Unterwasserfotografie mit der OM System TG-7 und Stefan Lehmann
In diesem Artikel erzähle ich dir von meinen allerersten Tauchgängen und ob man als Berufsfotograf unter Wasser immer noch ein Profi ist. Begleitet hat mich die OM System TG-7 im OM System Unterwassergehäuse und ein 12 Liter Stahltank auf dem Rücken. Und auch der eine oder andere Meeresbewohner. Es gibt diese Vorhaben, die man manchmal länger vor sich herschiebt, als man sollte. Bei mir war eines dieser privaten Projekte der Tauchschein. Meine Frau taucht seit ihrer Kindheit und ich habe die Geschichten aus vergangenen Tauchabenteuern immer gerne gehört. Ich habe mich oft gefragt, ob mir das auch gefallen könnte. Schliesslich gibt es in dieser, nicht alltäglichen Welt viel neues zu entdecken. Trotzdem fand ich es befremdlich, abhängig von Atemluft in einer Flasche auf meinem Rücken zu sein. Eines war dabei immer klar, würde ich das Tauchen ausprobieren, muss eine Kamera mit. Actionkameras sind prima. Die schraubt, klebt, steckt oder bindet man sich irgendwo an und lässt sie einfach mitfilmen. Ich wollte aber bewusst fotografieren, wie ich es auch bei einem Spaziergang durch Bern mache. Street-Fotografie unter Wasser. Das fotografieren, was ich beobachte – ohne einzugreifen.
Auch mein Tätowierer und Freund Dani Hellfire ist begeisterter Taucher. Da ich bei ihm schon einige Nachmittage verbracht habe, konnte er mir viel übers Tauchen und von seiner Kamera, die er benutzt, erzählen - die Olympus TG-6. Mittlerweile heisst Olympus OM System und die TG-7 kam im Herbst 2023 auf den Markt. Im April 2024 habe ich meine Tauchtheorie in einer Tauchschule in Bern absolviert und bin dann mit meiner Frau auf die Malediven geflogen, um meinen Freiwasser-Tauchschein zu beenden und natürlich einige Tauchgänge zu absolvieren. Da für mich das Fotografieren unter der Wasseroberfläche einer der Hauptgründe war, mit dem Tauchen anzufangen, hat mich die OM System TG-7 bereits beim zweiten Tauchgang nach abgeschlossener Prüfung begleitet. Zu den Tauchgängen später mehr.
Welche Spezifikationen bringt die TG-7 mit?
Die Hauptmerkmale der OM System Tough Outdoorkamera sind die Widerstandsfähigkeit und Wasserdichtigkeit. Dabei bleibt sie bezahlbar, wenn man bedenkt, dass teilweise Unterwassergehäuse ohne Kamera schnell einmal CHF 3'000.- und mehr kosten können. Herzstück ist ein 1/2,3 Zoll CMOS-Sensor mit 12 Megapixeln. Dies ergibt eine Bildgrösse von 4000x3000 Pixel. Dateien können in JPEG und RAW gespeichert werden. Das ist hinsichtlich der grossen Weissabgleichthematik, auf die wir später eingehen, ein wichtiges Feature und im Bereich der Kompaktkameras nicht immer selbstverständlich. Es ist ein optisches vierfach Zoom-Objektiv verbaut. 4.5 bis 18mm ergeben mit einem Cropfaktor von 5.6 einen Kleinbild-äquivalenten Zoombereich von 25 bis 100mm. Die Blende ist dabei variabel von f2 bis f4.9 bei vollem Zoom.
Die Kamera beherrscht die üblichen Autofokus-Modi wie AF-S Einzel-Autofokus und AF-C für Autofokus der dynamisch nachgeführt wird. Bei der Verfolgung von sich bewegenden Lebewesen oder auch Pflanzen, die sich in der Strömung bewegen, ist ein moderner AF-C sehr willkommen. Für den Weissabgleich gibt es bereits Unterwasser-spezifische Presets, damit auch die JPG-Dateien bereits gut verwendet werden können. Jedenfalls wenn es darum geht, nach einem Tauchgang fotografierte Fische beispielsweise gemeinsam mit einem Lexikon zu bestimmen, um den Tauchgang entsprechend im Logbuch zu vermerken. Meiner Erfahrung nach ist die Korrektur bei den automatischen Unterwasser-Modi für den Weissabgleich zu schwach und die Bilder immer noch sehr blau. Aber das ist Geschmackssache.
