

Offenblende ist ein relevantes Schlagwort in der Fotografie. Nicht immer, aber oft, werden Bilder an ihrer Tiefenunschärfe gemessen. Sehen Bokehkugeln wie Zwiebelringe aus, sind sie rund oder erkennt man die Ecken der Blendenlamellen? Die bokeh-relevanten Features eines Objektivs machen es meistens auch teurer. Ich erwische mich oft dabei, nur noch mit maximaler Blendenöffnung zu fotografieren, auch wenn eigentlich mehr Kontext im Bild schön wäre. Wenn ich eine Person im Vordergrund eines Bergpanoramas fotografiere, macht eine Blende von f/2 keinen Sinn, da man die Berge nur noch schemenhaft sieht. Dann rücken andere Features in den Vordergrund: Gewicht und Grösse, Schärfe, Preis und der Komfort des Brennweitenbereichs.
Die ersten Schritte mit dem Sony FE 20-70mm F4 G waren daher schon mit dem einen oder anderen Fragezeichen versehen: Wird mir ein Objektiv mit diesem Brennweitenbereich und dieser Blende Spass machen? Beim Testen von neuen Linsen und Kameras begebe ich mich stets auf meine Terrasse und fotografiere Blumen und Pflanzen oder Katzen, die aber gerade alle beschäftigt waren. Also fotografierte ich erst einmal ein paar Blümchen:


Von links nach rechts: 20mm f8, 70mm f8 und 70mm f4 – es war sehr sonnig. Die Abbildungsleistung der Sony A7R Mark V gekoppelt mit dem FE 20-70mm ist grandios. Der Autofokus sitzt sofort. Und schon etabliert sich das wohlwollende Gefühl von Spass am Brennweitenbereich.


Stefan Lehmann
Selbständiger Fotograf und Videoproduzent
Inhaber lehmann kreativ GmbH Aarberg
Instagram: @stefanlehmann
Youtube: @stefanlehmann_ch
Seit rund 10 Jahren erbringe ich Dienstleistungen im Bereich Foto & Video. Ich mag Review-Videos auf Youtube, grillieren und schöne Kameras. Beruflich arbeite ich am Liebsten mit 85mm Brennweite und privat habe ich meistens etwas um 35mm bei mir. Fotografisch versuche ich die ungestellte Streetfotografie in meine übrigen Buchungen einfliessen zu lassen. Blitzlicht mag ich nicht besonders, dafür könnte ich Stunden damit verbringen, Kamerarigs zu bauen.


Sony FE 20-70mm, 20mm f4
Die Relevanz von 4mm
Das Sony FE 20-70mm F4 bietet all dies: Es ist leicht, kompakt und tadellos scharf. Der Brennweitenbereich ist spannend, und zudem ist es preislich attraktiv. Auf den Brennweitenbereich gehen wir etwas intensiver ein. Es gibt viele 24-70mm Objektive und auch einige 24-105mm Objektive. Ein 20-70mm eröffnet gerade im Bereich der Landschaftsfotografie eine spürbar erweiterte Sicht auf Szenarien. Auch im Bereich der Immobilienfotografie sind 24 Millimeter oft zu knapp. In beiden genannten Bereichen ist eine Blende von f/4 absolut ausreichend. Generell ist das Abblenden unbeliebt, schliesslich bezahlt man für die maximale Offenblende. Beim FE20-70 wird dies zum wirtschaftlichen Vorteil: Ich spare nicht nur Geld beim Kauf, sondern auch Gewicht beim Tragen. Insbesondere, weil ich mir hier den Kauf weiterer Objektive ebenfalls spare. Die zusätzlichen 4mm haben es durchaus in sich.


Das FE 20-70mm f4 an der Sony A7RV - Wie dafür gemacht!
Ist Blende 4 ausreichend?
Diese Frage stellt sich bei jedem Blende 4 Objektiv. Solche Objektive sind oft leichter und kleiner, zudem häufig auch günstiger. Beim FE 20-70mm erhält man zusätzlich 4 Millimeter mehr im Weitwinkelbereich. Somit ordnet sich das Objektiv für mich im Bereich der Landschaftsfotografie ein und ist dort besonders spannend. Obwohl ich kein Landschaftsfotograf bin, habe ich mich gefragt, ob dieses Objektiv mir als People- und Streetfotograf Spass machen kann. Die Antwort ist ja! Da das FE 20-70mm seine Vorzüge auf Wanderungen und ausgedehnten Spaziergängen unbestritten ausspielt, habe ich meinen Test absichtlich im Bereich der Portrait- und Streetfotografie geplant. Schliesslich wäre es toll, wenn man sich einfach dieses Objektiv in den Warenkorb legen könnte und wüsste, dass man gut ausgerüstet für alle fotografischen Lebenslagen ist. Gerade im Bereich der Streetfotografie ist der Kontext wichtig. Völlig verwaschene Hintergründe geben kein Gefühl für die Strasse und die Stadt. Bei der Streetfotografie geht es nicht zwangsläufig darum, das Subjekt vom Hintergrund zu trennen. Oft ist genau das Gegenteil der Fall, und man möchte explizit zeigen, wo die Aufnahme gemacht wurde. Da Streetfotografie oft heikel bezüglich der Veröffentlichungsrechte der Aufnahmen ist, habe ich Nadine gefragt, ob ich sie in den Strassen von Biel fotografieren darf.


