
Herzlich willkommen zu unserer siebten Ausgabe der "Zumi Pro Talk" Interview-Serie. Mit diesem Format möchten wir Schweizer Fotograf:innen eine Plattform bieten und euch einen spannenden Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Als heutigen Gast durften wir dem äusserst erfahrenen Basler Fotografen David Biedert einige Fragen stellen. David ist seit mehr als 24 Jahren beruflich in der Fotografie unterwegs und hat sich vor allem in der People und Event Fotografie einen Namen gemacht. Er durfte als einer der ersten Schweizer Fotografen die neue Canon EOS R5 II testen und wird uns in diesem Interview seine Eindrücke vermitteln.
In diesem Format stellen wir den Fotograf:innen jeweils achtzehn Fragen.
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Fünf persönliche Fragen zum/zur Fotograf:in
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Fünf neugierige Fragen zur Technik und ihrem Equipment
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Fünf "schnelle" Fragen, die mit einem Satz beantwortet werden können
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Drei Bonusfragen zum Abschluss
Die Interviews werden jeweils bei uns im Store von Fotograf Denny Waves durchgeführt.
Fünf persönliche Fragen an David
Dein wiedererkennbarer Bildstil hat sicherlich zu deinem Erfolg beigetragen. Deine Bilder überzeugen mit harmonischen und hellen Pastelltönen sowie einem vermittelten Gefühl von Leichtigkeit. Wie hast du diesen Stil entwickelt, und gab es bestimmte Momente, Erfahrungen oder Künstler, die dich dabei besonders inspiriert haben? Hat sich dein Stil im Laufe der Jahre verändert oder weiterentwickelt?
Generell lasse ich mich täglich – bewusst und unbewusst – von Fotos und Illustrationen in meiner Umgebung inspirieren. Dieser Prozess ist, wie auch mein Bildstil, ständig im Wandel. Die Art und Weise, wie ich heute Fotos bearbeite, unterscheidet sich deutlich von meinen Anfängen vor 12 Jahren. Ein Bild muss für mich, wie du es beschrieben hast, eine gewisse Leichtigkeit vermitteln. Das erreiche ich, indem ich den Kontrast eher gering halte und den Schwarzanteil im Bild reduziere. Ausserdem bevorzuge ich es, den Magenta-Anteil zu verstärken und den Grünanteil zu minimieren.
Was als tilllate Eventfotograf vor rund 24 Jahren angefangen hat, führte zu einer langjährigen und erfolgreichen Karriere in der Fotografie. Du bist nun seit mehr als 12 Jahren selbständiger Fotograf. Anfangs war es nicht immer einfach, aber du hast es gemeistert. Was würdest du einem Fotografen, der noch am Anfang seiner Karriere steht, mit auf den Weg geben?
Glaube an dich und an das, was du kannst – und definiere klar dein Angebot. Potenzielle Kunden müssen genau wissen, wofür du stehst und in welchen Bereichen deine Stärken liegen. Es erstaunt mich immer wieder, wenn ich auf einer Fotografen-Website Bilder aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Landschaften, Hochzeiten, Babyfotografie und Konzerten sehe. Jeder hat seine eigenen Stärken und Schwächen – auch in der Fotografie. Ich konzentriere mich auf das, was ich gerne mache und mit Leidenschaft verfolge: die Menschen und ihre Emotionen.
Auf Instagram erreichst du mit deinen Fotos regelmässig ein grosses Publikum. Vor allem deine Bilder von der Stadt Zürich erfreuen sich grosser Beliebtheit. Wie sehr steht für dich die Präsentation deiner Arbeit auf Sozialen Medien im Fokus? Haben die sozialen Medien deine Fotografie verändert?
