Levi Fitze zählt zu den spannendsten jungen Naturfilmern und Fotografen der Schweiz. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen mit der Sony Alpha 1 II und dem neuen 400–800mm Superteleobjektiv, das ihn auf seinen Projekten in den Alpen und darüber hinaus begleitet.
In zehn technischen Fragen geht es um Autofokus, Bildqualität, Pre-Capture und die Praxistauglichkeit des Systems in rauen Umgebungen. Im zweiten Teil des Gesprächs gibt Levi Einblicke in laufende Herzensprojekte, darunter sein Dokumentarfilm «Die Wilden Hühner», ein Naturschutzprojekt sowie erste Ideen für ein eigenes Buch. Seine Antworten zeigen, wie sehr ihn die Verbindung von Technik und emotionalem Storytelling antreibt. Wer sich für Wildlife-Fotografie und den professionellen Einsatz moderner Kameratechnik interessiert, findet in diesem Interview viele spannende Einblicke.
Fragen zu Kamera & Objektiv
Wie schlägt sich die A1 II gegenüber dem Vorgänger?
Ich kann mich noch gut an den Release erinnern, da ich diesen live gemeinsam mit Sony miterleben durfte. Anfangs war ich etwas skeptisch, ob sich ein Upgrade lohnt – ich hatte die erste Alpha 1 erst ein halbes Jahr zuvor gekauft. Doch nachdem ich die Sony Alpha 1 II Anfang des Jahres für ein Projekt mehrere Wochen lang testen durfte, wollte ich nicht mehr zurückwechseln. Im Vergleich zur ersten Version spürt man vor allem den deutlich verbesserten Autofokus, besonders beim Filmen von Tieren in Bewegung. Auch das Handling wurde weiterentwickelt: Die Kamera liegt mir deutlich besser in der Hand.
Was war dein erster Eindruck vom 400–800mm – und wie hat er sich über die Zeit verändert?
Mein erster Eindruck war, dass das Objektiv sehr gut in der Hand liegt und das Gewicht angenehm ausbalanciert ist. Besonders gefreut hat mich, dass – wie schon beim 200–600mm – wieder ein interner Zoom verbaut ist. Bei den ersten Aufnahmen draussen war ich beeindruckt, wie deutlich der Sprung in der AF-Geschwindigkeit und in der Schärfe im Vergleich zum 200–600mm spürbar ist.
In welchen Situationen hilft dir der neue Augen-AF bei Tieraufnahmen konkret beim Filmen?
Wenn ich alleine unterwegs bin und gleichzeitig filmen und fotografieren möchte, ist die Alpha 1 II aktuell meine Wahl. Besonders der neue Augenautofokus für Tiere beim Filmen ist für mich ein riesiger Vorteil gegenüber dem Vorgänger – und auch einer der Hauptgründe, weshalb ich gewechselt habe. In Situationen, in denen ein Tier schnell auf mich zukommt, arbeite ich fast immer mit dem Augen-AF. Der Fokus bleibt zuverlässig auf dem Auge, während ich mit manuellem Fokus keine Chance hätte. Wenn das Tier gut sichtbar ist, kann ich mich komplett auf den AF verlassen und mich voll auf das Framing konzentrieren. Sobald aber viele Objekte wie Gräser oder Äste zwischen Kamera und Tier liegen, lege ich den Fokus oft kurz manuell oder mit Touch-AF aufs Auge und führe dann mit dem MF nach. Trotzdem: Der neue Augenautofokus ist gerade beim Filmen ein riesiger Schritt nach vorne und macht das Arbeiten in vielen Situationen deutlich entspannter.
Wie wirkt sich die Lichtstärke f/8 des 400–800mm auf deine Arbeit aus?
