
Interview mit Marina Fischer
In der 10. Ausgabe der Zumi Pro Talks Interview-Serie treffen wir auf Marina Fischer, eine Content Creatorin, Fotografin und leidenschaftliche Geschichtenerzählerin mit einem besonderen Gespür für visuelles Storytelling. Ihre Bilder entstehen rund um den Globus, mal auf Gruppenreisen, mal solo unterwegs, aber stets mit viel Feingefühl für echte und emotionale Momente. Im Interview spricht sie über kreative Höhen und Tiefen, ihren Workflow unterwegs und warum sie auf eine Kombination aus Canon EOS R5 II und Canon V1 setzt. Ein inspirierender Austausch über Disziplin, Technik und die Kunst, persönliche Geschichten sichtbar zu machen.
In diesem Format stellen wir den Fotograf*innen jeweils achtzehn Fragen.
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Fünf persönliche Fragen zum/zur Fotograf*in
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Fünf neugierige Fragen zur Technik und ihrem Equipment
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Fünf "schnelle" Fragen, die mit einem Satz beantwortet werden können
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Drei Bonusfragen zum Abschluss
Die Interviews werden jeweils bei uns im Store von Fotograf Denny Waves durchgeführt.
Fünf persönliche Fragen an Marina
1. Du hast mit 13 deine erste Kamera gekauft und dafür fünf Wochen lang das Schulhaus geputzt. Was hat dich damals so stark motiviert? Würdest du es wieder so machen?
Mit 13 war ich in einem Alter, in dem Selfies für meine Freundinnen und mich zum täglichen Ritual gehörten. Wir haben uns fast jeden Tag getroffen, um mit unseren Handys Fotos zu machen – es war unsere Art, kreativ zu sein und uns auszudrücken. Eines Tages sah ich eine TV-Werbung für eine Spiegelreflexkamera mit ausklappbarem Bildschirm – perfekt für Selfies, dachte ich. Von diesem Moment an war klar: Ich brauche genau diese Kamera! Fünf Wochen lang habe ich mit voller Motivation beim Schulhausputz mitgeholfen, um mir diesen Wunsch zu erfüllen. Als ich die Kamera endlich in den Händen hielt, öffnete sich für mich eine völlig neue Welt: die der Fotografie. Aus einem impulsiven Wunsch wurde eine echte Leidenschaft und rückblickend würde ich alles genauso wieder machen.
2. Dein Vater hat dich zur Fotografie inspiriert. Gibt es ein bestimmtes Bild oder einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ich erinnere mich noch genau daran, dass er eine der allerersten Photoshop-Versionen hatte und mit voller Begeisterung Collagen erstellt hat. Rückblickend wirken sie heute vielleicht nicht mehr so sexy, aber vor 25 Jahren waren sie der absolute Renner. Er hat mir Photoshop schon in sehr jungen Jahren beigebracht und dafür bin ich ihm sehr dankbar.
3. Du arbeitest oft vor der Kamera, fühlst dich aber eigentlich wohler dahinter. Wie gehst du mit diesem Spagat zwischen Sichtbarkeit und Rückzug um? Wie wichtig ist es als Fotograf*in heutzutage, auch vor der Kamera zu stehen?
Ich fühle mich hinter der Kamera am wohlsten, das ist mein kreativer Raum. Gleichzeitig weiss ich, wie wichtig Sichtbarkeit heute ist, gerade wenn man eine eigene Marke aufbaut. 80% meiner Aufträge kommen via Social Media rein. Wenn ich vor der Kamera stehe, dann nicht weil ich mich total toll finde, sondern um Menschen echte Einblicke in meine Arbeit, meine Reisen und meine Sicht auf die Welt zu geben. Es ist aber auch sehr tagesabhängig. Es gibt Tage, da frage ich mich: Was zum Teufel mache ich hier eigentlich vor der Kamera? Und am nächsten Tag macht es wieder total Spass. Ich versuche, diesen Wechsel anzunehmen und meinen eigenen Rhythmus darin zu finden.
4. Reise-Content klingt nach Traumjob aber du weisst aus eigener Erfahrung, dass viel mehr dahintersteckt: Planung, Selbstdisziplin, kreative Höhen und Tiefen. Was würdest du anderen mitgeben, die mit dem Gedanken spielen, diesen Weg einzuschlagen?
