
Herzlich willkommen zu unserer fünften Ausgabe der "Zumi Pro Talk" Interview-Serie. Mit diesem Format möchten wir Schweizer Fotograf:innen eine Plattform bieten und euch einen spannenden Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Als heutigen Gast durften wir die aufstrebende Fotografin Muriel Florence Rieben bergrüssen. Muriel hat sich mit ihrem einzigartigen Stiel zuerst in der Tanzszene einen Namen gemacht und ist nun auch unterwegs die Fashion-Welt zu erkunden. Sie hat unter anderem für Red Bull Projekte umgesetzt und durfte als eine der ersten Fotograf:innen der Schweiz, die neue Canon EOS R5 II noch vor dem Release testen.
In diesem Format stellen wir den Fotograf:innen jeweils achtzehn Fragen.
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Fünf persönliche Fragen zum/zur Fotograf:in
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Fünf neugierige Fragen zur Technik und ihrem Equipment
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Fünf "schnelle" Fragen, die mit einem Satz beantwortet werden können
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Drei Bonusfragen zum Abschluss
Die Interviews werden jeweils bei uns im Store von Fotograf Denny Waves durchgeführt.
Fünf persönliche Fragen an Muriel
Dein fotografischer Stil zeichnet sich durch einen futuristischen Look und starke Farbverschiebungen aus, oft in kühlem Blau oder emotionalem, feurigem Rot. Wie hat sich dieser Stil entwickelt, und was möchtest du damit ausdrücken?
Mein fotografischer Stil hat sich ganz natürlich entwickelt, geprägt durch mein tiefes Interesse an Kunst und meinen persönlichen Werdegang. Die Art und Weise, wie ich die Dinge sehe und fühle, fliesst direkt in meine Arbeit ein. Ich glaube, dass unser Umfeld und unsere Interessen unser Wahrnehmungsfilter sind. Mit meinen Bildern möchte ich Emotionen hervorrufen und einen Moment der Stille kreieren, der zum Nachdenken anregt. Die starken Farbverschiebungen entstehen intuitiv und verleihen meinen Bildern eine Ausdruckskraft, die für mich unterschiedliche Stimmungen und Empfindungen lebendig werden lässt.
Du liebst es, einen Lifestyle oder eine Community aus neuen Perspektiven zu dokumentieren und zu fotografieren. Vor kurzem hast du zum Beispiel die Tour de France fotografiert und es geschafft, unkonventionelle Aufnahmen zu machen. Was treibt dich an, und wie findest du immer wieder neue Blickwinkel?
Was mich antreibt, ist die Freude daran, die Dinge auf meine eigene Art und Weise zu entdecken—ohne vorher Content zu konsumieren oder mich von anderen beeinflussen zu lassen. Indem ich unbefangen und neugierig am Geschehen teilnehme, gebe ich meiner Kreativität den Raum, zu experimentieren und unkonventionelle Perspektiven zu finden. Es fühlt sich an, als würde ich die Welt mit den Augen eines Kindes erkunden, ganz ohne Regeln und Vorurteile.
Im September geht es für dich erneut zur Fashion Week nach Paris, und in London warten einige Projekte auf dich. Welches Ziel verfolgst du aktuell, und wie gehst du es an?
Aktuell verfolge ich unter anderem das Ziel, in der Fashion Welt Fuss zu fassen, da mich die Branche sowohl interessiert als auch ästhetisch anspricht. Ich investiere in Kurztrips, um mit Künstlern zu connecten und meinen Horizont zu erweitern. Mein Ziel ist es, mit meinem eher unkonventionellen Stil grössere Aufträge für Kampagnen im Bereich Sport, Lifestyle und Fashion zu erhalten.
In einem deiner Instagram-Posts schreibst du: „Seeing things as I feel, not as they are.“ Kannst du uns mehr darüber erzählen? Wie schaffst du es, die Lücke zwischen dem, was vor deiner Kamera ist, und dem, was du fühlst, zu schliessen?