Soziale Medien sind eigentlich wie gemacht für Fotografen. Niemand ausser uns Fotografen (oder Videografen) verfügt bereits über den Content – und es geht darum, diesen gezielt in den sozialen Medien zu platzieren. Genau das habe ich getan. Mein erster Post auf Instagram stammt vom 12.01.12, und so konnte ich früh eine Community mit meinen Fotos und Inhalten aufbauen. Allerdings landen etwa 95 % der Fotos, die ich in der Auftragsfotografie generiere, nicht auf den sozialen Medien. Auf Instagram & Co möchte ich ausschliesslich meine persönliche Bildwelt und meinen Bildstil präsentieren – und das funktioniert bis heute sehr gut. Vor einigen Jahren bin ich extra um 5 Uhr früh aufgestanden, um eine Aufnahme der Morgenstimmung in Zürich einzufangen. Ja, die sozialen Medien haben mich definitiv als Fotografen beeinflusst. In den letzten Jahren habe ich meine Ressourcen für soziale Medien reduziert und mich auf meine neue Rolle als Vater und meine Selbstständigkeit konzentriert.
Künstliche Intelligenz hat bereits in mehreren Bereichen der Fotografie Einzug gehalten. Du verwendest die Technologie vor allem in deiner Nachbearbeitung. Wie sieht es in der Eventfotografie aus? Wie siehst du die Zukunft dieser Nische?
KI wird uns alle betreffen, auch mich in der Eventfotografie. Noch ist es zu früh, um konkret abschätzen zu können, welchen Einfluss KI auf Eventfotos haben wird. Derzeit schätze ich diesen Einfluss im Vergleich zu anderen Bereichen der Fotografie als eher gering ein. Dennoch bin ich überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir Fotografen die Fotos nicht mehr aktiv nachbearbeiten müssen – diesen Prozess wird uns künftig die KI komplett abnehmen. Sie wird aufgrund von unzählig bearbeiteten Fotos genau wissen, wie ich mein Endergebnis haben möchte. Das würde mir definitiv mehr Schlaf ermöglichen, da ich die Fotos in der Regel sofort nach dem Auftrag aufbereite – egal, wie spät es ist.
Du fotografierst sowohl grosse Events mit Promis als auch kleinere, intimere Anlässe & Hochzeiten. Gibt es für dich Unterschiede in deiner Herangehensweise oder in den Anforderungen an solche verschiedenen Eventtypen? Was bereitet dir mehr Freude?
Ja, die Vorbereitung variiert je nach Art des Auftrags. Besonders bei Hochzeiten ist oft mehr Anspannung dabei, weshalb ich den Ablauf des Tages im Vorfeld mehrfach durchgehe. Grundsätzlich bereite ich mich jedoch nicht anders auf ein Event vor, egal ob Roger Federer erwartet wird oder Hans Muster aus Horgen. Meine Routine-Abklärungen im Vorfeld umfassen die Anzahl der erwarteten Gäste, die Highlights im Programm sowie spezielle Wünsche des Kunden. Bei der eigentlichen Umsetzung verlasse ich mich auf meine Intuition und Erfahrung – darauf kann ich zum Glück immer zählen.
Fünf Equipment & Gear Fragen
Du hast seit ihrer Einführung mit der Canon EOS R5 gearbeitet. Nun wurde vor kurzem die R5 Mark II angekündigt und du konntest als einer der ersten Fotografen in der Schweiz bereits eine Hochzeit mit der Kamera fotografieren. Wie schlägt sich die Neue verglichen mit dem Vorgängermodell? Was ist dein erster Eindruck?
Ich muss mich zu 100 % auf meine Ausrüstung verlassen können, und Canon hat mich in den letzten Jahren nur einmal im Stich gelassen (eine Fehlermeldung – daraufhin habe ich sofort auf den Ersatz-Body gewechselt, den ich immer dabeihabe). Mit dem Nachfolger der EOS R5 hat Canon, meiner Einschätzung nach, an den richtigen Stellschrauben gedreht und ein bereits sehr gutes Gerät noch weiter verbessert. Der Autofokus der EOS R5 war schon auf einem hohen Niveau, aber die EOS R5 Mark II setzt neue Massstäbe in puncto Geschwindigkeit und Präzision. Die neue Eye-Tracking-Funktion ermöglicht es mir, den Fokus noch präziser zu steuern. Die hohe ISO-Empfindlichkeit der Mark II erlaubt zudem noch bessere Aufnahmen bei wenig Licht. Ich habe am späten Abend der Hochzeit Aufnahmen mit ISO 8000 gemacht, und das leichte Rauschen im Bild lässt sich in der Nachbearbeitung ohne grossen Aufwand eliminieren. Es ist eine wahre Freude mit der EOS R5 Mark II zu arbeiten!