Reise-Content zu produzieren klingt nach dem besten Job der Welt und das ist er auch. Es ist ein Privileg, die Welt zu entdecken und kreativ zu arbeiten. Aber dahinter steckt viel mehr: Planung, Risiko, Selbstdisziplin, Durchhaltewillen und kaum echte Freizeit. Die Grenze zwischen Arbeit und Ferien verschwimmt komplett. Man muss sich bewusst sein, dass man viel unterwegs ist und selten wirklich zu Hause. Für mich ist es deshalb wichtig, dass mein Freund – wenn immer möglich – mitreisen kann, damit die Beziehung nicht unter meinem Job leidet. Gleichzeitig ist das auch etwas Besonderes: Wir erleben gemeinsam Dinge, die wir so wahrscheinlich nie erlebt hätten. Und klar ist auch: Wer das nur für Fame macht, wird schnell an seine Grenzen kommen. Man muss das Geschichtenerzählen wirklich lieben. Nur dann bleibt man langfristig mit Herzblut dabei.
5. Du leitest bald deine nächste Gruppenreise nach Vietnam. Dabei wirst du neben dem organisatorischen auch viel Content erstellen. Anschliessend gehts auf eine grössere Solo-Reise durch China. Wie verändert sich deine Art zu fotografieren, wenn du allein unterwegs bist im Vergleich zu einer Gruppenreise?
Auf einer Gruppenreise liegt mein Fokus stark auf Organisation, Storytelling, den Gästen und den Menschen vor Ort. Ich bin viel im Austausch, begleite die Teilnehmenden, halte ihre Erlebnisse fest und versuche, die Dynamik der Gruppe in Bildern spürbar zu machen. Der Content entsteht oft sehr intuitiv und in Bewegung, fast dokumentarisch. Wenn ich alleine unterwegs bin, verändert sich mein Blick. Ich bin viel stiller, aufmerksamer, beobachte mehr, lasse mir Zeit. Ich tauche tiefer ein in meine Umgebung, experimentiere stärker mit Licht, Perspektiven und Gadgets. Beides hat seine eigene Magie, aber solo unterwegs zu sein, erlaubt mir, kreativer und persönlicher zu arbeiten.
Fünf Equipment & Gear Fragen
1. Auf deinen Reisen arbeitest du am liebsten mit einer Kombination aus der Pro Kamera Canon EOS R5 II mit dem 24-70mm und der Kompakten Canon V1. Wie hast du die beiden Kameras in deinem Workflow eingesetzt und was hat dich an der Kombination besonders überzeugt?
Die beiden Kameras decken unterschiedliche Anforderungen gleichzeitig ab und das finde ich richtig nice. Die R5 II ist meine Go-To-Kamera für qualitativ hochwertige Fotos. Sie ist mein Begleiter, wenn ich volle Kontrolle über Licht und Komposition will. Die Canon V1 dagegen ist mein ständiger Begleiter für spontane Momente, Behind-the-Scenes, Reels oder POV-Shots. Sie ist klein, leicht und unauffällig. Das ist ideal, wenn ich unterwegs Content für Social Media mit Persönlichkeit und Nahbarkeit einfangen will.
2. Canon begleitet dich seit einiger Zeit zuletzt bei der Produktion von Content auf Sumatra. Gibt es ein Feature oder eine Funktion bei der R5 II oder V1, das für dich den Unterschied macht? Vor allem beim Storytelling auf Instagram und TikTok?
Der schnelle und präzise Autofokus bei beiden Kameras ist für mich ein echter Gamechanger, besonders wenn es um spontane und sich schnell bewegende Motive geht. Bis Sommer 2024 habe ich mit einer Kamera gearbeitet, die bereits zehn Jahre alt war. Man kann sich also gut vorstellen, wie gross das Upgrade auf die R5 II für mich war.
3. Dein Fokus liegt auf authentischen Momenten, echten Geschichten, die sich oft sehr spontan ergeben. Was muss dein Equipment mitbringen, damit es dich bei dieser Art zu arbeiten nicht ausbremst?