Ich war anfangs etwas skeptisch, weil ich oft mit Blende 2.8 arbeite und daher sehr viel Licht gewohnt bin. Mir war schnell klar, dass gewisse Bilder in Lowlight-Situationen – vor allem in der Dämmerung – mit diesem Objektiv nur schwer umsetzbar sind. Trotzdem helfen in solchen Momenten die sehr gute Schärfe und der Bildstabilisator. Auch in Bezug auf das Bokeh war ich zunächst unsicher, da Blende 8 normalerweise eher weniger Freistellung bietet. Aber durch die lange Brennweite von 800 mm wirkt das Bokeh trotzdem sehr weich – das grosse Zoom erzeugt eine ähnliche Unschärfe wie eine offene Blende. Beim Filmen kommt hinzu, dass ich ohnehin mit längeren Verschlusszeiten arbeite und dadurch meist genügend Licht zur Verfügung habe. Unterm Strich schränkt mich das Objektiv also nur in wenigen Situationen ein – konkret beim Fotografieren in sehr wenig Licht und gleichzeitig schnellen Motiven.
Warum ist Pre-Capture für dich ein Gamechanger bei Wildlife?
Pre-Capture ist definitiv ein Gamechanger – aber eher für sehr gezielte Einsätze. Ich nutze die Funktion nur in ausgewählten Situationen. Besonders beim Ansitzen, wenn man stundenlang auf eine vorhersehbare Aktion an einem bestimmten Ort wartet, ist das ideal. Ich habe Pre-Capture zum Beispiel öfter bei kleinen Singvögeln eingesetzt, um sie im An- oder Abflug zu fotografieren. Ohne diese Funktion wären viele dieser Bilder gar nicht möglich gewesen – oder der Ausschuss wäre deutlich grösser.
Wie schlägt sich das 400–800mm im Videobereich – im Vergleich zu anderen langen Brennweiten?
Ich bin wirklich begeistert von der AF-Geschwindigkeit. Sie ist eher mit den GM-Objektiven vergleichbar als mit dem 200–600mm oder Objektiven von Fremdherstellern. Dazu kommt, dass das Objektiv eine völlig neue Reichweite eröffnet – was gerade beim Filmen von Wildtieren ein grosser Vorteil ist. Für mich gehört es inzwischen definitiv zu meinen Top 3-Objektiven, die ich beim Filmen immer dabeihabe.
Warum ist die konstante Fokusebene beim Zoomen so wichtig für dich?
Ich habe das Feature bisher beim Filmen nicht allzu oft verwendet – und mache es auch nach wie vor eher selten. Aber es ist definitiv ein „Nice to have“ und kann für bestimmte Einstellungen sehr spannend sein. Zum Beispiel, wenn man zuerst etwas mehr vom Lebensraum zeigen möchte und dann sanft aufs Motiv hineinzoomt. Schön ist, dass das wirklich sehr smooth funktioniert. Ich denke aber, das Feature wird bei anderen Objektiven mit einem grösseren Zoombereich noch spannender sein.
Wie schlägt sich das Setup mit dem 2x-Teleconverter?
Ich denke, das 400–800mm in Kombination mit dem 2x-Teleconverter kann für bestimmte, gezielte Einsätze spannend sein. Ich würde es aber nicht als Hauptargument für das Objektiv sehen. 1600mm Brennweite sind in gewissen Situationen beeindruckend – und tatsächlich ist das Bild noch erstaunlich scharf, auch der Autofokus funktioniert weiterhin gut. Ich setze die Kombination immer wieder ein, zum Beispiel bei sehr scheuen Tierarten oder wenn es um grosse Details geht. Ein konkretes Beispiel ist der Schneehase im Winter – ein Tier, das stark auf Ruhe angewiesen ist. Da wollte ich bewusst aus großer Distanz filmen, um ihn nicht zu stören. Gleichzeitig ist Blende 16 natürlich lichtschwach, weshalb sich die Kombination wirklich nur für ganz gezielte Situationen eignet.
Wie robust ist die A1 II als Hybridkamera für abgelegene Regionen?
Aus meiner Erfahrung ist die Kamera sehr robust. Ich hatte sie letzten Winter fast einen Monat lang täglich im Einsatz – oft bei schwierigen Bedingungen mit tiefen Minustemperaturen und teilweise unter tiefem Schnee begraben. Und sie hat immer einwandfrei funktioniert. Ich verlasse mich auch unter extremen Bedingungen auf die Kamera.
Was macht das Zusammenspiel A1 II + 400–800mm für dich besonders?
