
Viele Videograf:innen haben auf eine mobile Vollformat-Videosystemkamera von Canon gewartet – so auch Pierangelo Barone. Als die Canon EOS C80 angekündigt wurde, war für ihn schnell klar, dass er die Kamera umbedingt testen muss. Seine Erfahrungen teil er hier nun mit uns.
Pierangelo Barone ist ein erfolgreicher Videograf, der sich unter anderem auf die Welt der Fashion Weeks spezialisiert hat und regelmässig mit internationalen Marken wie Omega oder Diesel zusammenarbeitet. Seine Projekte mit der C80 führten ihn bereits von den Laufstegen in Paris und Mailand bis an exotische Orte wie die Malediven.
Seit einigen Monaten setzt Pierangelo die Canon EOS C80 bei seinen Produktionen ein. Im Interview gibt er einen praxisnahen Einblick in seine Erfahrungen mit der Kamera: Was hat ihn überrascht? Welche Features haben sich besonders bei Fashion-Produktionen bewährt? Und warum passt die C80 so gut zu seinem schnellen, kreativen Workflow? Ein inspirierender Einblick für alle, die sich für cineastische Bildqualität in einem kompakten Setup interessieren.
Fragen zur Canon C80
1. Du arbeitest seit ein paar Monaten mit der Canon C80 – was war dein erster Eindruck, als du sie in den Händen gehalten hast? Und bei wie vielen Projekten oder Shootings kam sie bereits zum Einsatz?
Mein erster Eindruck war ehrlich gesagt richtig gut. Was mir sofort auffiel, ist die Kompaktheit der Kamera. Vor allem, wenn man bedenkt, was sie alles bietet. Es ist selten, eine Kamera zu finden, mit der man auch lange Drehtage ohne komplettes Rig oder eine Menge Zubehör problemlos meistern kann. Ich fand es grossartig, Kinoqualität zu bekommen und dabei den Komfort und die Flexibilität einer spiegellosen Kamera zu haben. Sie schliesst genau diese Lücke. Ich habe sie bereits bei etwa 20 Shootings eingesetzt – von schnellen Fashion Weeks bis hin zu kontrollierten Studio-Produktionen – und sie hat sich durchweg bewährt.
2. Welche Funktionen der C80 waren während der Fashion Weeks in Paris und Mailand besonders nützlich?
Die integrierten ND-Filter, das Triple Base ISO und die lange Akkulaufzeit des BP-A30N haben einen echten Unterschied gemacht. Ich habe auch oft mit 120fps gefilmt, und der Autofokus war extrem zuverlässig. Was natürlich entscheidend ist, wenn es bei Fashion Weeks schnell zur Sache geht. Insgesamt hat die Kamera meinen Workflow deutlich erleichtert. Ich hatte alles sofort griffbereit, ohne lange zu überlegen oder zusätzliches Equipment zu brauchen. So konnte ich mich voll auf die Kreativität konzentrieren.
3. Du hast das 24–105mm f/2.8 verwendet – warum passt dieses Setup so gut zu deinem Arbeitsalltag?
Gerade bei Run-and-Gun-Situationen wie Events oder schnellen Shootings mit Models ist der grosse Brennweitenbereich extrem praktisch. Man hat oft nur wenige Sekunden für den perfekten Shot, und mit dem 24–105mm f/2.8 ist man unglaublich flexibel, ohne ständig Objektive wechseln oder zusätzliches Equipment schleppen zu müssen. Besonders mit Diffusionsfiltern ist es hilfreich, diesen Spielraum zu haben und gleichzeitig einen konsistenten Look zu bewahren. Das erlaubt mir, schnell zu arbeiten und mich nicht mit Objektivwechseln zu beschäftigen.
4. Mobilität ist bei schnellen Produktionen entscheidend – wie hat dich die C80 in dieser Hinsicht unterstützt? Gibt es eine bestimmte Einstellung, die du empfehlen würdest?
Sie hat mich sehr gut unterstützt – vor allem durch die frei belegbaren Tasten, die integrierten ND-Filter und die lange Akkulaufzeit. Das hat meinen Workflow stark vereinfacht. Ich hatte zwei Tasten belegt: eine für „Slow and Fast Motion“, um schnell zwischen 100fps und 25fps zu wechseln, und eine für die „Slow & Fast Frame Rate“, um je nach Situation auf 120, 50 oder sogar 5fps zu springen. In Kombination mit der Arbeit mit Shutter Angle konnte ich so bei jedem Frame-Rate-Setup konsistent und korrekt arbeiten.
5. Beim Catwalk zählt jede Sekunde – wie hat sich der Autofokus der C80 in solchen Momenten geschlagen?
Er hat sich richtig gut geschlagen. Ich habe noch nicht alle Autofokus-Einstellungen durchgetestet, aber selbst die Standardeinstellungen haben in diesen schnellen Situationen bestens funktioniert.
6. Wie kommt die Kamera mit schwierigen Lichtverhältnissen zurecht – etwa Backstage oder beim Filmen unterwegs?
Das war überraschend einfach. Dank der Base ISOs bei 3200 und 12800 musste ich mir kaum Gedanken um die Belichtung machen – auch mit einem f/2.8-Objektiv. Ich hatte nie das Gefühl, etwas Lichtstärkeres zu brauchen, was die Arbeit am Set deutlich entspannter gemacht hat.
7. Du hast die Kamera im Studio, on Location und sogar auf den Malediven eingesetzt – wie flexibel ist die C80 in unterschiedlichen Umgebungen?
Sie passt sich super an. Die Bildqualität ist durchweg stark, und die 6K-Auflösung ist ein echtes Plus. Gerade auf den Malediven war sie perfekt – die integrierten 10-Stop-NDs haben es ermöglicht, bei grellem Sonnenlicht offenblendig mit f/1.4 zu filmen. Diese Flexibilität hat die Arbeit in jeder Umgebung erleichtert.
