
Mit dem neuen Sony 50–150mm F2 hat Muriel Florence Rieben im Verzasca Tal eine Kampagne umgesetzt, die eindrucksvoll zeigt, wie Technik und Intuition ineinandergreifen können. Muriel ist Sony Europe Imaging Ambassadorin und bekannt für ihre klare, oft farbintensive Bildsprache, in der Bewegung, Architektur und Lifestyle miteinander verschmelzen.
In diesem Interview gibt sie uns einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen, spricht über die kreative Arbeit mit dem neuen Objektiv, die Bedeutung von Authentizität und Intuition in ihrer Fotografie und darüber, wie sie ihre Handschrift in unterschiedlichen Genres von Tanz bis Lifestyle-Kampagnen sichtbar macht.
Persönliche Fragen an Muriel
Du bist bekannt dafür, Bewegung, Architektur und Lifestyle in einer klaren und oft farbintensiven Bildsprache zu verbinden. Diese Ästhetik ist stark von deiner Vergangenheit als Tänzerin geprägt. Welche aktuellen Projekte erlauben dir gerade, diese Handschrift besonders stark auszuleben?
Ich habe das Gefühl, dass sich meine Handschrift unabhängig davon, ob es sich um Sport-, Lifestyle- oder Fashionfotografie handelt, in jedem Projekt ein Stück weit abzeichnet. Das passiert weniger bewusst, sondern vielmehr intuitiv. Meine Vergangenheit als Tänzerin prägt meinen Blick auf Bewegung, Körperhaltungen und Komposition bis heute, sodass Dynamik und Rhythmus fast automatisch in meine Bildsprache einfliessen. Besonders stark kann ich diesen Einfluss in Projekten ausleben, die mir mehr Raum für freie Kreativität geben. Dazu zählen Shootings, die an der Schnittstelle zwischen Mode und Performance angesiedelt sind, oder Arbeiten im architektonischen Kontext, bei denen ich bewusst mit Linien, Flächen und Farben spiele.
In den letzten Jahren hast du dich in sehr unterschiedliche Genres hineingewagt, von Tanz über urbane Portraits bis hin zu Sport- und Lifestylekampagnen. Gibt es ein Projekt, bei dem du aktuell das Gefühl hast, deine künstlerische Identität am deutlichsten ausdrücken zu können?
Für mich hängt es weniger stark vom Genre ab, sondern vielmehr davon, mit welchen Menschen und unter welchen Bedingungen ich zusammenarbeite. Wenn Offenheit, Vertrauen und ein gemeinsames Verständnis für Ästhetik vorhanden sind, kann ich meine künstlerische Identität am deutlichsten einbringen, egal ob es sich dabei um Tanz, Portraits oder Lifestyle handelt. Natürlich bringen unterschiedliche Genres auch verschiedene Herausforderungen und Möglichkeiten mit sich. Im Tanz spüre ich eine besondere Nähe, weil ich aus dieser Welt komme und Bewegung intuitiv lesen und inszenieren kann. Urbane Portraits wiederum erlauben mir, den Menschen in seiner Umgebung sichtbar zu machen und ein Stück seiner Persönlichkeit im Zusammenspiel mit Raum und Atmosphäre einzufangen. Sport- und Lifestylekampagnen bieten oft eine grössere Bühne, auf der ich meine Bildsprache durch Farbigkeit, Dynamik und klare Kompositionen ausleben kann. Aktuell finde ich vor allem Projekte spannend, bei denen sich diese Bereiche überlagern, zum Beispiel Kampagnen, die nicht nur ein Produkt oder einen Look zeigen, sondern auch eine Haltung, eine Stimmung oder einen bestimmten Lifestyle transportieren. In solchen Momenten habe ich das Gefühl, dass meine Handschrift sehr präsent wird, nämlich die Verbindung von Bewegung, Architektur und einem modernen Lebensgefühl. Am Ende ist es für mich also nicht das Genre, das entscheidet, sondern die Freiheit, die mir ein Projekt gibt und die Bereitschaft aller Beteiligten, ein Stück Vertrauen in meine Intuition und meine Sichtweise zu legen.
Vor kurzem hattest du die Möglichkeit, eine Bildwelt für einen bekannten Kampfkünstler umzusetzen. Welche Aspekte haben dieses Projekt für dich besonders spannend gemacht?
