Der Event-, Wedding- und Produktfotograf, David Biedert, hat sich bereits eingehend mit den beiden neuen Vollformat Systemkameras von Canon, der EOS R5 & EOS R6, beschäftigt. 

Erfahre in Davids Bericht, für welche Aufträge er die EOS R5 mit 45 Megapixel einsetzt und wann er die EOS R6 mit 20 Megapixel bevorzugt.  

Die neuen EOS R5 & R6 sind da!

Die Gerüchteküche brodelte bereits Anfang Jahr und mit zahlreichen Vorschusslorbeeren wurden die zwei neuen, leistungsstarken und spiegellosen Vollformat-Systemkameras, die EOS R5 und die EOS R6, von Canon Ende Juli vorgestellt. Dank Foto Video Zumstein durfte ich meine R5 bereits Anfang August und einen Monat später die EOS R6 (ich bezeichne die Kamera als die kleine Schwester der R5) in den Händen halten. Seit knapp 20 Jahren bin ich der Marke Canon treu und seit meiner ersten Digitalkamera von Canon, der EOS 10D mit 6.3 Megapixel, hat sich einiges getan. Nachdem ich vor knapp zwei Jahren von der Spiegelreflex EOS 5D Mark IV auf die spiegellose Systemkamera EOS R umgestellt und erste Erfahrungen im Segment der spiegellosen Technik gesammelt habe, war ich sehr gespannt, was die R5 und die R6 zu bieten haben. Dabei ist zu beachten: Ich nutze die R5 und R6 in erster Linie im Bereich Fotografie und gehe daher auch bloss auf diesen Anwendungsbereich ein. 

Ich muss zugeben, es gab im Sommer 2018 eine Phase, in der ich mich gefragt habe, ob Canon noch der richtige Partner ist. Insbesondere Sony hatte den zukunftsweisenden Weg mit dem spiegellosen System einige Jahre zuvor konsequent eingeschlagen und Canon hatte noch kein konkurrenzfähiges Gerät im Angebot. Die EOS R sowie die neuen RF-Linsen haben mich dann aber überzeugt, weiterhin Canon treu zu bleiben. 

Folglich habe ich sämtliche EF-Linsen verkauft und in die neuen Objektive, RF 15-35mm f2.8, RF 50mm f1.2, RF 85mm f1.2L, RF 70-200mm f2.8 sowie in das absolute Must-have im Bereich Event- & Hochzeitsfotografie RF 28-70mm f2.0, investiert. Ich konnte mich mit dem spiegellosen Format und den Vorteilen eines schnellen Autofokus der EOS R sehr rasch anfreunden und war natürlich Feuer und Flamme, als die Gerüchte um eine professionelle Weiterentwicklung der EOS R zu brodeln begannen. 

Nun halte ich die beiden Bodies R5 und R6 in der Hand und kann auf unterschiedliche Einsatzgebiete und Erfahrungen während der vergangenen Wochen zurückblicken. 

45 Megapixel vs. 20 Megapixel

Da es bereits genügend technische Reviews über die R5/R6 auf Youtube und diversen Foren gibt, verzichte ich an dieser Stelle auf Zahlen, Fakten und eine Gegenüberstellung. Vielmehr möchte ich Erfahrungen mit Anwendungsbeispielen teilen und jeweils kurz erläutern, weshalb ich dabei die R5 resp. R6 verwendet habe. Da sich die beiden Systemkameras technisch praktisch auf Augenhöhe begegnen, stellt sich bei mir jeweils vor einem Auftrag die Frage nach der Datenmenge resp. dem Verwendungszweck der Fotos im Anschluss. Mehr Auflösung heisst primär auch mehr benötigter Speicherplatz auf der SD-Karte resp. Festplatte und mehr Rechenleistung am Laptop/Computer. Daher nutze ich die R5 nur für Aufträge, bei denen es absolut Sinn macht, diese hohe Auflösung auszuschöpfen. Ein konkretes Beispiel: Eine Grossbank gab mir den Auftrag, Portraits von Mitarbeitern aufzunehmen. Man möchte sich bei der finalen Auswahl der Fotos auf zwei Bilder beschränken, diese jedoch frei wählbar als Hoch- oder Quartformat einsetzen. Die 45 MP Auflösung der R5 ermöglichen es dem Kunden, aus einem bearbeiteten und retuschierten Querformat-Bild ohne Probleme und mit genügend hoher Auflösung ein Hochformat-Portrait auszuschneiden. 