Wie schon erwähnt, ist die Kombination aus Kamera und Objektiv ideal für Film und Fotografie. Die Kamera bietet eine super Auflösung beim Fotografieren, und der Autofokus funktioniert sowohl beim Fotografieren als auch beim Filmen richtig gut. Das Objektiv ergänzt die Kamera perfekt – es unterstützt den schnellen AF optimal und ist beeindruckend scharf. Die 800mm Brennweite ist gerade beim Fotografieren kleinerer Motive wie Vögeln sehr hilfreich. Und beim Filmen ermöglichen sie es, intime Momente von Wildtieren aus grösserer Distanz festzuhalten, ohne das Tier zu stören.
Persönliche Fragen
Wie gehst du an Sony-Projekte heran und was unterscheidet sie von deinen eigenen Shootings?
Ich versuche, die Sony-Projekte möglichst organisch in meine Arbeit einfliessen zu lassen. Sie sollen nicht zu werblich wirken, sondern sich gut in meine sonstigen Projekte integrieren. Das Schöne an der Zusammenarbeit mit Sony ist, dass sie mir zwar einen klaren Rahmen vorgeben, mir aber gleichzeitig viel Freiraum in der Umsetzung lassen. Der Hauptunterschied zu meiner eigenen Arbeit liegt darin, dass ich bei Sony-Projekten oft konzeptioneller arbeite – meist mit einem klaren Fokus auf ein bestimmtes Produkt. Meine eigenen Arbeiten entstehen häufig über einen längeren Zeitraum und wachsen eher organisch. Aber zum Beispiel bei den Aufnahmen für den Launch des 400–800mm konnte ich beides verbinden: Ich habe viel Zeit in den Alpen verbracht, das neue Objektiv getestet und gleichzeitig auch Material für unser Kinofilmprojekt gesammelt.
Was sieht man (noch) nicht auf Social Media?
In diesem Jahr habe ich an vielen Dingen im Hintergrund gearbeitet, die nicht in erster Linie auf Social Media stattgefunden haben – und ich habe das ehrlich gesagt auch ein bisschen genossen. Trotzdem wird das meiste davon früher oder später auch online sichtbar sein. Zum Beispiel arbeite ich mit Freunden an einem Naturschutzprojekt, bin an den ersten Ideen für ein Buchprojekt dran und durfte in diesem Jahr eigene Workshops rund um Tierfotografie ausschreiben und organisieren.
Wie steht’s um dein Dokumentarfilmprojekt «Die Wilden Hühner»?
Das Projekt läuft intensiv. Einen Grossteil haben wir inzwischen gefilmt, und im Herbst starten wir mit dem Schnitt. Bis dahin muss ich noch etwas Ordnung ins ganze Material bringen – das hat sich inzwischen ganz schön angesammelt. Ziel ist, dass der Film Ende 2026 zu sehen ist. Bis dahin liegt aber definitiv noch ein gutes Stück Arbeit vor uns. Es ist sicher das aufwändigste, aber auch eines der schönsten Projekte, an dem ich bisher gearbeitet habe.
Was steht ganz oben auf deiner Wunschliste?
Im Moment steht für mich im Fokus, unseren Kinofilm so gut wie möglich umzusetzen. Das ist gerade mein Hauptprojekt, und dafür bin ich in den kommenden Monaten nochmals viel draussen unterwegs. Wenn sich zwischendurch Möglichkeiten für kleinere Projekte im Ausland ergeben, freue ich mich darüber – aber sonst bin ich im Moment sehr zufrieden mit all den spannenden Projekten, die hier anstehen.
Gibt es einen Moment aus den letzten Monaten, der dich emotional besonders berührt hat?
Es sind oft Begegnungen mit Menschen, die sich im Naturschutz engagieren, die mich besonders berühren. Solche Momente gibt es immer wieder auf den Drehs für unser Filmprojekt. Dabei durfte ich Menschen kennenlernen, die sich schon ihr ganzes Leben lang für Tiere einsetzen – das ist unglaublich inspirierend. Daneben sind es natürlich auch die vielen besonderen Tierbegegnungen während der Dreharbeiten. Erst gestern bin ich von einem zweitägigen Dreh zurückgekommen, bei dem ich wenige Wochen alte Steinbockkitze filmen konnte. Ihnen dabei zuzusehen, wie sie voller Lebensfreude herumhüpfen, war ein Highlight.


























