Herzlich willkommen zu unserer ersten Ausgabe der "Zumi Pro Talk" Interview-Serie. Mit diesem Format möchten wir Schweizer Fotograf:innen eine Plattform bieten und euch einen spannenden Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Als ersten Gast durften wir den erfolgreichen Nachwuchsfotografen Levi Fitze interviewen. Er hat erst vor kurzem den Award für "Schweizer Naturfotograf des Jahres 2024" gewonnen und arbeitet mit gerade mal zwanzig Jahren bereits an seinem ersten Kinodokumentarfilm.

In diesem Format stellen wir den Fotograf:innen jeweils siebzehn Fragen.

  • Fünf persönliche Fragen zum/zur Fotograf:in
  • Fünf neugierige Fragen zur Technik und ihrem Equipment
  • Fünf "schnelle" Fragen, die mit einem Satz beantwortet werden können
  • Zwei Bonusfragen zum Abschluss

Die Interviews werden jeweils bei uns im Store von Fotograf Denny Waves durchgeführt. 

Fünf persönliche Fragen an Levi

Du hast mit 20 Jahren schon sehr vieles als Fotograf erreicht. Du wurdest zum besten Nachwuchsfotografen gekürt, konntest ein Interview im SRF geben und bist auch auf Social Media ässerst erfolgreich unterwegs. Welches sind deine 3 grössten Meilensteine bis heute und was möchtest du als nächstes erreichen?

Für mich persönlich gab es im vergangenen Sommer 2023 gleich zwei grosse Meilensteine: Einerseits habe ich meine Ausbildung zum Fotofachmann EFZ abgeschlossen, und andererseits durfte ich mich danach meinem lang ersehnten Traum widmen, als selbständiger Fotograf und Filmemacher unterwegs zu sein. Als dritten Meilenstein würde ich es sehen, dass ich in den letzten Jahren einige der schönsten Ecken unseres Planeten gesehen habe – Orte, von denen mein jüngeres Ich nur träumen konnte. Ich bin unglaublich dankbar für all diese Möglichkeiten und Erfahrungen. Nun liegt mein Fokus auf unserem nächsten Ziel: dem Kinodokumentarfilm. Ich versuche, den ganzen Prozess zu geniessen und so viel wie möglich zu lernen, und hoffe gleichzeitig, dass der Film so gut wie möglich wird.

Du hast deine Lehre im Fotohandel absolviert und bist somit schon früh in die Welt der Fotografie eingetreten. Gab es einen Moment in deinem Leben in dem du wusstest, dass die Fotografie für dich mehr als nur ein Hobby ist?

Ich denke, es war eher ein schleichender Prozess. Die Naturfotografie fasziniert mich bereits, seitdem ich mich erinnern kann. Die ersten Schritte habe ich mit einer Coolpix-Kamera im Alter von zehn Jahren unternommen. Ab da wurde die Fotografie allmählich wichtiger, und als ich mich für einen nächsten Lebensabschnitt entscheiden musste, war die Ausbildung zum Fotofachmann naheliegend. Zwar war diese völlig losgelöst von der Naturfotografie, jedoch konnte ich einiges über die Fotografie im Allgemeinen dazulernen.

Du arbeitest gerade an deinem ersten eigenen Dokumentarfilm “Die Wilden Hühner”. Um was geht es, warum liegt dir dieses Thema am Herzen und weshalb sollte man deinen Film unbedingt im Kino anschauen?

Der Film wird in den Schweizer Alpen spielen, und die Familie der Raufusshühner sind die Hauptprotagonisten. Gleichzeitig werde ich als Naturfotograf begleitet, und wir machen uns auf die Suche nach den «Wilden Hühnern» und versuchen, Lösungen für einen unter Druck stehenden Lebensraum aufzuzeigen.

Der Film wird neben wunderschönen Tieraufnahmen auch aktuelle Themen behandeln und gibt einen umfangreichen Einblick in die Naturfotografie. Falls dich die Produktion des Films interessiert, findest du mehr auf meiner Website oder auf Social Media bei @wildenhuehner.film, wo du uns bei der Entstehung begleiten kannst.

Du konntest bereits in mehreren Ländern deine Naturfotografie ausleben. Gibt es ein Land oder Gebiet ausserhalb der Schweiz, dass dich besonders inspiriert hat? Weshalb?

Es fällt mir schwer einen Ort herauszupicken. Für mich haben neue Orte immer einen Reiz und ich liebe es, neben der Fotografie in den heimischen Gefilden auch neue Orte zu entdecken. Zwei Reisen bleiben mir wohl noch lange in bester Erinnerung. Einerseits durfte ich im Oktober 2022 für drei Wochen einen amerikanischen Fotografen nach Patagonien und auf die Falklandinseln begleiten. So konnten wir Pumas in Patagonien und verschiedene Pinguinarten auf den Falklandinseln beobachten. Das zweite war eine Abenteuerreise mit einem Schweizer Freund, bei der wir drei Wochen durch Südafrika und Botswana gefahren sind und intensive Begegnungen mit Afrikas Wildtieren erleben durften.