8. Wie wichtig waren die integrierten ND-Filter und das Triple Base ISO für deinen Workflow?
Wie schon erwähnt: Die ND-Filter waren enorm hilfreich – besonders wenn ich offenblendig in hellen Settings wie auf den Malediven drehen wollte. 10 Blendenstufen zu haben, hat das sehr einfach gemacht. Auch das Triple Base ISO war ein grosser Vorteil. Ich konnte meine f/2.8-Objektive problemlos in Low-Light-Situationen einsetzen.
9. Wie haben sich die internen Akkus an langen Drehtagen geschlagen – und in welchen Situationen bist du auf V-Mounts umgestiegen?
Die standard Akkus haben tatsächlich sehr gut gehalten. Ich bin aber trotzdem für manche Projekten auf V-Mounts umgestiegen. Für gewisse Arbeiten bevorzuge ich es mit schwereren Setups (Rigs, Monitor etc.) zu arbeite – das verleiht dem Material den Look, den ich persönlich bevorzuge. V-Mounts erlauben es mir zudem einen grösseren externen Monitor zu nutzen, was die Arbeit erleichtert hat und das Setup näher an den Formfaktor bringt, mit der ich sonst arbeite.
10. Du hast bereits mit vielen Cinema Kameras gearbeitet, wie schneidet die C80 im Vergleich zu anderen Cinema-Modellen ab, mit denen du schon gearbeitet hast?
Ich finde, sie kann absolut mithalten. Beeindruckend ist vor allem, dass sie trotz ihrer kompakten Bauweise und der vielen Features eine richtig starke Bildqualität liefert – vom Dynamikumfang bis zur Flexibilität im Grading. Ich hatte nie das Gefühl, an Grenzen zu stossen oder auf eine andere Kamera wechseln zu müssen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.
Persönliche Fragen
1. Du bist viel unterwegs und arbeitest international – was begeistert dich besonders an den Fashion Weeks und der Zusammenarbeit mit grossen Marken wie Omega oder Diesel?
Ich liebe die Balance in meiner Arbeit zwischen schnellen Projekten mit coolen Marken und talentierten Menschen und ruhigeren, künstlerischen Projekten, bei denen ich Konzepte von Grund auf entwickeln kann. Diese beiden Welten fordern meine Kreativität auf ganz unterschiedliche Weise. Was ich ausserdem sehr schätze, ist die Begegnung mit Menschen aus aller Welt. Es liegt eine gewisse Magie darin, sich nur kurz zu begegnen, sofort auf einer Wellenlänge zu sein – und dann gemeinsam etwas Starkes zu erschaffen.
2. Was war dein persönliches Highlight der letzten drei Monate – ein besonderer Moment oder ein Projekt, das dir im Kopf geblieben ist?
Definitiv die Fashion Weeks. Ich durfte mit vielen spannenden Marken zusammenarbeiten und grossartige Models fotografieren – diesmal auch aus kreativer Sicht mit viel mehr gestalterischem Einfluss. Gleichzeitig war es eine echte Herausforderung, so viele Projekte in kurzer Zeit umzusetzen. Dieser kreative Druck hat mir gefallen – das schnelle Tempo hat mich beflügelt.
3. Gibt es ein Projekt oder Format, das du in Zukunft mit der C80 realisieren möchtest?
Seit ich die Kamera habe, ist mir klar, wie perfekt sie für unterschiedlichste Events geeignet ist. Ich plane auf jeden Fall, sie bei kommenden Projekten einzusetzen – insbesondere für Reisen und Gimbal-Setups. Sie ist kompakt und leistungsstark, passt also perfekt in Situationen, in denen Mobilität und Geschwindigkeit gefragt sind, ohne Kompromisse bei der Qualität.
4. Wie bleibst du in einer so schnelllebigen Branche wie der Modewelt kreativ – und wie unterstützt dich dein Equipment dabei?
Das lässt sich schwer in Worte fassen. Je mehr ich arbeite und produziere, desto stärker forme und verfeinere ich meinen eigenen Stil. Natürlich gibt es Phasen, in denen man Ähnliches fotografiert, aber was mir hilft, ist meinem Bauchgefühl zu vertrauen – das zu tun, was sich kreativ richtig anfühlt, und mich nicht zu sehr von Kundenwünschen lenken zu lassen. Das hält die Dinge frisch. Auch das Equipment spielt eine wichtige Rolle. Ich wechsle gerne mal Objektive, Kameras oder Filter. Schon kleine Veränderungen können die Perspektive beeinflussen und mich neu inspirieren.
5. Was dürfen wir als Nächstes von dir erwarten? Gibt es anstehende Projekte oder Kollaborationen, auf die du dich besonders freust?
In den letzten Jahren habe ich mir immer gesagt: „Das wird mein Jahr“ – und jedes Mal wurde es ein bisschen mehr zur Realität. Jedes Jahr bringt bessere Projekte, spannendere Möglichkeiten und mehr Klarheit über das, was ich kreativ und beruflich will. In letzter Zeit bekomme ich immer häufiger Jobs, die genau das widerspiegeln, was ich liebe – und ich glaube, das ist das Ziel für jede:n Künstler:in: an Dingen zu arbeiten, die wirklich inspirieren. Ich wähle Projekte mittlerweile nicht mehr danach aus, was sie mir bringen könnten, sondern danach, was mich wirklich begeistert. Es gibt keinen festen Plan, ich folge einfach meinem Instinkt. Und genau das gibt mir das Gefühl, dass 2025 ein ganz besonderes Jahr wird.























