Herzlich willkommen zu unserer vierten Ausgabe der "Zumi Pro Talk" Interview-Serie. Mit diesem Format möchten wir Schweizer Fotograf:innen eine Plattform bieten und euch einen spannenden Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Als heutigen Gast durften wir der äusserst erfolgreichen schweizer Fotografin Ella Mettler ein paar Fragen stellen. Sie hat sich auf People- und Werbefotografie spezialisiert und bereits mehrere prominente Persönlichkeiten in Szene gesetzt. Ihr fotografischer Stil hat nicht nur in der Schweiz, sondern auch bei renommierten Kunden in Los Angeles und New York grossen Anklang gefunden.

In diesem Format stellen wir den Fotograf:innen jeweils achtzehn Fragen. 

  • Fünf persönliche Fragen zum/zur Fotograf:in

  • Fünf neugierige Fragen zur Technik und ihrem Equipment

  • Fünf "schnelle" Fragen, die mit einem Satz beantwortet werden können

  • Drei Bonusfragen zum Abschluss

Die Interviews werden jeweils bei uns im Store von Fotograf Denny Waves durchgeführt.

  • Ella Mettler (geb. 2002) verkörpert grenzenlose Kreativität und eine einzigartige künstlerische Perspektive. Die in Zürich, Schweiz, ansässige Künstlerin pendelt zwischen den pulsierenden Städten NYC und LA. Durch ihre Linse erfasst Ella die Welt auf experimentelle und emotionale Weise. Ihr unverkennbarer Stil, geprägt von Weitwinkelaufnahmen, ungewöhnlichen Perspektiven und dem geschickten Einsatz von Blitzlicht, enthüllt eine Welt voller Emotionen und Ästhetik. Ob hinter der Kamera oder bei der kreativen Leitung, sie ist immer begeistert, eine neue Geschichte zum Leben zu erwecken.

  • Kurzprofil Ella Mettler
    Kamerasystem(e): Canon RF
    Hauptkamera(s): Canon EOS R5
    Lieblingslinse: RF 15-35mm F4
    Standort: Zürich / NYC / LA

     

    Website
    Instagram

Fünf persönliche Fragen an Ella

Du hast mit nur 22 Jahren bereits sehr viele Meilensteine einer Fotografie-Karriere erreicht. Kannst du uns von einem Projekt erzählen, auf das du besonders Stolz bist? Worauf darfst du dich in den nächsten Monaten freuen?

Ich bin sehr dankbar für all die wunderbaren Projekte, die ich in den letzten Monaten erleben durfte. Es war eine grossartige Erfahrung, mit so vielen talentierten und inspirierenden Menschen zusammenzuarbeiten. In den kommenden Monaten freue ich mich sehr auf all die weiteren spannenden neuen Kollaborationen und die Reisen, die vor mir liegen.

Kürzlich hast du die Art Direction und Fotografie für die ESC-Reise von Nemo übernommen – ein grosses Projekt, das von Erfolg gekrönt war! Was hast du aus dieser Erfahrung mitgenommen, und welche Ratschläge würdest du einem angehenden Art Director mit auf den Weg geben?

Von der ESC-Reise mit Nemo habe ich gelernt, wie wichtig es ist, einen noch klareren und detaillierten Creative Brief zu erstellen. Je präziser der Brief, desto besser können sich alle Beteiligten orientieren und inspirieren lassen. Mein Ratschlag an angehende Art Directors: Nehmt euch die Zeit für ein gutes bis in jedes Detail geplantes Briefing, denn es ist die Grundlage für eine erfolgreiche und kreative Zusammenarbeit. Entwickelt eine starke kreative Stimme und seid bereit, Risiken einzugehen.

Du hast dir mittlerweile auch in den USA mit deiner kreativen Fotografie einen Namen gemacht und reist für Projekte oft zwischen NYC, LA und der Schweiz hin und her. Sind dir dabei nennenswerte kulturelle Unterschiede oder besondere Vorlieben aufgefallen?

In der Schweiz schätze ich besonders die Liebe zum Detail und die hohe Wertschätzung für Qualität und durchdachte Konzepte. Das inspiriert mich und verleiht meiner Arbeit Tiefe. Gleichzeitig bieten die USA, vor allem NYC und LA, eine sehr dynamische Kreativszene, die Raum für mutige, experimentelle Ideen lässt. Der Wechsel zwischen diesen beiden Welten hält meine Kreativität frisch und vielseitig.