Die Fotografie hat sich in den letzten Jahren mit AI und neuen Technologien stark verändert. Spürst du auch in der Naturfotografie einen Wandel? Was machst du, um einen Schritt voraus zu sein?

Die Naturfotografie an sich bleibt in den Grundsätzen gleich. Jedoch spüre ich durchaus einen Wandel in meinem Umfeld und auch bei mir. Während mich das ganze AI-Thema eher weniger betrifft, gibt es trotzdem gewisse Veränderungen. So wird die Naturfotografie kreativer, und man sollte immer auf der Suche nach neuen Blickwinkeln sein, die man nicht gewohnt ist. Für mich persönlich ist es vor allem die Sinnfrage, die sich etwas gewandelt hat. Ich möchte die Naturfotografie auch als Plattform nutzen, um für Themen zu sensibilisieren. Ich versuche, einen Teil meiner Begeisterung für die Tierwelt weiterzugeben und so hoffentlich andere Menschen für die Einzigartigkeit und Sensibilität unserer Natur aufmerksam zu machen.

"Für mich persönlich ist es vor allem die Sinnfrage, die sich etwas gewandelt hat. Ich möchte die Naturfotografie auch als Plattform nutzen, um für Themen zu sensibilisieren."

Links: Wasseramseln aufgenommen mit der Sony Alpha 7 IV + FE 200-600mm F5.6-6.3 G / Rechts: "Kings under the moon" aufgenommen mit der Sony A1 + FE 400mm F2.8 GM

Fünf Equipment & Gear Fragen

Du arbeitest in deinen Projekten viel mit Tele-Objektiven und hast seit kurzem das beeindruckende Sony 400mm 2.8 im Einsatz. Welchen Tipp kannst du einem angehenden Tele-Fotografen mit auf den Weg geben?

Gerade wenn es um die Tierfotografie geht, würde ich mit auf den Weg geben, dass man sich mit dem Motiv auseinandersetzt. Oft ist das Wissen über die Wildtiere wichtiger als das Equipment. Speziell auf das Teleobjektiv bezogen, lohnt es sich, neue Dinge auszuprobieren. Zum Beispiel kann man hervorragend Motive freistellen, indem man Vordergründe und Hintergründe ins Bild bringt. Mit einem Teleobjektiv durch einen Busch oder Baum zu fotografieren, kann spannende Effekte erzeugen. Ganz allgemein in der Fotografie geht es darum, Dinge auszuprobieren und interessante Winkel zu finden.

Du fotografierst seit mehreren Jahren mit Sony Kameras und bist sogar ein Mitglied der “Sony Europe Imaging Creator”. Was schätzt du an Sony und mit welcher Kamera fotografierst du aktuell?

Sony treibt die Technologien der Kameras ständig voran und bringt neue und innovative Ideen auf den Markt. Ich finde es schön, dass sie als eine der Top-Kameramarken so die Möglichkeiten für uns Fotografen vorantreiben. Ich fotografiere seit bald fünf Jahren mit Sony und habe dadurch eine gewisse Beziehung zu dieser Marke aufgebaut. Aktuell fotografiere ich grösstenteils mit der Sony Alpha 1 und der Sony a7IV und filme mit der Sony FX3.

Du bist viel in harschen Bedingungen wie Schnee und Kälte unterwegs und dein Equipment muss einiges aushalten. Wie stellst du sicher, dass auf deinen Projekten alles nach Plan verläuft?

Ich habe natürlich einiges an Outdoor-Ausrüstung. Die richtige Kleidung ist sicherlich die Grundlage. Durch unzählige Trips in den Schweizer Alpen habe ich mittlerweile eine gewisse Erfahrung, die mir hilft, Situationen einzuschätzen und richtig zu reagieren. Manchmal muss man dabei auch einmal eine Tour absagen und das Glück in schwierigen Bedingungen nicht allzu sehr auf die Probe stellen.

Als Naturfotograf möchtest du die Tiere möglichst ungestört fotografieren. Verwendest du hierzu spezielle Techniken oder Hilfsmittel?

Auch hierfür sind Erfahrung und Wissen über Wildtiere entscheidende Faktoren. Damit lassen sich Anzeichen von Störungen früher erkennen und eher vermeiden. Möglichst wenig Störung zu verursachen, steht bei meiner Arbeit an erster Stelle.

Nehmen wir an, deine Kamera könnte sprechen. Was würde sie über dich sagen?

Sehr schöne Frage, und das habe ich mich auch schon öfter gefragt. Man baut durchaus eine Art Beziehung zu einer Kamera oder einem Objektiv auf, wenn es das Hauptwerkzeug ist und einen in den schönsten Momenten über mehrere Jahre begleitet. Ich hoffe, die Kamera würde positiv über mich sprechen. Zwar muss sie regelmässig schwierige Bedingungen in Schnee-, Sand- oder Regenstürmen (oder zwischen den Zähnen eines Löwen) aushalten. Doch gleichzeitig kam beispielsweise meine Sony a7rIV (meine erste Sony-Kamera) an einige der schönsten Orte und konnte einmalige Erlebnisse mit Wildtieren festhalten. Ich hoffe sehr, dass dies die Kameras auch etwas zu schätzen wissen.