Ob jemand bekannt ist oder nicht, macht für mich ehrlich gesagt keinen grossen Unterschied. Viel spannender finde ich die Begegnung mit Persönlichkeiten, ob Athleten oder Künstler, die mit derselben Konstanz, Disziplin und Leidenschaft an ihre Sportart oder Kunst herangehen, wie ich es mit meiner Fotografie tue. Genau diese gemeinsame Energie und dieser Antrieb schaffen eine Verbindung, die man auch in den Bildern spürt. Bei dem Projekt mit dem Kampfkünstler war genau das der Fall. Die Präzision seiner Bewegungen, die innere Ruhe und gleichzeitig die enorme Kraft, die er in jeder Pose transportiert, haben mich sofort fasziniert. Für mich war es eine Art Übersetzung. Ich wollte diesen körperlichen Ausdruck und die Haltung, die dahinterstehen, in eine visuelle Sprache übertragen. Besonders spannend war es, Momente einzufangen, die nicht nur sportliche Leistung zeigen, sondern auch etwas über die Persönlichkeit und die Philosophie hinter dem Kampfsport erzählen.
Sony Imaging Ambassadorin
Seit Kurzem bist du Teil des Sony Europe Imaging Ambassador Programms. Diese Rolle ist mit Sichtbarkeit verbunden, bringt aber auch Verantwortung mit sich. Wie hast du diesen Schritt erlebt und welche Veränderungen hat er für dich als Fotografin mit sich gebracht?
Diese Rolle bringt natürlich Verantwortung mit sich, aber für mich ist sie vor allem mit sehr viel Authentizität verbunden. Ich habe das Gefühl, dass Sony meine Arbeit und meine Handschrift wirklich schätzt und dass ich mich in dieser Position nicht verstellen oder anpassen muss. Das ist mir besonders wichtig, weil es mir erlaubt, meinen Weg als Fotografin konsequent und aus innerer Überzeugung weiterzugehen. Die Verantwortung sehe ich darin, eine Stimme und ein Gesicht für eine Community zu sein, die unglaublich vielfältig ist. Es geht nicht nur darum, schöne Bilder zu machen, sondern auch darum, meine Erfahrungen, meinen Prozess und manchmal auch meine Zweifel offen zu teilen. Gerade dieser Austausch inspiriert mich und zeigt mir, wie wichtig es ist, nahbar und authentisch zu bleiben. Eine deutliche Veränderung ist die grössere Sichtbarkeit. Plötzlich erreichen meine Arbeiten mehr Menschen, und damit eröffnen sich neue Chancen, sei es in Form von Kooperationen, Projekten oder Begegnungen mit anderen Kreativen. Gleichzeitig ist es eine Möglichkeit, meine Perspektive auf Fotografie stärker nach aussen zu tragen und Impulse zu geben, die vielleicht auch andere ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen. Besonders bereichernd empfinde ich den vertieften Austausch mit der Community. Durch Workshops, Gespräche oder einfach durch das Feedback zu meinen Arbeiten entstehen Dialoge, die mich selbst weiterbringen und meine Leidenschaft für Fotografie noch einmal verstärken.
Als Ambassador bist du Teil einer internationalen Community von Kreativen, die alle sehr unterschiedliche Schwerpunkte haben. Wie erlebst du den Austausch in dieser Community und welche Impulse nimmst du für deine eigene Arbeit mit?
Für mich bedeutet die Community in erster Linie gegenseitige Unterstützung und eine geteilte Leidenschaft für Fotografie. Es ist inspirierend zu sehen, wie unterschiedlich die Schwerpunkte, Stile und Arbeitsweisen der einzelnen Kreativen sind, und trotzdem verbindet uns alle derselbe Antrieb, nämlich die Begeisterung für das Bild und die Lust, Geschichten visuell zu erzählen. Dieses Gefühl von Zusammenhalt empfinde ich als sehr bereichernd. Der Austausch innerhalb dieser internationalen Community eröffnet mir neue Perspektiven, erweitert meinen Horizont und regt mich dazu an, auch meine eigene Handschrift immer wieder zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Die Impulse, die ich mitnehme, sind vielfältig. Manchmal ist es eine konkrete Idee für ein Shooting, manchmal eine neue Herangehensweise an ein Thema und manchmal einfach die Motivation, konsequent meinen eigenen Weg weiterzugehen. Am Ende ist es genau dieser Mix aus Vielfalt, Unterstützung und Inspiration, der die Community für mich so besonders macht.
Viele junge Frauen stehen in der Fotografie noch vor besonderen Hürden. Siehst du deine Rolle auch als Chance, Inspiration und Unterstützung für die nächste Generation zu sein?
