

Herzlich willkommen zu unserer dritten Ausgabe der "Zumi Pro Talk" Interview-Serie. Mit diesem Format möchten wir Schweizer Fotograf:innen eine Plattform bieten und euch einen spannenden Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Als heutigen Gast durften wir den talentierten Zürcher Drohnen-Pilot und Fotografen Cemil Erkoc interviewen. Cemil hat sich mit seinen spektakulären Drohnenaufnahmen auch über die schweizer Grenzen hinaus einen Namen gemacht. Er arbeitet oft mit Tourismusorganisationen zusammen und weiss, wie man die schönsten Orte der Schweiz in Szene setzt. Er hat vor kurzem die neue DJI Avata 2 getestet und berichtet uns in diesem Interview von seinen Erfahrungen.
In diesem Format stellen wir den Fotograf:innen jeweils achtzehn Fragen.
- Fünf persönliche Fragen zum/zur Fotograf:in
- Fünf neugierige Fragen zur Technik und ihrem Equipment
- Fünf "schnelle" Fragen, die mit einem Satz beantwortet werden können
- Drei Bonusfragen zum Abschluss
Die Interviews werden jeweils bei uns im Store von Fotograf Denny Waves durchgeführt.
Kurzprofil Cemil Erkoc
Kamerasystem(e): Canon RF, DJI
Hauptkamera(s): Canon EOS R6 | / DJI Mavic 3 Pro / DJI Avata 2
Lieblingslinse: RF 24-70mm F2.8
Standort: Zürich
Fotograf seit: 2014
Eindrückliche Aufnahmen die Cemil mit der neuen DJI Avata 2 in den vergangenen Wochen aufgenommen hat.
Fünf persönliche Fragen an Cemil
Cemil, vor etwa acht Jahren hast du den Bankensektor verlassen, um dich der Fotografie zu widmen. Welche Herausforderungen waren beim Wechsel von der Finanzwelt in die Welt der Fotografie die grössten?
Die grössten Herausforderungen waren sicherlich, Aufträge und neue Kunden zu gewinnen. Nach meiner Kündigung konnte ich mehr Zeit in meine persönliche Fotografie investieren und war viel aktiver auf Instagram. Ich habe mich vor allem auf das fotografieren von unserer schönen Stadt Zürich und der Umgebung konzentriert. Dabei habe ich auch früh mit Drohnenaufnahmen gearbeitet. Dies half mir sehr potentielle Kunden auf mich aufmerksam zu machen und bereits die ersten Aufträge zu gewinnen.
Eine weitere Challenge waren anfänglich die unregelmässigen Arbeitszeiten. Aufträge wie zum Beispiel Events müssen schnell abgeliefert werden und so arbeitet man schnell auch mal das Wochenende und Festtage durch.
Mir fällt es auch heute noch schwer Zeit für persönliche Foto-Projekte einzuplanen. Es ist immer ein abwägen zwischen pendenten Aufträgen und freien Arbeiten.
Du bist seit mehreren Jahren in Zürich für deine Drohnenaufnahmen bekannt und hast bereits beeindruckende Projekte für den Tourismussektor umgesetzt. Erinnerst du dich noch an deine erste erfolgreiche Drohnenaufnahme? Kannst du uns die Geschichte dahinter erzählen?
Es war ein Drohnenfoto an der Bertastrasse in Zürich, das ich im Frühling 2019 aufgenommen habe. Dieses erregte auf meinen Social Media Kanälen viel Aufmerksamkeit und brachte mir einige Follower ein. Das Foto wurde so ziemlich von allen schweizer Tourismus-Kanälen aufgegriffen und erreichte auf meinem Account mehr als 12'000 Likes.
Es war im Frühling, als alle Kirschbäume in voller Blüte standen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich auf dem Weg zu einem Auftrag war und eigentlich gar keine Zeit hatte. Aber ich bin dann trotzdem aus dem Tram gestiegen, habe kurz ein paar Fotos gemacht und bin dann gleich wieder ins nächste Tram gestiegen. Zum Glück habe ich diese paar Fotos gemacht, denn wie sich herausgestellt hat, war es das letzte Jahr, in dem alle Bäume so schön geblüht haben.


Links: das Drohnenfoto der Bertastrasse, das 2019 für viel Aufmerksamkeit sorgte. Rechts: Die Villa Patumbah in Zürich während der Kirschblütenzeit.