Schwierige Frage ;). Fotografieren ist für mich tatsächlich eine Art zu kommunizieren und all die Eindrücke des Lebens zu verarbeiten. Während des Fotografierens bin ich in einem anderen State of Mind, in meiner eigenen Welt, und sensibilisiere mich dafür, wohin meine Augen mich führen. Um die Lücke zwischen dem, was vor meiner Kamera ist, und dem, was ich fühle, zu schliessen, bearbeite ich oft die Bilder direkt nach dem Fotografieren, sofern es die Zeit erlaubt. So kann ich das Gefühl, das ich während des Moments hatte, so intensiv wie möglich in die Postproduktion einfliessen lassen. Diese Verbindung zwischen Emotion und Bild ist mir äusserst wichtig, da sie das endgültige Werk authentisch macht.
Du zögerst nicht, KI-Technologie in deine Arbeit einfliessen zu lassen. Wie gehst du mit den sich schnell verändernden Rahmenbedingungen um, und wie nutzt du diese neuen Tools in deiner Fotografie?
Ich finde es äusserst spannend, mit meiner eigenen Vorstellungskraft Bilder zu kreieren, und ich betrachte es als eine Herausforderung, da man für die Bildkreation Worte braucht. Ironischerweise fotografiere ich ja gerade aus dem Grund, weil ich das Gefühl habe, mich mit Worten nicht vollumfänglich ausdrücken zu können. Die Möglichkeiten, die die neue Technologie mit sich bringt, sind beeindruckend, und ich gehe mit den sich schnell verändernden Rahmenbedingungen offen um. Ich habe keine Angst vor diesen Entwicklungen, da ich überzeugt bin, dass echte Gefühle und Emotionen nicht von der Technologie erzeugt werden können. Diese menschliche Dimension bleibt für mich immer zentral in meiner Arbeit.
"Die starken Farbverschiebungen entstehen intuitiv und verleihen meinen Bildern eine Ausdruckskraft, die für mich unterschiedliche Stimmungen und Empfindungen lebendig werden lässt."
Fünf Equipment & Gear Fragen
Du hattest als eine der ersten Fotograf:innen in der Schweiz, die Möglichkeit die Canon EOS R5 II noch vor dem offiziellen Verkaufsstart zu testen. Wozu hast du sie verwendet und was ist dein erster Eindruck?
Ja, es war grandios und mir eine Ehre, die Kamera bereits im Vorfeld testen zu dürfen. Ich hatte die Möglichkeit, die Canon EOS R5 II während des Red Bull Dance You Style Switzerland Final über ein ganzes Wochenende hinweg zu nutzen. Mein erster Eindruck war sehr positiv, insbesondere bezüglich des Autofokus, der unglaublich präzise und reaktionsschnell ist.
Du hast einmal gesagt: «Umso weiter die Blende einer Linse sich öffnet, umso lieber habe ich die Linse!» Du arbeitest auch am liebsten mit Festbrennweiten. Vor allem das Canon RF 50mm F1.2 und das RF 85mm F1.2 haben es dir angetan. Inwiefern unterstätzen dich Festbrennweiten bei der Umsetzung deiner Visionen?
Das kommt wahrscheinlich daher, dass ich oft in lichtschwachen Umgebungen mit dem Fotografieren begonnen habe, wie zum Beispiel bei Tanzbattles mit geringer Beleuchtung ;).
Ich liebe es, mit Unschärfe zu experimentieren, und daher mag ich es umso mehr, wenn ich die Blende so weit wie möglich öffnen kann. Besonders das Canon RF 50mm F1.2 und das RF 85mm F1.2 unterstützen mich dabei, meine Visionen umzusetzen, indem sie es mir ermöglichen, die Schönheit des Lichts und die Tiefe der Emotionen in meinen Bildern festzuhalten.
Du bezeichnest dich selbst als keinen Technik Nerd, probierst aber gerne mal neues Equipment aus. Was reizt dich daran, neue Technologien und Kameras auszuprobieren, und wie beeinflusst das deine Fotografie? Hast du vor kurzem mit etwas neuem experimentiert?