 

Event- & Hochzeitsfotografie - welche Auflösung macht Sinn? 

Anders sieht bei mir die Wahl der Kamera bei Aufträgen beispielsweise für die Schweizer Illustrierte aus: Roger Federer sieht nicht besser oder schärfer auf einer halben Hochglanzseite im Print des People-Magazins aus, wenn die Aufnahmen mit 45 Megapixel in die Druckerpresse eingelesen werden. Dazu kommt, dass ich im Event-/Hochzeitsbereich die Funktion von kontinuierlichen, schnellen Aufnahmen (es müssen ja nicht gleich 20 Bilder/Sekunde sein) gerne gezielt nutze und so locker 2’500 bis 5’000 Fotos pro Auftrag auslöse.

Bei einem Hochzeitspaar-Shooting macht es zum Beispiel Sinn, die R5 mit 45 MP einzusetzen, um im Anschluss einen grossrahmigen Druck der Datei in bestmöglicher Auflösung zu garantieren. Ansonsten ist es grundsätzlich ausreichend, ein Bild mit 20 MP in sehr guter Qualität im Format A3 drucken zu lassen (und erfahrungsgemäss sollte das in 95% der Fälle ausreichen). 

Autofokus - blind vertrauen

Oft erhalte ich als Fotograf an Events nur eine einzige Chance, die gewünschte Aufnahme zu realisieren. Insbesondere an einer Hochzeit gibt es einzigartige Momente und Emotionen, die man später nicht nochmals nachstellen kann. Konkretes Beispiel: Anfang September an einer zivilen Hochzeitsfeier: Die Gesellschaft erwartet das Paar nach erfolgter Trauung vor der Tür und ist mit zahlreichen Konfetti-Kanonen ausgerüstet. Die Tür öffnet sich, der Konfetti-Regen setzt ein und das Hochzeitspaar beginnt zu strahlen. In einer solchen Situation manuell fokussieren? - vergiss es! Da braucht es einen starken Partner, auf den ich mich zu 100% verlassen kann und der mir diese anspruchsvolle Arbeit abnimmt. Der Autofokus (AF) der EOS R war bereits gut und wurde in der R5/R6 nochmals zusätzlich in Punkto Genauigkeit und Geschwindigkeit verbessert. Der AF wählt beispielsweise das Auge der Braut automatisch an und hält den Fokus, auch wenn das Auge durch Konfetti oder andere Gegenstände kurzzeitig verdeckt wird. Das sind Momente, die mir aufzeigen, dass ich mich in meinem Bereich für den richtigen Kamerapartner entschieden habe, denn in solchen Situationen muss ich mich absolut auf die gewählte Ausrüstung verlassen können. 

 

Fazit: Die Schwester gewinnt

Nach rund 25 unterschiedlichen Einsätzen in den vergangenen Wochen kann ich abschliessend sagen, dass ich mich bei der Wahl der EOS R5 und R6 richtig entschieden habe. In Kombination mit dem internen Bildstabilisator im Body und der zusätzlichen Stabilisierung durch die meisten RF-Linsen ermöglichen mir die R5 resp. R6, den technischen Fortschritt vollumfänglich zu nutzen und in meinen Einsatzbereichen optimal anzuwenden. Jedoch habe ich mich in einem Punkt geirrt: Ich wollte stets ausschliesslich mit der R5 arbeiten. Doch die vergangenen Wochen und Einsätze haben mir gezeigt, dass grösstenteils die R6, die Schwester der R5, zum Zug kommt und wohl für die meisten ambitionierten Fotografen die richtige Wahl im derzeitigen Angebot von Canon darstellt (Preis/Leistung). Zudem: für den Preis einer R5 bekommt man derzeit eine R6 plus dazu noch ein RF Objektiv mit einer enormen Lichtstärke wie z.B. das RF 50mm f/1.2L. 

 

Über David Biedert

David Biedert hat seine Leidenschaft fürs Fotografieren vor rund 20 Jahren zum Beruf gemacht. 
Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung, einzigartige Momente und Emotionen fotografisch festzuhalten, konnte er sich vor allem im Bereich Event Fotografie schweizweit einen Namen machen. 
Auch für klassische Medien, wie z.B. die Zeitschrift «Schweizer Illustrierte» ist er regelmässig im Einsatz. 
David fokussiert sich in erster Linie auf die Bereiche Events, Hochzeiten, Produkte und Food. 

davidbiedert.com
Instagram: @davidbiedert