
45 MEGAPIXEL, 40 GRAD, 40'000 BILDER – DIE CANON R5 MARK II IM HÄRTETEST
Ein Erfahrungsbericht von Beat Rüegger – ornifoto.ch
Auf unserer Ornifoto-Reise im Oktober 2024 ins brasilianische Pantanal hatte ich die Gelegenheit, die neue Canon EOS R5 Mark II unter echten Extrembedingungen zu testen. Zwei Wochen lang war ich mit unserer sechsköpfigen Gruppe bei über 40 Grad unterwegs – zu Fuss, im Boot und im Geländefahrzeug. Ich fotografierte fast ausschliesslich aus der Hand, teilweise mit Einbein-Stativ, und sammelte über 40'000 Aufnahmen.
Besonders gespannt war ich auf den neuen Autofokus, den Pre-Capture-Modus und das Verhalten der Kamera bei Hitze. Bisher war die Canon EOS R3 mein Favorit – aber schon bald zeigte sich: Die EOS R5 Mark II spielt auf Augenhöhe – oder sogar darüber.
Was sofort überzeugt hat, war die hohe Auflösung: Mit 45 Megapixeln konnte ich problemlos croppen, ohne an Qualität zu verlieren – gerade bei der Vogelfotografie ein Riesenvorteil. Auch der Bildstabilisator funktionierte hervorragend. Selbst mit 600mm Brennweite gelangen mir im ersten und letzten Licht des Tages scharfe Aufnahmen aus der Hand.
Der neue Autofokus ist ein grosser Schritt nach vorne: Fliegende Vögel werden nun auch unterhalb des Horizonts schnell erkannt und zuverlässig verfolgt – deutlich besser als beim Vorgängermodell, der EOS R5. Bei sitzenden Jaguaren im Dickicht kam manchmal der Spot-Autofokus zum Einsatz, den ich bequem auf die AF-Feldtaste gelegt habe. Insgesamt arbeitete der Fokus präzise, schnell und verlässlich – auch bei schwierigen Motiven.
Der Pre-Capture-Modus war für mich ein echtes Highlight – und gleichzeitig eine kleine Enttäuschung. Die Möglichkeit, den Moment vor dem eigentlichen Auslösen einzufangen, ist in der Actionfotografie ein Game Changer. Doch bei grosser Hitze überhitzte die Kamera schnell, und der Modus war nur eingeschränkt nutzbar. Zudem kam es bei mir mehrmals zu Abstürzen, wenn ich zwischen manuellem Modus und dem Pre-Capture Modus wechselte – ein kurzer Batteriewechsel war dann jeweils nötig. Auch wenn das lästig ist, ist die Funktion an sich sehr vielversprechend. Die Akkuleistung war erfreulich: Mit einer Batterie konnte ich rund 3000 Bilder machen, das Rauschverhalten war bis ISO 3200 absolut im grünen Bereich.
Alles in allem hat die Canon EOS R5 Mark II meine Erwartungen erfüllt – mit kleinen Abstrichen bei der Robustheit. In tropischem Klima, auf staubigen Pisten oder bei kleinen Unfällen merkt man, dass sie nicht ganz auf dem Niveau der EOS R3 ist. Wer viel unterwegs ist und Objektive wechseln muss, sollte also besser ein zweites Gehäuse dabeihaben. Ich hätte gern eine EOS R1 mit 45 MP, der Robustheit der EOS R3 und den Features der EOS R5 Mark II. Aber bis es so weit ist, wird die R5 Mark II bei mir wohl das neue Arbeitstier – vor allem, wenn ich zu Fuss unterwegs bin. Für mich eine klare Empfehlung für Naturfotograf*innen, die Leistung, Auflösung und neue Technik zu schätzen wissen – mit dem kleinen Hinweis, dass man sie besser nicht zu hart auf den Boden fallen lässt.
