Wenn ich unterwegs bin, passiert vieles spontan. Echte, rohe Momente lassen sich nicht planen. Mein Equipment muss deshalb vor allem eines können: mit mir mithalten. Es muss leicht, schnell einsatzbereit und zuverlässig sein. Ich habe oft keine Zeit, lange etwas aufzubauen oder umzuräumen. Ich brauche Kameras und Objektive, die bei wechselndem Licht performen, einen guten Autofokus haben und robust genug sind für alle Bedingungen. Egal ob in einer Schwefelwolke in einem aktiven Vulkankrater oder im tropischen Regen - Technik darf für mich kein Hindernis sein, sondern muss den kreativen Flow unterstützen.
4. Du stehst je nach Projekt oft gleichzeitig vor und hinter der Kamera. Wie löst du das technisch und gibt es Tools oder Setups, die dir besonders helfen, flexibel zu bleiben?
Für mich zählt nur eines: Die Kamera muss in Sekunden griffbereit sein und ich muss sofort auf Rec drücken können. Egal, ob sie auf mich selbst oder auf andere gerichtet ist. Beim Vloggen für TikTok und Instagram muss alles einfach, schnell und unkompliziert funktionieren, damit ich echte, ungeplante Momente festhalten kann. Deshalb ist für mich nur eines entscheidend: eine leichte, schnelle und zuverlässige Kamera.
5. Du setzt stark auf Storytelling, vor allem für Formaten wie TikTok und Instagram Reels. Gibt es Gadgets, Tools oder Apps, die für dich beim Planen, Erstellen oder Bearbeiten deiner Inhalte unverzichtbar geworden sind?
Mein wichtigstes Gadget ist ganz klar – sofern man das Gadget nennen darf – mein Smartphone. Ich bin viel unterwegs und reise oft sehr leicht. Daher bearbeite und schneide ich Bilder und Videos oft auf dem Handy. Meine meistgebrauchten Apps sind die Canon-App Camera Connect, Cap Cut, Photoshop Express und ChatGPT.
Fast Fire Questions
Du kannst eine Kamera und eine Linse mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche sind es?
Canon EOS R5 II mit einer 24-70mm Linse inkl. ND-Filter
Welche*n Schweizer Fotograf*in sollten unsere Lesenden kennen?
Was war deine erste Kamera?
Nikon D5000
Welches ist dein meist verwendetes Zubehör?
Ein Halo Prismalinsenfilter, den ich vor vielen Jahren für 1.- CHF im Broki gekauft habe.
Schlägt dein Fotografieherz fürs Team Analogfilm oder Digital?
Ich habe mir gerade ein Entwickler-Kit gekauft, daher ganz klar Analogfilm.
Bonusfragen
1. Welches ist dein Lieblingsbild der letzten 12 Monate?
Vor wenigen Wochen leitete ich eine Gruppenreise durch Sumatra. In einem stillen Moment bot sich mir die Gelegenheit, ein traditionelles Batak-Haus zu besichtigen. Ein Batak-Haus ist ein grosses, auf Stelzen erbautes Gemeinschaftshaus mit einem auffällig steil aufragenden Dach. Fast schon ein beeindruckendes architektonisches Erbe. Je nach Grösse teilen sich dort 4 bis 12 Familien den engen Raum, was bedeutet, dass bis zu 70 Menschen unter einem Dach leben, ohne Wände, ohne Privatsphäre. Ein Bild hat sich besonders in mein Gedächtnis eingebrannt: Der Sohn einer Familie war der Einzige im ganzen Haus, der ein richtiges Bett mit Matratze hatte. Er sass ruhig dort, eine Zigarette in der einen, das Handy in der anderen Hand, verloren in Gedanken. Ein Moment, der so viele Gefühle in mir ausgelöst hat.
2. Wenn man dir von heute auf morgen das fotografieren verbieten würde, was würdest du tun? (Frage gestellt von Carlos Cordero)
Ich würde definitiv selbst Silber- und Goldschmuck giessen – eine kleine Schmuckmarke aufziehen. That would be fun.
3. Welche Frage möchtest du unserem nächsten Interview Partner stellen?
Du darfst nur noch ein Foto machen. Was oder wen würdest du fotografieren?





































