auch eine Kampagne mit der Canon EOS R50 in Indien umgesetzt. Welches Setup begleitet dich aktuell am meisten und warum hast du dich gerade für diese Kombination entschieden?

Mein Setup hängt stark vom Auftrag ab. Für kommerzielle Arbeiten in der Schweiz setze ich auf das bestmögliche Material. Dazu gehören die Canon EOS R5 Mark II und eine Reihe von lichtstarken Objektiven wie das 15–35 mm, das 28–70 mm f/2.0, das 50 mm f/1.2, das 85 mm f/1.2 und das 70-200 mm f/2.8 – das sind natürlich optisch überragende Linsen. Wenn ich hingegen auf Expedition bin, muss alles so klein, leicht und kompakt wie möglich sein. Dort arbeite ich praktisch immer mit zwei Kamerabodys gleichzeitig: auf einem ein Weitwinkelobjektiv und auf dem anderen ein Superzoom. Für die kommende Nepal-Reise werde ich voraussichtlich eine EOS R7 mit dem kleinen RF-S 10–18 mm Objektiv und die EOS R5 Mark II mit dem 24–240 mm Objektiv mitnehmen. So decke ich mit nur zwei Kameras den gesamten Brennweitenbereich von umgerechnet 16 mm bis 240 mm ab. Das ist zwar ein kleiner Kompromiss bei der Bildqualität, aber für die Agilität und das Gelingen der Expedition ist es die beste Kombination.

Wie nutzt du Ferngläser?

6. Als Fotograf ist dein Hauptwerkzeug die Kamera. Wie ergänzt ein Fernglas deine fotografische Arbeit konkret? Gibt es Situationen, in denen du bewusst erst durchs Fernglas schauen würdest, bevor du die Kamera in die Hand nimmst?

Das Fernglas hilft mir weniger bei der direkten fotografischen Arbeit, sondern vielmehr bei der Planung und Durchführung der Expeditionen. Gerade in unbekannten Gegenden müssen wir das Terrain genau analysieren, Routenverläufe prüfen und bestimmte Streckenabschnitte gemeinsam besprechen. Um beispielsweise aus der Ferne zu beurteilen, ob wir eine Felswand durchqueren können, ist das Fernglas ein enormes Hilfsmittel, um die Situation mit den Athleten bewusst und genau zu planen.

7. Viele denken bei Ferngläsern sofort an klassische Natur- oder Tierbeobachter. Du setzt sie aber als Fotograf gezielt ein. Für wen sind Canon Ferngläser aus deiner Sicht besonders interessant und wie können auch Fotograf:innen davon profitieren, etwa beim Scouting oder als Inspirationsquelle?

Ich denke, sie sind ideal für genau das, wofür ich sie auch nutze: für das Scouting und als Inspirationsquelle. Da ich tendenziell selten mit extrem langen Brennweiten arbeite – meist nur bis 200mm, gibt mir das Fernglas die Möglichkeit, viel weiter in die Ferne zu sehen. So kann ich abschätzen, ob bestimmte Pfade begehbar sind oder ob es sich lohnt, einen bestimmten Ort anzusteuern. Für das Scouting ist das ideal.

8. Du hast mit verschiedenen Canon Ferngläsern gearbeitet, unter anderem bei Kampagnen auf den Seychellen und Kappadokien. Gibt es ein Modell, das dir persönlich besonders ans Herz gewachsen ist, weil es dich in deiner Arbeit oder auch privat am meisten überzeugt hat?

Ja, das gibt es: das Canon 10x20 IS. Für mich hat es die ideale Grösse zum Mitnehmen. Es ist kompakt, leicht und bietet trotzdem eine zehnfache Vergrösserung. Aber das absolut Wichtigste für mich ist der integrierte Bildstabilisator – das ist wirklich ein Game Changer.

9. Als Outdoor- und Abenteuerfotograf bist du oft mit leichtem Gepäck in anspruchsvollem Terrain unterwegs. Wenn du dir ein Fernglas aussuchst, welche Kriterien sind dir persönlich am wichtigsten und worauf achtest du besonders bei deinem Equipment?

Ganz ehrlich: Grösse und Gewicht sind für mich auf Expeditionen zentraler als die maximale optische Qualität. Ich habe bereits extrem viel und schweres Equipment dabei. Wenn ich bei jedem Ausrüstungsgegenstand auf die höchste Qualitätsstufe setzen würde, wäre das Gesamtpaket einfach zu gross und zu schwer. Deshalb gehe ich lieber kleine Kompromisse bei der Optik ein und profitiere dafür von einer möglichst kompakten und leichten Ausrüstung, die es mir erlaubt, agil unterwegs zu sein.

10. Der Markt für Ferngläser ist breit. Canon hebt sich vor allem durch den integrierten Bildstabilisator ab, der auch in der Kamera eine Schlüsselrolle spielt. Was macht die Canon Ferngläser für dich im Vergleich zu anderen Marken einzigartig und welche Eigenschaften haben dich auf deinen Reisen besonders überzeugt?

Als Canon Fotograf bin ich natürlich gerne in der Canon Welt unterwegs. Ich arbeite mit Canon Kameras, Druckern und eben auch Ferngläsern, weil ich weiss, dass ich mich auf die Qualität verlassen kann. Canon ist für mich ein Siegel für Top-Qualität, egal ob im Print- oder im optischen Bereich. Die Eigenschaft, die mich bei den Ferngläsern am meisten überzeugt, ist der Bildstabilisator. Nachdem ich dessen Wirkung erlebt habe, käme ein Fernglas ohne diese Funktion für mich nicht mehr infrage – der Unterschied ist massiv. Zusammen mit der Kompaktheit und der robusten, abgedichteten Bauweise, die den Einsatz draussen problemlos möglich macht, ist das für mich entscheidend.

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