Ja, absolut, das sehe ich als Chance und auch als Verantwortung. Mir ist es wichtig zu zeigen, dass man in dieser Branche erfolgreich sein kann, ohne sich zu verbiegen oder einem bestimmten Bild entsprechen zu müssen. Gerade für junge Frauen, die noch am Anfang stehen, ist es entscheidend zu sehen, dass man seinen eigenen Weg gehen darf, sich treu bleiben kann und trotzdem Anerkennung findet. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es manchmal Hürden gibt, sei es durch Strukturen, Vorurteile oder einfach durch das Gefühl, sich ständig beweisen zu müssen. Umso mehr möchte ich durch meine Arbeit vermitteln, dass genau darin auch eine Stärke liegt, nämlich in der eigenen Perspektive, im eigenen Blick auf die Welt. Authentizität ist für mich nicht nur ein Schlagwort, sondern die Basis dafür, langfristig erfüllt und erfolgreich zu arbeiten. Ich möchte zeigen, dass Leidenschaft, Disziplin und Kreativität wichtiger sind als Geschlecht oder äussere Erwartungen.
Sony 50-150mm
„What if a lens could see what I see“ steht am Anfang deines Kampagnenvideos, das du für das neue 50-150mm F2 produziert hast. Kannst du uns einen Einblick geben, welche Botschaft du damit transportieren wolltest?
Mit der Botschaft „What if a lens could see what I see“ wollte ich vor allem ausdrücken, dass Fotografie weit über Technik hinausgeht. Für mich spielt Intuition eine entscheidende Rolle: dieses Gespür für den richtigen Moment, für eine Bewegung oder für eine Stimmung, die sich nicht planen lässt. Wenn man dieser Intuition vertraut, entwickelt sich automatisch eine sehr persönliche Sichtweise. Genau darum geht es mir: die eigene Perspektive sichtbar und spürbar zu machen. Das neue 50–150mm F2 war für mich in diesem Projekt nicht einfach nur ein Werkzeug, sondern eher eine Art Verlängerung meiner Wahrnehmung. Ich wollte zeigen, dass eine Linse nicht nur das abbildet, was vor ihr geschieht, sondern dass sie auch meine innere Haltung, meinen Rhythmus und meinen Blick auf die Welt transportieren kann. In gewisser Weise ist das Video also eine Einladung, die Welt durch meine Augen zu sehen. Die Botschaft richtet sich deshalb nicht nur an Profis, sondern an alle, die fotografieren: Es geht weniger darum, technische Perfektion zu erreichen, sondern vielmehr darum, eine persönliche Sprache zu entwickeln. Genau das möchte ich mit meiner Arbeit sichtbar machen – dass Fotografie am stärksten wird, wenn man sie mit Intuition, Authentizität und der eigenen Perspektive verbindet.
Das 50-150mm F2 hat mit seiner Lichtstärke und Flexibilität viele überrascht. Wie bist du konzeptionell an die Kampagne herangegangen und welche Bildideen waren dir dabei besonders wichtig?
Ich bin tatsächlich nur mit einer groben Idee und einem bestimmten Ort im Kopf an die Kampagne herangegangen. Für mich war es wichtig, nicht alles bis ins letzte Detail durchzuplanen, sondern genügend Raum zu lassen, damit sich die Bilder organisch entwickeln können. Genau das entspricht meiner Arbeitsweise. Ich möchte mich von der Stimmung vor Ort, von der Architektur, vom Licht und natürlich auch von der Person vor der Kamera leiten lassen. Das 50–150mm F2 hat mir dabei eine enorme Freiheit gegeben. Durch die Flexibilität der Brennweiten konnte ich sehr intuitiv reagieren, ohne ständig die Optik wechseln zu müssen. So war es möglich, in kurzer Zeit sowohl intime, fast schon portraitartige Momente einzufangen als auch kraftvolle, dynamische Szenen zu gestalten, die die Energie des Ortes und der Bewegung transportieren. Besonders wichtig war mir, eine Bildwelt zu schaffen, die nicht nur die technischen Stärken des Objektivs demonstriert, sondern auch meine persönliche Handschrift trägt. Ich wollte zeigen, wie sehr Technik und Intuition zusammenspielen können. Ein Objektiv ist für mich nicht nur ein Werkzeug, sondern ein Partner, der es ermöglicht, eine ganz eigene Sichtweise sichtbar zu machen. Am Ende war die Kampagne für mich weniger ein streng durchkonzipiertes Projekt, sondern vielmehr ein kreativer Prozess, ein Dialog zwischen Raum, Bewegung und Bildsprache, bei dem das Objektiv den entscheidenden Rahmen gesetzt hat.
