

Als Wildlifefotograf verbringe ich oft lange Zeit an Ort und Stelle, um den perfekten Moment einzufangen. Dabei kann es vorkommen, dass die Arme schwer werden, wenn ich alles aus der Hand mache. Daher setze ich ein stabiles Stativ ein. Viel wichtiger ist jedoch die Wahl des Stativkopfs, denn Stativkopf ist nicht gleich Stativkopf. Auf der Suche nach dem passenden Stativkopf habe ich mir verschiedene Typen angesehen: Kugelköpfe, Mehr-Wege-Neiger, Getriebeneiger, Videoköpfe und schliesslich auch Gimbal-Köpfe. Jeder hatte seine Vor- und Nachteile, und ich musste abwägen, welcher die geringsten Einschränkungen für meinen Einsatzzweck bot.
Nach einer umfassenden Recherche landete ich bei der Kategorie der Gimbal-Köpfe. Meine Suche startete ich bei den günstigen Modellen, die zwischen 100 CHF und 200 CHF kosten. Leider wurde ich nicht fündig, da die von mir begutachteten Modelle nicht stabil gebaut waren. Mit dem Fortschreiten meiner Suche stiegen die Preise. Nach weiterer Recherche kam ich zu dem Schluss, dass ein guter, langlebiger Gimbal-Kopf zwischen 300 CHF und 600 CHF kostet. Nach etlichen Vergleichen entschied ich mich für den Leofoto PG-1. Dieser ist eine kostengünstigere Variante zu den Modellen von PromediaGear Katana und Katana Jr., die laut externen Berichten nur marginal besser verarbeitet sind.
Der Leofoto PG-1 hat mich vor allem wegen seines Gesamtpakets überzeugt:
- CNC gefrästes Aluminium
- unter 1kg Eigengewicht
- Tragkraft von 25kg
- 10-jährigen Garantie
- Alle Achsen sind mit Kugellagern bestückt
- Friktionsmechanismus ist vor Umwelteinflüssen mehrheitlich geschützt
- gute Feinjustierung des Widerstands




Lieferumfang
Als der Stativkopf in einer relativ kompakten und leichten Schachtel bei mir ankam, war ich zunächst unsicher, ob ich das richtige Produkt erhalten hatte – doch alles war korrekt. Nach dem Öffnen entdeckte ich zuerst eine schwarze, gut gepolsterte Transporttasche, in der sich der Gimbal-Kopf und das weitere Zubehör befanden. Die Tasche selbst macht einen gut verarbeiteten Eindruck und ist genau so gross wie nötig. Zum Zubehör gehören eine grosse und stabile Arca-Swiss-Platte und Werkzeug.
Der Gimbal und die Arca-Swiss-Platte sind separat verstaut und müssen verbunden werden. Auf dem Stativ lässt sich der Kopf dann mit einem 3/8-Zoll-Gewinde befestigen, wo er dank seiner 60 mm Basis sicher steht.
Erster Eindruck
Positiv fiel mir sogleich das Gefühl auf, etwas qualitativ Hochwertiges in der Hand zu halten. Fast alles sass perfekt, nichts hatte Spiel und keine scharfen Kanten. Ausser der Wasserwaage sass bei meinem Produkt schief, aber mehr dazu später.
Der Arca-Swiss-Aufnahmearm liess sich einfach in der Höhe verstellen und an einer Skala ausrichten. Auch die Schraube für den Arca-Swiss-Aufnahmearm liess sich umpositionieren, sodass sie nicht im Weg war. Selbst die Aufnahme hatte eine Skala eingraviert, sodass die Kamera einfach und wiederholbar positioniert werden kann. Ganz toll fand ich die grossen Aluminiumknäufe zum Verstellen des Widerstands, denn durch ihre Grösse sind sie auch einfach mit Handschuhen (im Winter) zu bedienen. Ihre Grösse ermöglicht eine einfache Feinjustierung, was super praktisch ist, wenn man unter einem Netz liegt, das nicht genau auf der Kamera ausbalanciert ist.