Die Widerstandsfähigkeit der OM System Tough TG-7 wird mit bis 15 Meter Wasserdichtigkeit angegeben, ohne Nutzung des externen Unterwasser-Gehäuses, PT-059. Mit Gehäuse sind es sogar bis 45 Meter. Die Kamera selbst ist frostsicher bis -10 Grad Celsius, Sturzsicher bis 2.1 Meter Fallhöhe und druckfest bis 100kg. Das sind eindrückliche Werte für eine moderne Systemkamera unter CHF 500.-. Das Unterwassergehäuse ist aber auch in Bezug auf die Bedienbarkeit und das Ablesen des Rückendisplays sinnvoll. Mir fiel es sehr viel einfacher, mein Motiv am LCD zu wählen, während die Kamera im Gehäuse war. Beim Schnorcheln habe ich sie ein paar Mal ohne Case benutzt und hatte viel stärkere Spiegelungen, die mir das Ablesen des Displays erschwert haben. Zudem mache ich mir um die Kamera weniger Sorgen, wenn sie zusätzlich verpackt ist. Gerade beim Sprung vom Schiff ins Meer oder auch beim Verlassen des Wassers, gibt es doch hie und da einen Stoss und auch wenn man die Kamera einem Helfer in die Hand gibt, kann auf einem Schiff nicht immer alles mit der nötigen Sorgfalt hingelegt werden. Der Akku hielt in meinem Fall mit zwei Tauchgängen an einem Halbtag mit rund 100 RAW-Bilder und einigen Videoclips in 4K gut durch. Das kommt aber natürlich stark auf die Wassertemperatur an. Da man die TG-7 per USB-C auch gut an einer Powerbank laden kann, habe ich mir aber nicht einmal einen zweiten Akku gekauft.
Erfahrungsbericht Malediven und Ägypten
Unterdessen hat mich die OM System TG-7 bereits auf über 12 Tauchgänge im Jahr 2024 begleitet. Ich miete die Tauchausrüstung jeweils bei der Tauchbasis vor Ort und bringe nur meine eigene Tauchmaske mit. Für die Kamera nutze ich dann einen sogenannten Retractor. Das ist ein doppelter Karabiner mit einem Stahlseil, welches durch eine Feder automatisch eingezogen werden kann. Vorsicht, diese Teile haben ordentlich Kraft, da sie auf den erhöhten Widerstand unter Wasser ausgelegt sind. Mit einem Arretierungsknopf kann das Seil gesperrt werden, so dass ich die Kamera im Wasser frei bedienen kann. Am Kameragehäuse habe ich zusätzlich eine Armschlaufe befestigt. So kann ich die TG-7 jederzeit loslassen, wenn ich meine Hände brauche, sie fällt aber dann nicht auf Pflanzen oder Korallen. Generell gilt beim Tauchen jeglichen Kontakt mit der Unterwasserwelt zu vermeiden. Schon allein aus dem Grund, weil es Lebewesen gibt, die wie Gestein aussehen und dich ernsthaft verletzen können. Nicht einmal, weil sie dir schaden wollen, sondern, weil sie einerseits Angst vor dir haben oder einfach in Ruhe gelassen werden wollen.
