
Nikon macht sich einen Namen im Videobereich!
Die Reaktionen auf die neue Nikon ZR könnten nicht unterschiedlicher sein. Einige sind überrascht, dass gerade ich mit einer Nikon unterwegs bin, andere ungläubig, dass eine Nikon aktuell das Mass der Dinge im Hybrid-Videobereich zu sein scheint und nochmals andere wussten schlicht nicht, dass Nikon mit der ZR gerade sehr viel richtig macht. Einerseits, wenn man die Spezifikationen isoliert betrachtet. Aber auch, wenn man sie mit anderen aktuellen Hybrid-Kameras vergleicht. Das alles nicht zuletzt bei einem Preis, bei dem sich viele vergewissern wollen, ob sie richtig gehört haben.
Was macht die Nikon ZR so gut?
Sie sieht aus wie eine kompakte Digitalkamera mit Wechselbajonett. Flach, leicht, wertig. Kein übertriebenes Layout der Knöpfe. Nikon verzichtet bewusst auf einen Sucher und nutzt den Platz stattdessen für ein riesiges 4 Zoll Display. Das ist rund 1 Zoll grösser als die üblichen LCDs auf dem Markt. Und das macht enorm viel aus. Mit einem so gut ablesbaren und hellen Bildschirm wird ein zusätzlicher Monitor, wie man ihn oft in Kamera-Rigs sieht, praktisch überflüssig.
Die spannendsten ZR Daten im Überblick:
• Vollformatsensor 6K 60p
• RED R3D NE Codec
• 4 Zoll neig und drehbarer Touchscreen mit 1000 Nits
• Dual Base ISO 800 & 6400 mit 15+ Blendenstufen Dynamikumfang
• Kamerainterne 32 Bit Float Audioaufnahme
• Integrierte 5 Achsen Bildstabilisierung
• Schneller präziser Autofokus
• Leichtes wettergeschütztes Gehäuse mit nur 540g
Rigging & Zubehör nicht zwingend
Meiner Erfahrung nach, ich nutze die Kamera jetzt seit ungefähr drei Monaten für den Grossteil meiner Reels, funktioniert die Nikon ZR sehr gut ohne Rig. Die meisten Kameras mit Cine oder Cinema Badge sieht man nach dem Auspacken nie wieder in ihrer ursprünglichen Grösse. Cages, Rods, Schnellverschlüsse, V Mount Akkus und externe Displays erweitern die Setups um zahlreiche Zusatzfunktionen und verlängern die Akkulaufzeit auf Tagesniveau. In gewissen Situationen ist das notwendig. Externes Zubehör überdauert oft mehrere Kameramodelle, was nachhaltig ist und das Budget schont.
Genau da will die Nikon ZR aber nicht zwingend hin. Man kann sie in ein grosses Rig integrieren, muss aber nicht. Sie lässt sich sehr gut so einsetzen, wie sie aus der Verpackung kommt. Ich nutze meine ZR am liebsten in einem SmallRig Cage, der den Body umschliesst. Er bietet eine vergrösserte Griffmulde und schützt das Gehäuse vor Schlägen. Die Nikon ZR überzeugt im handgeführten Betrieb. Ein Cage zum Schutz und besseren Grip plus ein Funkmikrofon für den optimalen Ton. Mehr braucht man nicht.
Videoqualität
Hier liegt die Stärke der Nikon ZR. Sie liefert bereits in H.265 sehr hochwertiges Videomaterial. In vielen Launch Reviews wird vor allem die RED R3D Fähigkeit hervorgehoben. Dabei handelt es sich um das Rohformat und die Farbwissenschaft von RED. Das ist nachvollziehbar. Nikon nutzt das Know-how aus der RED-Firmenübernahme und bringt dieses Wissen sichtbar ins Z Mount System.
RED RAW ist technisch beeindruckend. ProRes zeichnet die ZR ebenfalls intern auf und bietet ebenfalls zusätzliche Reserven in der Postproduktion. Für meinen persönlichen Einsatz sind diese Formate jedoch meistens zu datenintensiv. Die Files sind gross, der Workflow aufwendiger und für viele meiner Projekte nicht notwendig.