Die Bilder deiner Kampagne sind unglaublich kreativ und vielseitig. Inwiefern hat dich das Objektiv dabei unterstützt, deine Kreativität auszuleben, und gibt es etwas, das du dir darüber hinaus wünschen würdest?
Das Objektiv hat mir mit seiner Flexibilität und Lichtstärke unglaublich viel Raum gegeben, meine Kreativität frei auszuleben. Gerade weil ich oft sehr intuitiv arbeite, ist es für mich entscheidend, dass mein Equipment mich nicht einschränkt, sondern mich unterstützt, spontan auf Situationen, Bewegungen oder Lichtverhältnisse reagieren zu können. Das 50–150mm F2 hat mir genau diese Freiheit ermöglicht. Ich konnte mal ganz nah und intim arbeiten, mal weiter entfernt und dynamisch, ohne dabei an Ausdruckskraft oder Bildqualität einzubüssen. Besonders schätze ich, dass Sony mit solchen Entwicklungen den kreativen Prozess in den Mittelpunkt stellt. Es geht nicht darum, Technik um der Technik willen zu haben, sondern darum, ein Werkzeug zu schaffen, das sich fast nahtlos anfühlt, als würde es eins mit meiner Intuition werden. Dieses Gefühl, dass Technik und Intuition Hand in Hand gehen, ist für mich essenziell, um wirklich authentische und kraftvolle Bilder entstehen zu lassen. Wenn ich mir darüber hinaus etwas wünschen dürfte, dann wäre es genau das, diese Linie weiterzuführen. Equipment, das noch leichter, intuitiver und vielseitiger wird, sodass man beim Arbeiten fast vergisst, dass es da ist. Denn je weniger ich über Technik nachdenken muss, desto mehr kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich meine eigene Sichtweise und die Geschichte, die ich mit meinen Bildern erzählen möchte.
Wenn du ein Bild aus der Kampagne auswählen würdest, das für dich den Charakter des 50-150mm am besten einfängt, welches wäre das und warum?
Da es in dieser Frage um den Charakter des Objektivs geht, würde ich tatsächlich ein Bild auswählen, das vielleicht nicht unbedingt mein persönliches Lieblingsmotiv ist, aber sehr klar zeigt, was das 50–150mm ausmacht. Für mich sind das vor allem drei Eigenschaften: die beeindruckende Lichtstärke, die Tiefe im Bild und das aussergewöhnlich schöne Bokeh, das dadurch entsteht.
Viele fragen sich, ob das 50-150mm F2 eher ein Ersatz oder eine Ergänzung zu klassischen Brennweiten wie 70-200mm oder 85mm und 135mm ist. Welche neuen kreativen Möglichkeiten eröffnet es dir persönlich?
Für mich ist das 50–150mm F2 in erster Linie eine Ergänzung, keine Konkurrenz zu klassischen Brennweiten wie 70–200mm oder Festbrennweiten wie 85mm und 135mm. Der grosse Vorteil liegt für mich in der Flexibilität, die es mir bei Jobs bietet. Ich kann damit viele unterschiedliche Situationen abdecken, ohne ständig Objektive wechseln oder eine ganze Reihe an Ausrüstung mitnehmen zu müssen. Gerade bei dynamischen Shootings, bei denen es schnell gehen muss, ist das ein enormer Vorteil. Darüber hinaus eröffnet mir das Objektiv neue kreative Spielräume. Die durchgängige Lichtstärke von F2 erlaubt es, mit Schärfe und Unschärfe sehr bewusst zu gestalten. Ich kann Details isolieren, Hintergründe weich auflösen und dadurch eine besondere Tiefe ins Bild bringen, etwas, das meiner Bildsprache mit klaren Linien und intensiven Farben sehr entgegenkommt. Gleichzeitig bietet die Bandbreite von 50 bis 150mm eine grosse Freiheit, mich zwischen sehr intimen Portraits und kraftvollen, bewegungsstarken Szenen zu bewegen, ohne das Setting verlassen zu müssen. Das bedeutet, ich kann während eines Shootings intuitiver arbeiten, mehr im Flow bleiben und schneller auf Stimmungen oder Bewegungen reagieren.






