"Möglichst wenig Störung zu verursachen, steht bei meiner Arbeit an erster Stelle."

Das Siegerbild des Naturfotografen Wettbewerb 2024 - Aufgnommen in Kenia währen der grossen Migration mit der Sony Alpha 1 + FE 400mm F2.8 GM

Fünf schnelle Fragen

Du kannst eine Kamera und eine Linse mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche sind es?

Schwierige Frage! Bei der Kamera fällt es mir leichter, aber bei den Objektiven ist es wirklich schwierig. Ich würde eine Sony Alpha 1 mit einem 200-600mm Objektiv mitnehmen. Es würde mir aber bestimmt ein weitwinkligeres Objektiv fehlen, da ich grundsätzlich einen weitwinkligen Bildstil sehr mag.

Welchen Schweizer Fotografen sollten unsere Leserinnen und Leser kennen?

Es gibt viele gute Fotograf:innen in der Schweiz. Ich bewundere zum Beispiel Dominik Nahr. Er betreibt mit der Kriegsfotografie einen anderen Bereich. Ich finde seine Bilder sehr ausdrucksstark. 

Was war deine erste Kamera?

Eine Nikon Coolpix im Alter von zehn Jahren

Welches ist dein meist verwendetes Zubehör?

Wahrscheinlich mein Swarovski NL Pure 8x42

Schlägt dein Fotografenherz fürs Team Analogfilm oder Digital?

Für meine Art der Fotografie würde ich nicht auf die digitale Fotografie verzichten wollen. Jedoch finde ich, dass auch die analoge Fotografie ihren Charme hat, und ich habe vor kurzem meine erste analoge Rollei erhalten. Mal schauen, wie sich das weiterentwickelt ;)

Alle Bilder wurden mit der Sony Alpha 7R IV aufgenommen.

Zwei Bonusfragen

Welches ist dein Lieblingsbild der letzten 12 Monate? Weshalb?

Das wechselt relativ regelmässig. Gerade gefällt mir ein Alpenschneehuhnbild aus dem vergangenen Winter sehr gut. Es war damals ein vereister Tag und durch den starken Wind entstand eine wunderschöne Struktur im Schnee. Als das Alpenschneehuhn genau an der richtigen Stelle durchlief, hat alles perfekt gepasst.

Alpenschneehuhn aufgenommen mit der Sony Alpha 7 IV + FE 200-600mm F5.6-6.3 G

Die Weiterleitungsfrage: Welche Frage möchtest du unserem nächsten Interview Partner stellen?

Was macht für dich den Reiz der Fotografie aus? 

Diese Frage wird unserem Nächsten Interviewpartner Andrin Fretz gestellt. Das Interview folgt in den nächsten Tagen.

 

Fragen oder Anregungen?

Wünscht ihr euch ein Interview mit eine:r bestimmten Fotograf:in oder habt ihr weitere Fragen an Levi? Wir freuen uns auf eure Kommentare hier im Blogbeitrag.  


Erwähnte Produkte im Artikel

 


Über Levi Fitze

Mein Name ist Levi Fitze. Ich bin begeisterter Naturfotograf, Ornithologe und Filmemacher aus der Ostschweiz. Durch Alpsommer im Bündnerland und die wunderschöne Natur vor meiner Haustüre im Appenzellerland, habe ich mein Interesse für die Wildnis bereits früh entdeckt. Besonders die einheimische Vogelwelt hat es mir angetan. So bin ich im Alter von zehn Jahren der Jugendgruppe Natrix beigetreten, welche in der ganzen Schweiz ornithologische Exkursionen durchführt.

Schnell hat sich ein zweites Interesse dazugesellt – die Fotografie. Ich bewunderte Naturfotografen und konnte mir stundenlang Naturdokus aus aller Welt anschauen. So kam es auch, dass ich mir mit zwölf Jahren mit meinem Angesparten eine Spiegelreflexkamera kaufen konnte. Diese begleitete mich von da an auf meinen Streifzügen. Die Kombination aus dem Beobachten von wilden Tieren und dem Festhalten dieser Momente bildete eine Leidenschaft, die bis heute mein Leben bestimmt.

Im vergangenen Sommer durfte ich meine Ausbildung zum Fotofachmann EFZ abschliessen und bin seither als selbständiger Naturfotograf und Filmemacher unterwegs. Aktuell darf ich an einem Filmprojekt für die Schweizer Kinos arbeiten. Nebenbei arbeite ich an verschiedenen Fotoprojekten, halte Vorträge, mache Ausstellungen und unzählige weitere Dinge die mit der Naturfotografie zu tun haben – wie das so ist, wenn man selbständig ist xD

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