Der Grossteil meiner Aufnahmen entsteht deshalb in H.265 mit Nikons LOG-Profil N-LOG. Diese Kombination liefert mir eine sehr gute Balance aus Bildqualität, Dynamikumfang und kontrollierbaren Datenmengen. Die Farben lassen sich sauber graden, Hauttöne wirken stimmig und die Dateien bleiben trotzdem schmal genug für meinen Alltag und Kundenproduktionen, gerade im Social Media Bereich.
ISO-Rauschverhalten
Die Bildqualität der Nikon ZR kommt sehr nah an grössere und teurere Kamerasysteme heran. Gerade im Alltag, draussen bei Tageslicht oder drin bei ausreichender Beleuchtung durch Fenster oder Kunstlicht sind die Ergebnisse sehr gut. Die ZR bietet zwei native Base-ISO. Das ISO-Rauschverhalten ist bei ISO 800 und ISO 6400 am schwächsten. Somit gilt es diese beiden Werte zu bevorzugen. Natürlich kann man die Nikon ZR auch im vollständigen Automatikmodus, in der Blendenvorwahl und in der Verschlusszeitvorwahl benutzen. Hinsichtlich des Automatik-ISO muss man dann lediglich berücksichtigen, dass die Videodaten beispielsweise bei ISO 4000 deutlich mehr Rauschen als bei ISO 6400.
Bei ambitionierterer Nutzung empfehle ich den Kauf eines variablen ND-Filters. Wenn das Licht nicht ausreichend ist, stelle ich den ISO auf 6400 und reguliere die Helligkeit mit der Blende oder dem ND-Filter. Wenn ich schöne Hintergrundunschärfe haben möchte, fällt natürlich auch die Blende als Steuerung für die Helligkeit weg, somit verbleiben die beiden Base-ISO-Werte 800 und 6400 sowie der variabel einstellbare Filter mit neutraler Dichte, kurz VND. Diese gibt es bei Foto Zumstein im Shop mit unterschiedlichen Stärken. Mir ist aber wichtig festzuhalten, dass sich die Nikon ZR eben auch sehr gut im Vollautomatikmodus nutzen lässt. Schliesslich ist ISO-Rauschen bei der Content-Produktion für Social Media keine Red Flag. Will man professionellere Videoproduktionen mit der ZR filmen, leuchtet man entweder entsprechend aus oder man wählt eines der verfügbaren RAW-Formate, um nachträglich ISO-Rauschen in der Post herauszuarbeiten.
Autofokus
Für mich als Nikon Neuling war der Autofokus anfangs etwas verwirrend. Ich kannte AF-F nicht, und mit AF-C im Videomodus kam ich nicht zum gewünschten Ergebnis. Nach einigen Tests wurde klar, dass AF-F für den vollständig nachgeführten Autofokus im Videomodus steht. AF-C ergibt im Videoalltag weniger Sinn, da hier nicht permanent der Auslöser gedrückt wird.
Im Einsatz funktioniert der AF-F so, wie man es von einer aktuellen Kamera erwarten darf. Augen, Gesichter und Objekte werden zuverlässig erkannt und sauber verfolgt. Über das grosse 4 Zoll Touch Display lassen sich Fokuspunkte direkt setzen oder wechseln. Das System reagiert präzise und wirkt insgesamt sehr stabil. Gerade in Kombination mit dem grossen Display kann ich mir in den meisten Situationen einen zusätzlichen Monitor sparen, selbst wenn ich mich selbst filme. Touch-Eingaben können präzise und ohne Mühe getätigt werden. Im Menü können detaillierte Einstellungen zum Fokus gemacht werden. Auch Fokuswechsel gelingen so ohne grosse Mühe cinematisch.
Mit dem gut ablesbaren 4 Zoll LCD spart man sich weiteres Zubehör und die ZR bleibt handlich. Der Autofokus lässt sich hervorragend über den präzisen Touchscreen steuern.
Sensor
Die Nikon ZR arbeitet mit einem teilweise gestackten 24,5 Megapixel Vollformatsensor. Durch die schnellere Auslesegeschwindigkeit im Vergleich zu herkömmlichen Sensoren wird Rolling Shutter deutlich reduziert. In meinen bisherigen Projekten ist mir kein störender Rolling Shutter Effekt aufgefallen. Die Auslesezeit liegt bei rund 9,4 Millisekunden, was ein sehr guter Wert ist, besonders in dieser Preisklasse. In Vlogging Szenarien oder beim Schwenken, beispielsweise an einem Sportanlass, mit Brennweiten bis 70 Millimeter konnte ich keine sichtbaren Verzerrungen feststellen. Natürlich lässt sich Rolling Shutter provozieren, im realen Einsatz ist er für mich jedoch kein Thema.