Ja, ich bin absolut kein Technik-Nerd, aber ich bin immer offen für Neues und liebe es, darauf los zu experimentieren. Ich denke, ein gute:r Fotograf:in kann mit jeder Kamera tolle Werke kreieren, weshalb ich es schätze, neue Modelle zu testen. Es ist natürlich umso schöner, wenn eine Kamera deine professionelle Arbeit zusätzlich unterstützt. In diesem Jahr hatte ich die Gelegenheit, für zwei Wochen die Mittelformatkamera Fuji GFX100S II zu testen, was ein ganz neues und spannendes Erlebnis für mich war.
Die Nachbearbeitung ist ein wichtiger Teil deines kreativen Prozesses. Hast du ein Ritual oder eine bestimmte Herangehensweise, die dich inspiriert?
Ich mag es, die Bilder so rasch wie möglich nach dem Shooting zu bearbeiten, auch wenn das nicht immer umsetzbar ist. Am liebsten bearbeite ich spät abends und in der Nacht, da ich zu diesen Zeiten am meisten inspiriert bin und die Welt am schlafen ist. Ein Ritual, das mich dabei inspiriert, ist das Hören von Musik während des Bearbeitens. Oft höre ich denselben Song in Repeat. Die musikalische Begleitung schafft eine besondere Atmosphäre, die meine Kreativität anregt.
Man hört oft, dass man heutzutage ein Hybrid-Shooter sein muss, also sowohl Video als auch Foto anbieten sollte, um erfolgreich zu sein. Wie stehst du dazu?
Diese Aussage habe ich schon oft gehört. Ich bin der Meinung, dass man Fotografie nicht mit Videografie vergleichen sollte. Ich bin überzeugt man muss nicht unbedingt ein Hybrid-Shooter sein, um erfolgreich zu sein. Vielmehr geht es darum, in dem Bereich, den man liebt, authentisch und kreativ zu arbeiten und das die Qualität stimmt.
"Ich liebe es, mit Unschärfe zu experimentieren, und daher mag ich es umso mehr, wenn ich die Blende so weit wie möglich öffnen kann."
FAST FIRE QUESTIONS
Du kannst eine Kamera und eine Linse mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche sind es?
Meine Canon R5 mit einem RF 50mm 1.2.
Welchen Schweizer Fotografen sollten unsere Leser kennen?
Was war deine erste Kamera?
Fujifilm X-T3
Welches ist dein Meist verwendetest Zubehör?
Mein Fotorucksack und der Godox AD300 Blitz mit Softbox
Schlägt dein Fotografenherz fürs Team Analogfilm oder Digital?
Digital. Obwohl ich die Analogfilmwelt sehr inspirierend finde.
BONUSFRAGEN
Welches ist dein Lieblingsbild der letzten 12 Monate? Weshalb?
Mein Lieblingsbild der letzten 12 Monate ist definitiv das von der Tänzerin Ophelia. Dieses Bild vereint alles, was ich liebe: das Spiel von Licht und Schatten, eine minimale Ästhetik sowie Tanz und Bewegung. Es strahlt eine träumerische Atmosphäre aus, die mich immer wieder in ihren Bann zieht.
Wann war das letzte Mal, dass du so richtig aufgeregt warst für ein Projekt und dabei aus deiner Komfortzone herausgehen musstest? (Frage gestellt von unserem letzten Interviewpartnerin Ella Mettler ☺)
Das letzte Mal, dass ich so richtig aufgeregt war für ein Projekt und dabei aus meiner Komfortzone herausgehen musste, war bei einem grösseren Auftrag für einen Kunden, der mir das Vertrauen geschenkt hat, mit meiner Bildsprache sein Konzept und Branding zu unterstreichen. Es handelte sich sogar um ein Art Kampagnen-Shooting bei dem ich alles alleine durchführte. Es war definitiv eine Herausforderung, aber am Ende hat alles gut geklappt, und der Kunde war sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Welche Frage möchtest du unserem nächsten Interview Partner stellen?
Was war die grösste Herausforderung, der du in deiner Fotografie-Karriere bisher begegnet bist, und wie bist du damit umgegangen?



