Die Canon EOS R5 Mark II verfügt über zwei neue Autofokus-Eigenschaften. Zum einen kann man bis zu 10 Gesichter abspeichern und diese beim Fokussieren prioritär behandeln. Auch neu ist der Eye-AF. Hierbei erkennt das Autofokussystem die Richtung deines Blicks und kann den Autofokuspunkt entsprechend verschieben. Kannst du diese Funktionen in der Eventfotografie effektiv nutzen? Helfen Sie dir bei der Arbeit?
Wie schon erwähnt, konnte ich den Eye-AF bereits sehr nützlich einsetzen. Er ist definitiv eine Hilfe, allerdings fotografiere ich auch regelmässig direkt über das LED-Display (um den Moment noch schneller einzufangen), und da hilft mir der Eye-AF nicht weiter. In solchen Fällen verlasse ich mich auf den präzisen, überarbeiteten Autofokus mit Personenerkennung. Die neue Funktion zur Gesichter-Speicherung habe ich nur kurz getestet, und sie hat einwandfrei funktioniert. Für meine tägliche Arbeit als Eventfotograf ist diese Funktion jedoch weniger hilfreich, da ich in der Regel ein Gesamtbild des Events liefern muss und nur selten den Fokus auf einzelne Personen richte.
Die Canon EOS R5 Mark II ist mit 30 Bilder / s noch schneller geworden und bietet die neue Pre-Shoot-Funktion, die schon vor dem eigentlichen Auslösen der Kamera Bilder aufnimmt. Wie nutzt du diese schnellen Serienbildfunktionen in deiner Eventfotografie, um spontane und entscheidende Momente festzuhalten? Welche Vorteile siehst du in der Pre-Shoot-Funktion, insbesondere bei dynamischen Szenen? Verändert sich deine Herangehensweise an die Planung und Durchführung eines Shootings?
Ich kann mir gut vorstellen, dass die neue Pre-Shoot-Funktion in Bereichen wie Sport- oder Naturfotografie, insbesondere bei Tieraufnahmen, sehr nützlich sein kann. Da ich jedoch in der Eventfotografie das Motiv und die Emotionen in der Regel mehrfach ablichte und anschliessend das beste Bild auswähle, bietet mir die Pre-Shoot-Funktion keinen zusätzlichen Nutzen. Bei Events gibt es selten nur einen einzigen entscheidenden Moment, der festgehalten werden muss. Man hat meist eine zweite Chance, falls man das perfekte Lächeln oder eine besondere Stimmung beim ersten Versuch verpasst.
Viele Fotografen schwören auf bestimmte Objektive für ihre Arbeiten. Du arbeitest oft mit dem Canon RF 28-70mm F2 Eine sehr lichtstarke Linse aber entsprechend auch etwas schwerer. Bei der Eventfotografie ist Flexibilität oft entscheidend. Wie wählst du das richtige Equipment für verschiedene Eventtypen aus? Gibt es bestimmte Kameras, Objektive oder Zubehörteile, die du immer dabei hast, egal welches Event du fotografierst?