Bei den Videoauflösungen stehen 6K bis 60fps zur Verfügung. Zusätzlich bietet die Kamera 5,4K sowie 4K oversampled, ebenfalls bis 60fps. 4K mit bis zu 120fps ist ebenfalls möglich, dann jedoch im APS-C-Crop. Oversampled bedeutet, dass die Kamera die volle Sensorbreite ausliest und das Signal intern auf eine geringere Auflösung herunterrechnet. Es werden keine Zeilen oder Pixel übersprungen, wie es bei Pixel-Binning oder Line-Skipping der Fall wäre. Das sorgt für eine höhere Detailtreue und ein schärferes Bild.
Open Gate
Open Gate ist aktuell stark im Trend, Nikon verzichtet bei der ZR jedoch darauf. Das ist kein grundsätzliches Problem, sondern hängt stark vom eigenen Workflow ab. Bei Open Gate wird der komplette 3:2 Vollformatsensor ausgelesen, nicht nur ein 16:9 Bildausschnitt. Das entspricht rund 18 Prozent mehr Bildfläche in der Höhe. Dadurch gewinnt man zusätzlichen Spielraum für Reframing, etwa wenn aus einem Querformat später ein Hochformat Video für Social Media entstehen soll.
Mit der Nikon ZR gehe ich das Thema Hochformat anders an. Wenn ich weiss, dass ausschliesslich vertikale Inhalte produziert werden, halte oder montiere ich die Kamera direkt hochkant. Durch das kompakte und leichte Gehäuse funktioniert das problemlos aus der Hand der am Gimbal. So erhalte ich bis zu 6K Auflösung im finalen Hochformat.
Wenn ich mir nicht sicher bin, ob später noch eine Hochformat Version benötigt wird, filme ich in 6K quer. Das entspricht 6048 × 3402 Pixel. Für ein vertikales Video mit 1920 Pixel Breite stehen damit mehr als genug Reserven zur Verfügung. Sogar 5,4k Oversampled besteht die Möglichkeit, ohne Crop einen vollwertigen 1080x1920 Pixel Export zu machen. Bei solchen Projekten empfehle ich, eine etwas weitere Brennweite zu wählen.
Open Gate bietet ohne Frage zusätzliche Flexibilität. Das vollständige Auslesen des Sensors erfordert jedoch mehr Bandbreite und Kühlung. Betrachtet man die preisliche Positionierung der Nikon ZR, ist der Verzicht für mich nachvollziehbar. Zudem reduzieren einige aktuelle Kameramodelle im Open Gate Modus die Bildrate unter 30fps. Das wäre für meinen Einsatz die grössere Einschränkung als der fehlende Modus selbst. Für meinen Workflow entsteht durch das fehlende Open Gate kein realer Nachteil.
Audio
Die Möglichkeit, intern in 32-Bit-Float Audio aufzuzeichnen, möchte ich besonders hervorheben. Mir hat das schon in einigen Aufzeichnungen geholfen. Einige externe Mikrofone und Funksets bieten dies ebenfalls an. Das ist okay, jedoch muss man die 32-Bit-Datei vom Mikrofon, Recorder oder Funkset selbst herunterladen und hat dann eine eigene Tonspur, die man wieder synchronisieren muss. Einerseits bietet die Nikon ZR ein angenehm klingendes, internes Mikrofon, welches mehrere Richt-Charakteristika anbieten kann. Zusätzlich ist eben jedes am Mic-In eingesteckte Mikrofon mit 32-Bit-Abtastung direkt in der Videospur drin. Wenn ich also mal im Eifer des Gefechtes den Pegel nicht anpasse, kann ich viel besser Korrekturen vornehmen und nachträglich den Ton harmonisieren. Das sollte meiner Meinung nach zum Standard werden.
Fotos
Ich nutze die Nikon ZR nicht als primäre Fotokamera. Trotzdem sind bereits einige Bilder damit entstanden. Thumbnails oder Behind the Scenes Aufnahmen macht man oft mit der Kamera, die man ohnehin in der Hand hält. Und die ZR ist grundsätzlich eine vollwertige Fotokamera mit 24,5 Megapixel Sensor.