Erfahrung
Das erste Mal die Kamera darauf zu balancieren, war dann doch, trotz extensiver Recherche, eine Herausforderung. Vor, zurück, hoch, runter, nein, zu viel – ganze 10 Minuten brauchte ich, bis dann alles richtig ausbalanciert war. Und dann… Boah, so „smooth“, das wäre doch ein super Kamera-Drehtisch. Einmal angestossen, eine Umdrehung, zwei Umdrehungen, drei Umdrehungen…, fantastisch, es will fast nicht aufhören zu drehen.
Ich nutze den Kopf nun schon mehr als ein Jahr für fast jede Wildlife-Session, und nun stellt sich die Frage, wie hat er sich über die Zeit gehalten? Eigentlich ganz gut, man sieht keine unerwarteten Gebrauchspuren, alles geht noch so flüssig wie am ersten Tag. Er lässt sich im Winter super mit Handschuhen bedienen. Dank seinem geringen Gewicht ist er bei mir nun fast immer auf dem Stativ drauf. Auch die Möglichkeit, die Friktion fein zu regulieren, hat sich in der Praxis als sehr nützlich erwiesen. Dadurch konnte ich ein ungewolltes Verschieben durch leichtes Anstossen minimieren und trotzdem die Kamera einfach ausrichten.


Sony 200-600G


Sony 200-600G
Mir ist aufgefallen, dass sich die Achsen nicht zu 100 % sperren lassen und die Kamera sich dadurch mit viel Kraft noch verstellen lässt. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass man die Friktionseinstellung zu fest lösen kann und dadurch etwas im Mechanismus kratzt.
Nun zur Wasserwaage, die war ja schief drin. Diese fiel plötzlich raus und ich konnte sehen, dass sie nicht richtig eingesetzt worden war. Zum Glück habe ich sie nicht verloren. So konnte ich auch gleich den Support von Leofoto testen. Diesen kontaktierte ich per Mail und erhielt einen Arbeitstag später eine Antwort, und nun sitzt sie wieder im Lot. Die Reparatur habe ich, auf Anfrage meinerseits, selbst durchgeführt, wäre aber auch durch die Garantie abgedeckt gewesen.


Sony 200-600G


Sony 200-600G
Fazit
Die Erfahrung mit dem Stativkopf von Leofoto war insgesamt sehr positiv. Trotz einer kleinen Panne mit der Wasserwaage hat sich das Produkt als robust und zuverlässig erwiesen. Über ein Jahr intensiver Nutzung in der Natur hat er sich bewährt und zeigt nur minimale Anzeichen von Verschleiss. Die einfache Bedienbarkeit, selbst unter widrigen Bedingungen wie Kälte, macht ihn zu einem idealen Werkzeug und Begleiter für jeden Wildlife-Fotografen. Insgesamt ist der Leofoto-Stativkopf eine solide Investition für Fotografen, die Wert auf Qualität, Langlebigkeit und Benutzerfreundlichkeit legen.
Wenn Ihr noch unschlüssig seid, empfehle ich Euch, die Produkte persönlich zu begutachten und zu vergleichen. Ich empfehle Euch auch, die Alternativen von Benro, Sirui, Sunwayfoto und Gitzo in Betracht zu ziehen. Bedenkt, dass er gross genug für Euer Equipment sein sollte, aber nicht zu schwer. Es lohnt sich finanziell und aufgrund des besseren Nutzererlebnisses, von billigen Alternativen Abstand zu nehmen.
Über den Autor
Mein Name ist Marvin, und ich bin in der Portrait- und Wildlifefotografie zuhause. Schon als Kind war ich von der Fotografie fasziniert und wollte Momente mit der Kamera einfangen. Für mich ist ein Foto weit mehr als nur festgehaltenes Licht oder ein Schnappschuss. Ein Foto ist für mich wie eine Zeitmaschine. Es ermöglicht mir, zu den schönsten Momenten zurückzukehren und alles erneut zu erleben – von den Gerüchen bis hin zur Stimmung.
Wenn ich gerade nicht fotografiere, findet man mich an der Universität Zürich, wo ich zurzeit studiere.
Website: www.smotographers.com
Instagram: @smotographers












Danke im Voraus
Miguel Gascon