Das Fliegen einer Drohne ist oft mit grosser Anspannung verbunden. Du fliegst ja gerne mal bis zum letzten Prozent des Akkus. Gibt es einen Flug, der selbst dein erfahrenes Pilotenherz schneller schlagen liess?
Mein Puls hat beim Fliegen tatsächlich schon einige Male höher geschlagen. Aber dieser eine Moment, als ich vor ein paar Jahren in Brasilien über eine Favela geflogen bin und dann plötzlich die Verbindung weg war, habe ich bis heute nicht vergessen. Normalerweise ist die Verbindung nach ein paar Sekunden wieder hergestellt, aber in diesem Fall hatte ich fast 60 Sekunden keine Verbindung mehr und dachte schon, dass die Drohne weg ist. Aber zum Glück ist alles noch gut ausgegangen.
Links: Drohnenflug mit der Mavic 2 Pro über den Dächern einese Favela in Rio de Janeiro. / Rechts: Drohnen aufnahmen mit der DJI Avata 2 in Como (Italien).
Gibt es ein bevorstehendes und kürzlich durchgeführtes Drohnenprojekt, auf das du dich besonders freust? Wie gehst du die Vorbereitungen dafür an?
Ich durfte vor zwei Wochen für ein Bauunternehmen eine Baustelle am Flughafen Zürich dokumentieren. Auf dieses Projekt habe ich mich besonders gefreut, da man sonst am Flughafen nie mit der Drohne fliegen darf, da es eine absolute Flugverbotszone ist. Bevor ich fliegen durfte, musste ich natürlich alle nötigen Bewilligungen einholen. Auch bei anderen Projekten schaue ich als erstes auf der Drohnenkarte vom BAZL, ob es überhaupt erlaubt ist zu fliegen an diesem Ort oder ob gegebenenfalls eine Verbots- oder Kontrollzone besteht.
Mit fortschreitender Technologie wird das Drohnenfliegen auch für Amateure und Firmenangestellte immer zugänglicher. Wie stellst du sicher, dass du auch zukünftig erfolgreich deine Dienste anbieten kannst? Welche Fähigkeiten siehst du als zunehmend wichtig an?
Das Fliegen ist das eine und wird tatsächlich immer einfacher. Die Drohnen verfügen über immer mehr Sensoren, die Hindernisse erkennen und automatisch ausweichen oder stoppen.
Automatische Flugmanöver und Hyperlapse-Einstellungen ermöglichen es auf Knopfdruck komplexe Flüge durchzuführen, für die man früher viel Erfahrung und ruhige Hände brauchte.
Um aus der Masse rauszustechen, ist vor allem die Nachbearbeitung mit einem interessanten Schnitt und ansprechenden Color Grading relevant. Ich bemühe mich meine Fähigkeiten in diesem Bereich stets auf dem Laufenden zu halten. Dazu schaue ich gerne Youtube-Tutorials oder tausche mich mit anderen Videografen aus.
"Dieser eine Moment, als ich vor ein paar Jahren in Brasilien über eine Favela geflogen bin und dann plötzlich die Verbindung weg war, habe ich bis heute nicht vergessen."


Eine Auswahl an Bildern aufgenommen in Zürich.
Fünf Equipment & Gear Fragen (Fokus auf DJI Avata 2)
Du hast die neue DJI Avata 2 auf deinem Trip in Italien und der Schweiz getestet. Was waren deine ersten Eindrücke und wie hat sich deine Meinung nach einigen Wochen intensiver Nutzung verändert?
Als erstes ist mir die bessere Videoqualität aufgefallen. Die Drohne hat einen neuen und größeren 1/1,3-Zoll-Sensor bekommen. Zudem hält der Akku nun bis zu 18 Minuten, was gut 6 Minuten länger ist als beim Vorgänger. Die neue DJI Goggles 3 finde ich sehr bequem und sie passen für mich optimal. Die Höchstgeschwindigkeit in den EU-Regionen inklusive der Schweiz ist auf 19 m/s (68,4 km/h) gedrosselt, um den Vorgaben der C1-Klasse zu entsprechen. Ansonsten könnte die Avata 2 bis zu 100 km/h schnell fliegen.