Sie besitzt keinen Sucher, dafür kommt auch beim Fotografieren das grosse 4 Zoll Display zum Einsatz. Das funktioniert erstaunlich gut. Wer sich die Nikon ZR primär zum Filmen kauft und keine zusätzliche Fotokamera anschaffen möchte, wird mit ihr absolut zufrieden sein. Viele Funktionen basieren auf der Nikon Z6III, entsprechend ausgereift fühlt sich der Fotomodus an.
Praktisch ist der dedizierte Schalter zum Wechsel zwischen Foto und Video. Der Modus-Wechsel geht schnell und direkt. Für mich bleibt sie klar eine Videokamera mit Fotofunktion, aber sie kann beides solide.
Was könnte Nikon optimieren
Dieser Abschnitt heisst bewusst nicht, was mir nicht gefällt. Angesichts des Preisschildes liefert Nikon hier eine sehr ausgereifte Videokamera, mit der man privat wie geschäftlich arbeiten kann. Mit dem richtigen Know-how und passenden Objektiven kann die ZR problemlos das Zentrum einer Videoproduktion sein. Gerade im Social Media Umfeld spielt sie ihre Vielseitigkeit aus. Sie ist aber dank ihren diversen Codecs bis hin zur RAW-Variante auch für grössere Drehs als Hauptkamera ready - oder als B-Cam neben RED Kameras.
Ein sinnvolles Upgrade für eine kommende Version wäre die Platzierung und Ausführung des zweiten Speicherkartenschachtes. Neben CF Express gibt es einen MicroSD Slot, der zwischen CF Express und Akku sitzt. In Bezug auf Hitzeentwicklung ist das nicht ideal. Zudem ist MicroSD im professionellen Umfeld weniger verbreitet. Duale RAW Video Aufzeichnung ist ebenfalls nicht möglich. Eine parallele Sicherung während der Aufnahme gibt es somit nicht.
Ein weiterer Punkt ist der Micro HDMI Anschluss. HDMI auf Micro HDMI Kabel sind unpraktisch, oft nicht griffbereit und der kleine Anschluss kann bei Belastung schneller beschädigt werden. Ein normaler HDMI-Anschluss wäre robuster gewesen.
Der Einschaltknopf könnte ebenfalls etwas anders platziert sein. Je nach Zubehör im Blitzschuh kann er teilweise verdeckt werden. Das hängt allerdings stark vom verwendeten Setup und Cage ab. Für mich sind damit die relevanten Kritikpunkte genannt.
Kompakt aber funktionell. Für mich trifft der Formfaktor der Nikon ZR den Puls der Zeit. Einzig beim MicroSD und MicroHDMI würde ich mir die "normalen" Ausführungen wünschen.
📝 Fazit
Für wen ist die Nikon ZR?
Für sehr viele Anwender. Ich habe testweise ein Reel mit meiner Frau gedreht. Sie arbeitet lieber mit kleinen Kameras oder Action-Kameras als mit klassischen Systemkameras. Mit der Nikon ZR kam sie ohne grosse Erklärung sofort zurecht. Die Clips im Automatikmodus sehen bereits sehr gut aus. Mit etwas zusätzlichem Wissen, einem ND-Filter und einem externen Mikrofon erhält man mit der Nikon ZR eine der erschwinglichsten 6K Content Produktionsmaschinen ihrer Klasse. Sie ist kompakt, leistungsfähig und direkt einsatzbereit. Meine Empfehlung spricht für die Nikon ZR. Ich werde mit meiner ZR noch viele weitere Projekte umsetzen.
PS: DAS FIRMWARE UPDATE 1.10 ÜBERZEUGT
Die Nikon ZR hat erst vor kurzem ein grösseres Firmware Update erhalten, welches viele aus der Community gewünschte Funktionen nachliefert. Die Kamera wird dadurch in vielen Belangen nocheinmal besser. Unternehmen die Ihre Produkte aktiv pflegen, erfreuen jeden der die Kamera bereits nutzt aber auch die potentiellen Käufer. Eine sich entwickelnde Plattform bringt Investitions-Sicherheit. Sieh dir im nachfolgenden Blog sämtliche Neuerungen an und gelange direkt zum download.
was das Nikon ZR Firmware Update 1.10 mit sich bringt


