Du hast bereits mehrere Kampagnen als Fotografin und Creative Director für namhafte Kunden wie Extreme Ice Cream, Burger King und Swisscom umgesetzt. Solche Shootings erfordern oft ein grosses Team. Du hast erwähnt, dass dir die Arbeit an grossen Produktionen gefällt. Was gefällt dir daran in einem grossen Team zu arbeiten? Wie unterscheidend sich deine Herangehensweise zu einem Solo-Projekt?

Die Arbeit in einem grossen Team hat ihren ganz eigenen Reiz. Mir gefällt besonders der Austausch von Ideen und die Vielfalt an Perspektiven, die alle einbringen. Es ist inspirierend, wie alle mit ihrer Expertise dazu beitragen, die Vision zum Leben zu erwecken. Bei grossen Produktionen liebe ich die Dynamik und das Gefühl, gemeinsam etwas Grosses zu schaffen. Im Gegensatz dazu erfordert ein Solo-Projekt mehr Autonomie und eine tiefere persönliche Verbindung zum Konzept und Produktion. Hier habe ich die Freiheit, alle kreativen Entscheidungen mit dem Gegenüber zu treffen, was auch sehr erfüllend sein kann. Beide Herangehensweisen haben ihren eigenen Reiz, und ich schätze die Abwechslung zwischen Teamarbeit und Solo-Projekten sehr.

Neben deinen zahlreichen kommerziellen Projekten, die oft unter strikten Zeitplänen und hohen Erwartungen stehen, bleibt dir noch Zeit für persönliche Fotografieprojekte? Gibt es Motive oder Themen, die du besonders gerne für dich selbst fotografierst? Wie wirken sich diese persönlichen Arbeiten auf deine berufliche Kreativität aus?

Ich nehme mir bewusst Zeit für persönliche Fotografieprojekte. Diese sind für mich eine Art kreatives Ventil, bei dem ich ohne Vorgabe experimentieren kann. Diese Arbeiten erlauben es mir, neue Techniken auszuprobieren und meine kreative Vision weiterzuentwickeln. Sie wirken sich positiv auf meine berufliche Kreativität aus, da sie mich inspirieren und frische Ideen für kommerzielle Projekte liefern.

Schweiz vs. USA - "Der Wechsel zwischen diesen beiden Welten hält meine Kreativität frisch und vielseitig."

Fünf Equipment & Gear Fragen 

Du nutzt häufig das Canon 15-35mm F2.8 Weitwinkelobjektiv und das Canon 8-15mm Fisheye. Was fasziniert dich an Weitwinkelaufnahmen, und wie hat deine Begeisterung für diesen Bildlook begonnen?

Was ich an Weitwinkelaufnahmen besonders liebe, ist die Möglichkeit, mehr von der Umgebung einzufangen und dadurch mehr Kontext und Informationen im Bild zu zeigen. Die leichte Verformung, die das Fisheye mit sich bringt, finde ich besonders spannend – sie verleiht den Aufnahmen eine gewisse Absurdität, die ich liebe. Diese Verzerrung eröffnet kreative Möglichkeiten, die mit herkömmlichen Perspektiven nicht erreichbar sind, und genau das macht für mich den Reiz dieses Bildlooks aus.

Du arbeitest hauptsächlich mit dem Canon RF 15-35mm F2.8 und RF 24-70mm F2.8. Was schätzt du daran, mit einem so kompakten Kit zu arbeiten? Kannst du damit alle deine Jobs abdecken?

Ich liebe diese beiden Objektive, weil sie unglaublich vielseitig sind und ich damit ganz unterschiedliche Aufnahmen machen kann. Es ist stoll, so kompaktes Equipment zu haben und nicht viele verschiedene Linsen mitschleppen zu müssen. Falls ich jemandem zwei Linsen empfehlen müsste, wären es auf jeden Fall diese beiden. Und wenn für ein bestimmtes Projekt mal etwas anderes benötigt wird, kann es natürlich immer dazu gemietet werden. 

Ordnung am Set und eine gründliche Vorbereitung sind für dich essenziell. Wie zeigt sich das in deinem Fotografenalltag? Hast du einen Top-Tipp für Fotografen, die mit Organisation kämpfen?

Ordnung und gründliche Vorbereitung sind für mich essenziell, um meine Kreativität voll ausleben zu können, ohne gestresst zu sein. Ich liebe es, wenn ich weiss, dass alles gut vorbereitet ist. Nach jedem Shoot setze ich mein Equipment sorgfältig zurück, damit es beim nächsten Mal wieder einsatzbereit ist. Ein wichtiger Tipp ist, meine Files organisiert zu halten: Ich speichere sie direkt beim Shooting auf meinem Laptop und auf einer externen Festplatte. Zuhause synce ich sie auf Dropbox und archiviere jeden Monat die Projekte zusätzlich auf zwei weiteren externen Festplatten, die an verschiedenen Orten aufbewahrt werden.  

