
Anne Gabriel-Jüergens stellt derzeit ihre Bilder in unserem Store in Zürich aus. Die Ausstellung basiert auf ihrem eindrucksvollen Fotobuch „Viel Glück zum Muttertag“ und ist noch bis zum 27. Juli 2025 bei uns zu sehen.
Im Gespräch erzählt Anne, wie das Langzeitprojekt entstanden ist, wie sich ihre fotografische Herangehensweise im Laufe der Zeit verändert hat und welche Rolle Vertrauen und Nähe in ihrer Arbeit spielen.
Du hast eure Familie und insbesondere Zoe über mehr als zehn Jahre begleitet. Gab es Situationen, in denen du bewusst nicht zur Kamera gegriffen hast? und warum?
Ja, auf jeden Fall. Wenn ich das Gefühl hatte, dass sie auf keinen Fall fotografiert werden möchte oder die Situation meine volle Aufmerksamkeit verlangte, statt sie einfach nur zu beobachten, habe ich die Kamera bewusst weggelegt. Es war und ist mir wichtig, respektvoll mit den Menschen umzugehen, die ich fotografiere.
War dir früh klar, dass aus den Bildern von Zoe ein Langzeitprojekt entstehen würde? Und hat die Kamera eure Beziehung oder euren Alltag verändert?
Nein, das war nicht geplant. Am Anfang war es eher ein Weg, mich ihr durch den Blick durch die Kamera anzunähern und sie besser zu verstehen. Nach etwa zwei bis drei Jahren wurde es langsam zu unserem gemeinsamen Projekt. Wir sind oft zu zweit losgezogen und haben zusammen fotografiert. Erst nach etwa vier bis fünf Jahren habe ich darüber nachgedacht, ob daraus vielleicht eine Fotoserie entstehen könnte. Zoe hat immer wieder eigene Ideen und Vorschläge eingebracht. So haben wir gemeinsam beschlossen, die Bilder in Form eines Buches und durch Ausstellungen öffentlich zu zeigen.
Stell dir vor du hättest dieses Projekt nie gestartet. Was, glaubst du, wäre heute anders zwischen dir und Zoe?
Ich glaube zwischen uns nichts ;) ! Vielleicht hätte Zoe nicht angefangen,
jetzt selber zu fotografieren…
Würdest du anderen Fotograf*innen Langzeitprojekte empfehlen? Weshalb? und wie findet man deiner Meinung nach am besten ein relevantes Thema?
Auf jeden Fall. Ich finde es wichtig, eine eigene Haltung in der Fotografie zu entwickeln. Als Fotograf*in trägt man eine Verantwortung dafür, welche Bilder in die Welt hinausgetragen werden. Durch eigene Langzeitprojekte setzt man sich automatisch intensiver mit bestimmten Themen auseinander. Am authentischsten ist es meist, zunächst bei sich selbst und vor der eigenen Haustür hinzuschauen. Auf das, was einen persönlich berührt. Oft spiegeln diese Themen dann auch gesellschaftliche Entwicklungen wider.
Gibt es Fotos bei denen du etwas ganz neues ausprobiert hast?
Ich glaube, die Veränderung ist ein schleichender Prozess. Grundsätzlich versuche ich, mit einem offenen Blick an meine Themen heranzugehen und experimentiere auch in kürzeren Projekten viel. Bei diesem Langzeitprojekt habe ich begonnen, Bildserien aus einzelnen Situationen zu einem Tableau zusammenzufassen und nach und nach auch die Briefe zu integrieren, die Zoe mir über die Zeit geschrieben hat. Ich finde es spannend, immer wieder auch andere Ausdrucksformen wie Zeichnungen, Video oder Texte collageartig in die Serien einzubinden.
Du arbeitest seit Langem mit Canon und aktuell mit der Canon EOS R5. Was schätzt du an deinem Equipment und wie wichtig ist dir die Technik generell beim Fotografieren?
Meine Mutter hatte mir schon mit 16 ihre alte analoge Canon geschenkt. Seit dem bin ich bei Canon geblieben. Ich schätze an Canon, dass die Kameras einfach und intuitiv zu handhaben sind. Ich kenne genau die Funktionen, die ich für meine Arbeit brauche. Alles darüber hinaus interessiert mich technisch gesehen eher wenig. ;)