Über die Jahre hast du eine Vielzahl an Drohnen getestet, von der Mavic Pro bis zu den Modellen der Air- und Mini-Serie, und auch die erste Avata-Version. Inwiefern unterscheidet sich die neue Avata 2 von ihrem Vorgänger und welche Funktion hat dich besonders beeindruckt?
Im Gegensatz zu allen anderen DJI Drohnen sind die Avata 1 und 2 sogenannte FPV-Drohnen, mit welchen man viel dynamischere Flugmanöver fliegen kann. Die Propeller machen bei der neuen Avata 2 viel weniger Lärm. Man hat nun sogar 46 GB internen Speicherplatz. Falls die Speicherkarten also mal zu Hause vergessen wurden, gar kein Problem.
Zudem hat die Avata 2 einen easy ACRO Modus. In diesem Modus gelingen einem ganz einfach coole Flugmanöver wie z. B. Rollen, Überschläge und 180°-Drifts. Solche actionreichen Manöver waren früher nur den FPV-Profis vorbehalten. Neu kann man sogar in 4K mit bis zu 100 fps anstatt 60 fps filmen und bekommt somit sehr coole Slowmotion Shots zustande.
Wichtig zu erwähnen ist noch, dass man im Gegensatz zu den anderen DJI Drohnen immer einen Spotter dabei haben muss. Das heisst, es muss zwingend eine zweite Person dabei sein, welche die Drohne stets im Blick behält und den Piloten jederzeit vor potenziellen Gefahren warnen kann.


Cemil beim fliegen der DJI Avata 2 auf dem Brienzer Rothorn.
Wie anspruchsvoll ist es deiner Meinung nach, die DJI Avata 2 als kompletter Neuling zu steuern? Welchen Rat würdest du jemandem mit auf den ersten Flug geben?
Mit dem mitgelieferten Motion Controller ist es auch für Anfänger sehr einfach, die Avata 2 zu fliegen. Für den ersten Flug würde ich auf jeden Fall empfehlen, die Drohne auf einem offenen Feld ohne Hindernisse zu fliegen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der Controller auf Bewegungen reagiert. Wer das volle Potenzial der Drohne ausschöpfen will und diese im „Manual“-Modus fliegen möchte, muss zusätzlich den FPV Remote Controller kaufen. Bevor man die Drohne dann das erste Mal im Manual-Modus fliegt, sollte man unbedingt einige Stunden in einem Flugsimulator üben, ansonsten wird man die Drohne in den ersten paar Minuten auf jeden Fall crashen. Empfehlenswerte Flugsimulatoren sind z.B. Liftoff und Velocidrone.
Du hast die DJI Avata 2 auch in kommerziellen Projekten eingesetzt und legst großen Wert auf eine hohe Bildqualität. Wie zufrieden bist du mit den Videodaten und was ist dir bei der Nachbearbeitung besonders aufgefallen?
Wie bereits erwähnt, ist die Videoqualität zum Vorgänger deutlich besser geworden und vergleichbar mit der Qualität der Mini 3 Pro. Wer keine Zeit oder Lust hat, die Videos noch großartig zu bearbeiten, kann wie gewohnt im Standard-Farbprofil aufnehmen. Für die Leute, die gerne in der Nachbearbeitung die Videos noch selber editieren und colorgraden möchten, empfehle ich, im D-Log M Profil in 10-Bit Farbtiefe zu filmen, was die Farbkorrektur und die Flexibilität bei der Nachbearbeitung erheblich verbessert.
Mit jedem Jahr werden Drohnen leichter und leistungsfähiger. Früher lösten FPV-Drohnen Begeisterung mit ihren dynamischen Videos aus, heute können sie auch von Anfängern leicht gesteuert werden. Welche Innovation im Drohnenbereich denkst du, steht kurz bevor und wird uns in der Zukunft faszinieren?
Selbstfliegende Drohnen gibt es ja bereits schon. Ich hoffe, wir sehen in Zukunft noch bessere Kameras in Drohnen unter 250 Gramm. Vor allem das zukünftig Drohne mit Zoom-Möglichkeit noch bessere Bildqualität liefern können.
Ich finde es bereits sehr beeindruckend wie man die DJI Avata 2 über einen Motion-Controller ganz intuitiv über Handbewegungen steuern kann. Zukünftig wird man wahrscheinlich nicht mal mehr einen Kontroller benötigen. Die Technologie zur Steuerung via Gestik existiert bereits und wird bereits in VR-Brillen verwendet.
