Drei Wochen lang durfte ich die Canon EOS R5 Mark II zusammen mit dem RF 400mm F2.8 L IS USM und dem RF 100–500mm F4.5–7.1 L IS USM testen. In dieser Zeit sind einige tausend Bilder entstanden und ich konnte die Kombination bei verschiedenen Einsätzen in der Wildtierfotografie ausprobieren. Gerade deshalb war für mich interessant zu sehen, wie sich das Equipment nicht nur auf dem Papier, sondern draussen in der Natur schlägt.

CANON EOS R5 MARK II

Top Ergonomie, grosser Sucher
Die EOS R5 Mark II liegt sehr angenehm in der Hand und fühlt sich hochwertig und robust an. Besonders gefallen hat mir der grosse Sucher. Gerade wenn ein Tier plötzlich auftaucht oder sich schnell bewegt, finde ich es sehr angenehm, ein so grosses und klares Bild vor dem Auge zu haben.

45 Megapixel Spielraum
Auch die hohe Auflösung war für mich ein grosser Vorteil. Bei der Wildtierfotografie kommt man nicht immer so nah an ein Tier heran, wie man gerne möchte. Durch die vielen Megapixel hatte ich bei meinen Bildern genügend Spielraum, später noch etwas hineinzucroppen, ohne dabei zu viel Bildqualität zu verlieren.

Speicherkarten
Einen kleinen Kritikpunkt habe ich trotzdem: Die Kamera besitzt nur einen CFexpress- und einen SD-Kartensteckplatz. Bei einer Kamera dieser Klasse hätte ich persönlich zwei CFexpress-Steckplätze besser gefunden. SD Karten sind meist noch etwas günstiger als CF Express Karten, sind aber meistens nicht gleich Schnell beim Schreiben und Lesen.

Autofokus
Auch beim Autofokus hat mich die EOS R5 Mark II überzeugt. Die Motiverkennung funktionierte bei meinen Aufnahmen fast immer zuverlässig. Ich würde sagen, dass sie in ungefähr 98 Prozent meiner Situationen sehr gut funktioniert hat. Bei Vogelaufnahmen im Flug hatte die Kamera teilweise etwas Mühe, das Motiv sauber zu erkennen und zu verfolgen. Bei Säugetieren wie Rehen funktionierte der Autofokus dagegen sehr schnell und zuverlässig.

 

CANON RF 400MM F2.8

Highlight für Wildtierfotografie
Mein persönliches Highlight war die Kombination aus der EOS R5 Mark II und dem RF 400mm F2.8 L IS USM.
Die Schärfe des Objektivs ist wirklich beeindruckend. Zusammen mit dem schnellen Autofokus und der hohen Auflösung der Kamera entsteht für mich eine Kombination, die für die Wildtierfotografie kaum Wünsche offenlässt.


Lichtstark in der Dämmerung
Besonders die maximale Offen-Blende von F2.8 ist ein grosser Vorteil. Viele Tiere sind früh am Morgen oder am Abend unterwegs, also genau dann, wenn die Lichtverhältnisse komplexer werden. Mit F2.8 konnte ich
länger fotografieren, Shutterspeed und ISO länger gering halten und gleichzeitig eine schöne Freistellung erreichen.

2.8 KG
Natürlich hat diese Kombination auch ihren Nachteil: das Gewicht. Das Canon 400mm f/2.8 ist zwar eines der leichtesten 400mm f/2.8 überhaupt, aber nach mehreren Stunden merkt man trotzdem jedes Gramm. Gerade wenn man sich an ein Tier heranschleicht und die Kamera längere Zeit ruhig halten muss, kann es anstrengend werden.

Prime vs Zoom
Auch Festbrennweiten haben ihre Grenzen. Wenn ein Tier plötzlich näherkommt, kann ich nicht einfach herauszoomen. Daher habe ich auch das Canon 100-500mm mitgenommen – eine perfekte Begleitung wie sich herausgestellt hat.

 

CANON RF 100-500MM F4.5-7.1

Leicht, kompakt, flexibel
Genau hier hat mich das RF 100–500mm überzeugt. Das Objektiv ist deutlich leichter und kompakter und passt problemlos in meinen Rucksack. Mit 100 bis 500mm bin ich ausserdem extrem flexibel sobald sich Tiere bewegen.
Kommt ein Tier näher, kann ich herauszoomen. Ist es weiter entfernt, gehe ich wieder auf 500mm. Gerade bei Wildtieren weiss man nie genau, was als Nächstes passiert. Diese Flexibilität war deshalb für mich ein grosser Vorteil.

Kompromiss Lichtstärke
Dafür ist die Lichtstärke mit F7.1 bei 500mm natürlich deutlich geringer. Bei genügend Licht war das überhaupt kein Problem. Früh am Morgen oder am Abend war das 400mm f/2.8 aber klar im Vorteil.
Für mich ergänzen sich die beiden Objektive deshalb perfekt: Das 400mm für maximale Lichtstärke und Bildqualität und das 100–500mm, wenn ich möglichst flexibel und leicht unterwegs sein möchte.

 

PERSÖNLICHES FAZIT

Nach drei Wochen und einigen tausend Bildern bleibt bei mir ein sehr positiver Eindruck. 

Die EOS R5 Mark II hat mir besonders mit ihrer hohen Auflösung, dem grossen Sucher und dem zuverlässigen Autofokus gefallen. Zusammen mit dem 400mm f/2.8 ist sie für mich eine unglaublich starke Kombination für die Wildtierfotografie.

Das RF 400mm bietet eine fantastische Bildqualität und mit Blende F2.8 viel Spielraum bei schlechtem Licht. Das RF 100–500mm ist dagegen deutlich leichter und vor allem extrem flexibel.

Wenn ich maximale Bildqualität und Lichtstärke möchte, würde ich zum 400mm greifen. Wenn ich möglichst leicht und flexibel unterwegs sein möchte, ist das 100–500mm meine Wahl. In Kombination hatte ich während der drei Wochen eigentlich für fast jede Situation das passende Equipment dabei – und genau das hat mir am Test am meisten gefallen.

DIE GETESTETE AUSRÜSTUNG

  • Maurin Schön

    Instagram: @naturfotografie_maurin

    Webseite: https://www.naturfotografie-maurin.ch

    Mein Name ist Maurin Schön, ich bin 18 Jahre alt und meine Leidenschaft ist die Naturfotografie. Seit rund fünf Jahren verbringe ich fast jede freie Minute draussen, meistens in den Bergen und auf der Suche nach besonderen Lichtstimmungen und schönen Momenten. Dabei ist es mir egal, ob der Wecker um 03:00 Uhr klingelt oder draussen -15 °C herrschen. Ich wohne in Graubünden und mache eine Lehre als Mediamatiker. Fotografisch versuche ich, möglichst kreative Bilder zu machen und probiere immer wieder neue Sachen und Perspektiven aus.