Alle drei Bilder mit 20mm und f4
Ich habe bewusst weitwinklige Aufnahmen versucht, etwas, das ich selbst noch nicht oft gemacht habe. Und ich bin noch ein wenig skeptisch. Weitwinkel-Portraits? Bis ich mich selbst etwas belächelt habe – was machen wir tagtäglich mit unseren Handys? Weitwinkelfotos. Und wie oft sind da Portraits dabei? Durch die kleinen Sensoren in unseren Smartphones entsteht ohne Softwareunterstützung auch keine grossartige Tiefenunschärfe in den Bildern. Also geht es hier um das fotografische Handwerk: Bildaufbau, Farben, Kontraste und die Platzierung des Models.
Während ich in meinen grauen Zellen nach spontanen Ideen grüble, leistet das FE 20-70mm einfach grossartige Arbeit. Bild um Bild entsteht. Nadine erkennt amüsiert einige Schweissperlen auf meiner Stirn. „Das ist nicht deine übliche Kamera“, stellt sie fest. Nein, Nadine, keinesfalls. Aber die Aufnahmen gefallen mir sehr gut. Und das Wichtige am Brennweitenbereich von 20-70mm ist, dass man 35mm und 50mm einstellen kann, die perfekten Brennweiten für die Strasse – meiner Ansicht nach.


20mm, f4


35mm, f4
Kontext vs. Tiefenunschärfe
Kommen wir zur Erkenntnis, was das FE 20-70mm F4 mit sich bringt: Es ist nichts für Liebhaber:innen von Tiefenunschärfe und keine klassische Porträtlinse. Aber genau das will es auch nicht sein. Es möchte das Immerdrauf-Objektiv sein, dein Begleiter in all deinen fotografischen Abenteuern, egal ob in Biel, einer anderen Stadt oder auf einer Wanderung in den Bergen. Egal an welchen Sony-Vollformat-Body du es anschraubst, es tut seinen Job. Es bietet dir die Möglichkeit, auf fast alle Situationen reagieren zu können. Auch wenn ich mit meinem Model Nadine die Stadt verlasse und sommerliche Bilder im trockenen Gras machen möchte:


20mm f4; 35mm f4; 20mm f4
Und wer dennoch gerne etwas Tiefenunschärfe erzielen möchte, kann dies mit einer Blende von f/4 durchaus erreichen. Insbesondere wenn du mit 70mm Brennweite arbeitest und die Distanz zwischen dir und dem fotografierten Subjekt deutlich kürzer ist als zum Hintergrund. Wenn du damit ein bisschen experimentierst, kannst du sogar bei 20mm spannende Portraits erzielen, wie das Beispiel oben rechts mit dem Blümchen im Vordergrund zeigt. Es lohnt sich ohnehin, gelegentlich von den üblichen Regeln abzuweichen und Landschaftsaufnahmen mit 70mm oder eben Portraits mit 20 und 35 Millimeter auszuprobieren. Dadurch kann deine eigene Kreativität enorm wachsen.


Fazit
Ich bin begeistert von der Vielseitigkeit und Leistung des FE 20-70mm F4. Der Brennweitenbereich eröffnet spannende Perspektiven in der Landschafts- und Immobilienfotografie. Die gestochen scharfen Bilder und der präzise Autofokus haben mich überzeugt. Auch in der People- und Streetfotografie liefert es beeindruckende Ergebnisse.
Das kompakte und leichte Design macht es zu einem perfekten Begleiter für fotografische Abenteuer. Das Sony FE20-70 ist für mich das ideale Allround-Objektiv für das Sony-System. Es unterstützt einen bei kreativen Ideen, sei es bei einem entspannten Spaziergang in der Stadt oder einem Ausflug in die Natur. Wer nach einer Immerdrauf-Linse sucht, wird hier erstklassig bedient – und das zu einem super Preis.