Tauchen ist für jemanden wie mich, der auf den Malediven erst gerade das PADI Open Water Diver Brevet gemacht hat, kein Spaziergang. Wenn man Profitaucher in Dokumentationen beobachtet, wie sie grazil dahingleiten, dann vermutet man erst nicht, wie viel Übung dahintersteckt, nicht wie eine Banane diagonal durchs Wasser zu eiern. Einerseits muss das Gewicht des Stahltankes um zusätzliches Gewicht am Gurt oder im Jacket ergänzt werden, um einen gegen den Auftrieb in einer gleichbleibenden Tiefe zu halten. Trotzdem soll es aber möglich sein, die Tiefe möglichst mühelos zu ändern und dabei gerade im Wasser zu liegen. Mühelos ist generell ein wichtiges Schlagwort unter Wasser. Was Mühe verursacht, verbraucht viel Sauerstoff und davon hast du nie genug. So dauern erste Tauchgänge oftmals nur selten länger als dreissig Minuten. Geübte Taucher schaffen da oft locker eine Stunde. Wenn wir uns nun nebenbei mit einer Kamera ablenken, kann das ebenfalls zusätzliche Atemluft kosten. Insbesondere, wenn wir das Tarieren, also die vorhin erwähnte Stabilisierung des Körpers und die Kontrolle der Tiefe vernachlässigen. Dazu kommt, dass man unter Wasser immer mit seinem Dive-Buddy unterwegs ist. Die eigene Bewegungsfreiheit ist durch das Equipment beim Gerätetauchen eingeschränkt. Kontrollen an der eigenen Flasche und dem Ventil sind mühsam oder nicht möglich, daher kontrolliert und unterstützt man sich immer im Doppel. Auch wenn einmal keine Luft mehr verfügbar sein sollte, kann einem der Tauchpartner mit seinem zweiten Atemschlauch Luft aus seiner Sauerstoffflasche abgeben. Ich habe das mal damit verglichen, dass es sich am Anfang anfühlt, als würde man beim Autofahren fotografieren. Die Verantwortung gegenüber seinem eigenen Verhalten gemeinsam mit der Verantwortung gegenüber seines Tauchpartners und der Natur kommt immer vor dem Fotografieren. Aber wenn dann das Fotografieren kommt, dann wird es richtig eindrücklich, was man sich für besondere Momente als fotografische Erinnerung aus dem Wasser mitnehmen kann.
Bildbearbeitung: Was geht mit den TG-7 Dateien?
In Bezug auf die Unterwasserfotografie geht viel für dieses preiswerte Komplettpaket. Im Vergleich zu einer aktuellen Systemkamera mit einem APS-C oder Vollformat Sensor geht etwas weniger. Die TG-7 suggeriert auch nicht, eine Profikamera zu sein, sie ist eine erschwingliche, kompakte und taffe Systemkamera. Dass der 1/2,3 Zoll Sensor seine Grenzen hat, ist keine Überraschung. 12 Megapixel sind für das Bestaunen seiner Unterwasserwelt sicher genug. Dynamikumfang und ISO-Rauschverhalten sind ok und die Bilder sind für eine Kamera in diesem Budgetbereich absolut in Ordnung. Es ist wie so oft: Mehr ist mehr. Gerade bei Tauchgängen, die tiefer als 15 Meter gehen, sind externe Leuchten nötig, um gute Bilder zu schiessen. Unterwasserbeleuchtung hat aber ihren Preis. Da sprechen wir schnell vom dreifachen des Kamerapreises. Generell gilt, dass man für Makroaufnahmen externe Lampen braucht. Die meisten Tauchbilder, die ich in diesem Artikel zeige, sind zwischen 5 und 15 Meter Tiefe entstanden.
Es ist sicher abhängig davon, welche Software einem zur Verfügung steht. Die Korrektur über die Smartphone-eigene Bildbearbeitung kann an ihre Grenzen stossen, besonders bei der Korrektur des Weissabgleiches ist man teilweise sogar in Lightroom am Anschlag. Optimieren kann man dies physisch mit einem entsprechenden Farbfilter auf der Kamera, der Grün – und Blautöne reduziert. Diese Filter verringern aber auch generell die Belichtung um 1 bis 1.5 Blendenstufen, also nimmt man mit einer höheren ISO-Empfindlichkeit wieder mehr Bildrauschen in Kauf. Es ist also ein stetes Abwägen der Situation. Nur dass man unter Wasser nicht alle Zubehörteile einfach ersetzen kann. Es gibt Anbauteile, Filter und sogar Objektive, die man unter Wasser wechseln kann. Je nach Erfahrungslevel beim Tauchen, kann dies Stress und Unachtsamkeit auslösen, man verbraucht dann mehr Sauerstoff und das Risiko für Unfälle steigt. Ich versuche also stets mit Software noch etwas aus den Rohdaten der OM System TG-7 herauszuholen.