Wasserdichte Drohnen die sowohl in der Luft fliegen als auch unter Wasser tauchen können. Es gibt auf Instagram bereits Videos von Piloten, die ihre selbsgebauten FPV-Drohnen genau so verwenden. Sie werfen sie in einen Pool und starten die Drohne von unterwasser in die Luft!
"Acro Modus - In diesem Modus gelingen einem ganz einfach coole Flugmanöver wie z. B. Rollen, Überschläge und 180°-Drifts. Solche actionreichen Manöver waren früher nur den FPV-Profis vorbehalten."
Links: DJI Avata 2 Slowmotion-Aufnahmen beim Rheinfall in Neuhausen / rechts: Avata 2 vorher und nachher Aufnahmen mit Color Grading.
Fünf schnelle Fragen
Du kannst eine Kamera und eine Linse mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche sind es?
Die Canon EOS R6 MII und das RF 24-70 mm F2.8, aber noch lieber würde ich natürlich eine Drohne mitnehmen und zwar die DJI Mavic 3 oder die neue DJI Avata 2.
Welchen Schweizer Fotografen sollten unsere Leser kennen?
Den Landscape Fotograf Fabio Zingg
Was war deine erste Kamera?
Meine erste Spiegelreflexkamera war eine Canon EOS 6D
Welches ist dein Meist verwendetest Zubehör?
Gimbal und Mist-Filter
Schlägt dein Fotografenherz fürs Team Analogfilm oder Digital?
Digital, aber eher weil ich es beruflich mache und zB. bei einem Event schnell mal mehrere hundert Fotos schiesse. Aber der Look und die Ästhetik von Film gefällt mir persönlich schon einiges besser.
Die drei Bonusfragen
Welches ist dein Lieblingsbild der letzten 12 Monate? Weshalb?
Ein Bild, das mir sehr gut gefällt, habe ich am Zürichsee beim Gelati am See geschossen. Mir gefällt die warme Lichtstimmung und der sommerliche Vibe. Und die Golden Hour ist sowieso meine liebste Zeit um zu fotografieren und filmen.


Cemils Lieblingsbild der letzten 12 Monate - Sonnenuntergangsstimmung am Zürichseeufer.
Was braucht es in der Schweiz, damit Fotograf:innen besser miteinander verknüpft sind und sich austauschen können? (Frage gestellt von Andrin Fretz)
Mehr Offenheit ist gefragt! Das bedeutet weniger Konkurrenzdenken und mehr Vertrauen in die Berufskollegen. Es gibt bereits zahlreiche Möglichkeiten für Austausch und Meetups, und dank Social Media ist es einfach, sich zu vernetzen. Damit der Austausch jedoch nicht oberflächlich bleibt und man wirklich voneinander lernen kann, muss eine Vertrauensbasis aufgebaut werden. Das ist nicht ganz einfach, da die Zahl der Berufsfotografen in den letzten Jahren gestiegen ist und der Konkurrenzdruck zunimmt. Meine Lösung: Zeit investieren und Freundschaften aufbauen.
Welche Frage möchtest du unserem nächsten Interview Partner stellen?
Was hat dich dazu bewegt mit der Fotografie anzufangen und was motiviert dich heute noch raus zu gehen und Fotos zu schiessen?
Über Cemil
Mein Name ist Cemil Erkoc und ich bin Fotograf, Videograf und Drohnenpilot. Als vielseitiger Allrounder im Bereich Content Creation begeistere ich mich für eine Vielzahl von Motiven und setze diese mit Kreativität und technischem Know-how in Szene. Meine Leidenschaft zur Fotografie hat mich vor 10 Jahren gepackt und seither nicht mehr losgelassen.
Ein grosser Teil meiner Arbeit konzentriert sich auf den Tourismussektor, wobei Zürich im Mittelpunkt steht. Ich habe eine besondere Affinität für diese Stadt und ihre zahlreichen Facetten, die ich durch meine Linse einfangen und hervorheben möchte.
Ich kann mich für eine vielzahl an Motive begeistern. Ob atemberaubende Landschaftsaufnahmen, dynamische Stadtbilder oder faszinierende Porträts – ich strebe stets danach, die perfekte Aufnahme zu erzielen und meine Kunden mit hochwertigen und kreativen Inhalten zu begeistern.