Das RF 28-70mm ist für mich die perfekte Linse für rund 80% meiner Eventaufnahmen. Es ermöglicht mir, sowohl eine Übersicht des Raumes als auch Nahaufnahmen von Personen zu machen, ohne das Objektiv wechseln zu müssen. Dafür nehme ich das etwas höhere Gewicht gerne in Kauf. Wie bereits erwähnt, habe ich immer einen zweiten Body dabei – man weiss ja nie. Meine zweithäufigste Linse ist das RF 50mm F1.2, das ich besonders gerne für Aufnahmen bei Apéros im Freien nutze. Die 50mm bieten mir eine angenehme Nähe zum Motiv, ohne dass ich sofort entdeckt werde. Das RF 85mm F1.2 setze ich ausschliesslich bei Hochzeiten und Familienaufnahmen ein. Der Profoto A10 Blitz darf in meiner Ausrüstung ebenfalls nicht fehlen. Auch wenn ich vorzugsweise ohne Blitz fotografiere, sorgt der A10 für eine sehr schöne und weiche Ausleuchtung der Motive.
Bei vielen deiner Aufträge wird erwartet, dass die Bilder innerhalb kürzester Zeit geliefert werden – eine Fähigkeit, die du perfektioniert hast, ohne dabei Abstriche bei der Qualität zu machen. Wie hast du dein Equipment oder deinen Workflow so optimiert, dass du sowohl Schnelligkeit als auch höchste Qualität gewährleisten kannst?
Ich habe lange und intensiv an meinem persönlichen Workflow gearbeitet und ihn stets optimiert. Das Erste, was ich an der neuen R5 Mark II vorgenommen habe, war die Tastenbelegung. Ich muss auch während einer Aufnahme blind wissen, welche Tasten oder Rädchen ich bedienen muss, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Direkt nach einer Serienaufnahme wähle ich noch auf der Kamera meinen Favoriten aus und markiere das Foto mit einem Stern. Dadurch kann ich mich später in Lightroom ausschliesslich auf die markierten Fotos konzentrieren und erspare mir ein langwieriges Durchsichten der Rohdateien. Dieser perfektionierte Prozess, von der Ausrüstung bis zur Nachbearbeitung, ermöglicht es mir, die Bilder bereits am nächsten Morgen in der gewünschten Qualität an den Kunden zu übergeben
Fast Fire Questions
Du kannst eine Kamera und eine Linse mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche sind es?
Letzten Sommer habe ich mich mit der Leica Q3 selbst beschenkt – kompakt, mit einer erstklassigen Linse und einfach ein wunderbares Gerät.
Welchen Schweizer Fotografen sollten unsere Leser kennen?
Kürzlich bin ich auf die Arbeiten von Muriel Rieben gestossen – die Dynamik in ihren Fotos inspiriert mich sehr.
Was war deine erste Kamera?
Meine erste analoge Kamera war ein Modell von Olympus. Die erste digitale Kamera habe ich mir im Jahr 2000 mit der Sony CD Mavica angeschafft.
Welches ist dein Meist verwendetest Zubehör?
Profoto Softbox Cliq
Schlägt dein Fotografenherz fürs Team Analogfilm oder Digital?
Ich habe alle Entwicklungen in der digitalen Fotografie durchlaufen – somit klar digital!
Bonusfragen
Welches ist dein Lieblingsbild der letzten 12 Monate? Weshalb?
Seit 3.5 Jahren ist mein Sohn mein Lieblingsmotiv. Die Momente und Erinnerungen, die ich mit ihm habe, sind für mich unbezahlbar.
Wenn du ein Foto machen könntest, das um die ganze Welt geht, was würde darauf zu sehen sein? (Frage gestellt von unserem letzten Interviewpartner Nik Rutschmann)
Wenn ich ein Foto machen könnte, das um die ganze Welt geht, würde ich versuchen, eine Momentaufnahme zu erfassen, die Menschen berührt und verbindet. Vielleicht ein Bild, das Hoffnung und Zusammenhalt symbolisiert – wie ein bewegender Moment der Menschlichkeit oder eine eindrucksvolle Begegnung. Aus aktuellem Anlass: wieso nicht mit Präsident Trump in der Hauptrolle.
Welche Frage möchtest du unserem nächsten Interview Partner stellen?
Wie gehst Du mit der Herausforderung um, Emotionen in einem Bild einzufangen, das auf den ersten Blick möglicherweise eher neutral wirkt?