Einerseits bearbeite ich die Bilder in Lightroom. Am liebsten mache ich das am Computer, da ich die Bilder dann noch in Photoshop ziehe und dort Plugins nutze. Es ist aber auch ein reduzierter Workflow auf dem Smartphone mit Lightroom Mobile möglich. Meistens ist es nötig, den Weissabgleich-Schieber auf über 80 Prozent des maximalen Temperaturwertes zu stellen, um annähernd realistische Farben zu sehen. Hier sind aber die Geschmäcker verschieden. Einige Betrachter mögen es nicht, wenn die Farben komplett wiederhergestellt werden. Schliesslich sieht man die Farben beim Tauchen, je nach Tiefe, ebenfalls entsättigter. Ich mag die Farben so, wie sie aussehen, wenn ich mit einer Leuchte unterwegs wäre. Also bunt. Daher hole ich mit den Weissabgleich - und Farbkorrekturreglern so viel wie möglich der leuchtenden, bunten Farben zurück. Manchmal nehme ich mir auch neutrale Farben an der Tauchausrüstung zu Hilfe, um mit dem Pipetten-Werkzeug den Weissabgleich über neutrales Grau zu finden. Das funktioniert nicht immer so gut wie im Studio, es hilft aber, sich an einen realistischen Wert heranzutasten. Wenn die Weissabgleichskala in Lightroom nicht reicht, exportiere ich die Datei direkt zu Photoshop und bearbeite dort weiter. In Photoshop nutze ich dann auch Filter mit Funktionen, die sich künstlicher Intelligenz bedienen, besonders um Konturen scharf zu zeichnen. Durch erhöhtes ISO-Bildrauschen oder auch durch Sandpartikel im Wasser, scheinen die Bilder manchmal etwas trübe. Auch der 12 Megapixel Sensor mit lediglich 1/2,3 Zoll kommt gerade bei mässigem Licht an seine Grenzen. Da helfen diese modernen ‘Neurale Filter’ von Adobe selbst oder von Drittanbietern wie Topaz Labs. Auch die Filter und Korrekturbibliothek von DXO Nik Collection hilft bei der Optimierung. Wenn ich dann noch mit Maskierungen von Bildbereichen arbeite, steigt die Bearbeitungszeit enorm. Es macht aber einfach auch Spass zu sehen, was man aus den Rohdaten herausholen kann.
Ist die TG-7 eine gute Kamera an Land?
Ja. Denn sie ersetzt mein Smartphone. Wenn ich unterwegs bin, gerade wenn es mich aufs Wasser zieht und ich dann sowieso nicht in Reichweite eines WLAN bin. Vielleicht aber auch hierzulande, um das Smartphone bewusst nur für Notfälle dabei zu haben. Die TG-7 ist eine völlig ausreichende Kompaktkamera an Land. Man hat etwas Zoom und für Schnappschüsse und Erinnerungen ist sie eine sehr kompakte und leichte Kamera die in fast jede Hosen– oder Jackentasche passt. OM System hat aber auch weitere spannende Modelle im Angebot, die dann zwar nicht mehr so widerstandsfähig sind, aber andere Vorteile mit sich bringen.
Fazit: Lohnt sich die TG-7 für Unterwasserfotografie?
Wer taucht, oder schnorchelt und auch unter Wasser gerne bewusst fotografieren möchte, wird mit der OM System TG-7 sehr zufrieden sein. Videos von Actionkameras sind sicher für den Anfang prima. Der Fotomodus von Actionkameras hat mich aber bisher nie richtig überzeugt und war eher ein Mittel zum Zweck, um mittels eines Printscreens einen Fisch zu bestimmen. Unter Wasser zu versuchen fotografische Stilmittel wie den Goldenen Schnitt anzuwenden kann sehr viel Spass machen. Natürlich sollte dein Tauchbuddy ebenso Freude an den Bildern haben, wenn er oder sie dich beim Fotografieren unter Wasser unterstützt. Egal ob du die Bilder direkt aufs Smartphone lädst und so weitersendest oder am Computer noch bearbeitest, die Erinnerungen von deinen Tauchgängen und Schnorchel-Trips, die du mit der TG-7 erstellen kannst, sind immer eindrücklich und schön anzusehen.
✅ Vorteile der TG-7:
- Robust & wasserdicht: Bis 15 Meter ohne Gehäuse, bis 45 Meter mit Gehäuse
- RAW-Unterstützung: Aus den Rohdaten kann viel herausgeholt werden
- Gute Makrofunktion: Mikroskop-Modus für beeindruckende Nahaufnahmen ab 1 cm
- Preis-Leistung: Deutlich günstiger als professionelle Unterwasser-Systeme
❌ Einschränkungen der TG-7:
- Kleiner Sensor: Begrenzter Dynamikumfang und Rauschen in dunkleren Bereichen

