Du hast einmal gesagt: „Wenn es bei mir brennen würde, würde ich meine erste Kamera, die Canon 70D, aus den Flammen retten!“ Seitdem hast du vor allem mit der 5D Mark IV gearbeitet und seit etwa drei Jahren mit der spiegellosen Canon EOS R5. Wie hat sich der Wechsel von einer Spiegelreflexkamera zur Spiegellosen angefühlt?

Der Wechsel von der Canon 70D zur 5D Mark IV und schliesslich zur spiegellosen R5 war eine spannende Entwicklung für mich. Die 70D war meine erste Kamera und hat eine besondere Bedeutung, da mit ihr alles begann. Deshalb bleibt sie immer in meiner Erinnerungskiste. Die 5D Mark IV eröffnete mir neue Möglichkeiten und verbesserte die Bildqualität erheblich. Mit der R5, die ich seit einigen Jahren benutze, habe ich erneut einen bedeutenden Fortschritt gemacht. Die spiegellose Technologie bietet viele Vorteile, wie zB. eine schnellere Autofokusleistung und eine kompaktere Bauweise, die meine Arbeit erleichtern.. 

Du bist ein sehr visueller Mensch und kannst dir viele deiner Projekte schon vor dem Shooting bis ins Detail vorstellen. Wie gehst du vor, um deine Projekte nach deinen Vorstellungen umzusetzen und wie wichtig ist es für dich, diese Vision im Endergebnis widergespiegelt zu sehen?  

Auch wenn ich immer eine klare Vorstellung von meinen Projekten habe, lasse ich gerne Raum für spontane Ideen. Ich starte mit einer allgemeinen Vision und lasse mich während des Shootings von der Situation und dem Team inspirieren. Mir ist es wichtig, dass das Endergebnis sowohl meine ursprüngliche Idee als auch die kreativen Momente während des Prozesses widerspiegelt.

"Die leichte Verformung, die das Fisheye mit sich bringt, finde ich besonders spannend – sie verleiht den Aufnahmen eine gewisse Absurdität, die ich liebe."

FAST FIRE QUESTIONS

Du kannst eine Kamera und eine Linse mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche sind es?

Ich würde die Fuji GA645 mitnehmen – die ist kompakt und perfekt, um die Inselabenteuer im analogen Stil festzuhalten. Ausserdem freue ich mich auf die Überraschungen beim Entwickeln!

Welchen Schweizer Fotografen sollten unsere Leser kennen?

@Lisasvisuals ist eine Hochzeitsfotografin und hat unsere Hochzeit wunderschön festgehalten.

Was war deine erste Kamera?

Meine erste „richtige“ Kamera, abgesehen von den kleinen Digitalkameras, die ich als Kind benutzt habe, war die Canon 70D.

Welches ist dein Meist verwendetest Zubehör?

Profoto A10 Blitz

Schlägt dein Fotografenherz fürs Team Analogfilm oder Digital?

Ich liebe beides, arbeite aber hauptsächlich mit Digitalfotografie.

BONUSFRAGEN

Welches ist dein Lieblingsbild der letzten 12 Monate? Weshalb? 

Eines meiner Lieblingsbilder der letzten zwölf Monate stammt aus einem Projekt für Wrigley’s Extra mit Stefanie Giesinger. Ich liebe das Set-Design und das Licht des nachgestellten Fensters, welches mich sofort in die Welt eintauchen lässt.

Was hat dich dazu bewegt mit der Fotografie anzufangen und was motiviert dich heute noch raus zu gehen und Fotos zu schiessen? (Frage gestellt von unserem letzten Interviewpartner Cemil Erkoc ☺)

Schon als Kind hatte ich ein ausgeprägtes visuelles Empfinden und wollte meine Gedanken und Visionen mit anderen teilen. Fotografie hat mich schon immer fasziniert, und ich schätze es sehr, durch sie ständig neue Menschen kennenzulernen und in verschiedene Welten einzutauchen. Ich liebe es, die Dinge um mich herum so festzuhalten, wie ich sie sehe. Es ist unglaublich, dass wir alle die Welt unterschiedlich wahrnehmen und diese Vielfalt durch Fotografie einfangen können.

Welche Frage möchtest du unserem nächsten Interview Partner stellen? 

Wann war das letzte Mal, dass du so richtig aufgeregt warst für ein Projekt und dabei aus deiner Komfortzone herausgehen musstest?