Die neuen 7Artisans Objektive sind eingetroffen. Sagt Dir nichts? Nicht so schlimm, wir bringen Dir die Objektivmarke näher! Die Firma 7Artisans ist eine Objektiv-Herstellerin, welche aus sieben Fotobegeisterten in Fernost entstanden ist. Ihre Idee war eine eigene Produktlinie mit schönem Design und bezahlbaren Preisen. 
Unser Silvan hat die erschwinglichen Objektive für Dich ausgiebig getestet und teilt seine Erfahrungen mit Dir in diesem Blogbeitrag. 

"Aufgrund des tiefen Preises hatte ich von den 7Artisans Objektiven erwartet, dass sie einem hochwertigen Joghurtbecher ähneln müssen. 
So wartete ich gespannt die Lieferung der kompakten Linsen ab und wurde wieder einmal positiv überrascht! 

Die 7Artisans Objektive sind auf das Minimum reduziert. Die komplette Linie verfügt weder über Bildstabilisation noch Autofokus.
Wer auf diese Assistenten verzichten kann, erhält jedoch günstige Linsen mit eigenem Charakter. 

Die an die Leica M-Linie angelehnten Optiken fühlen sich sehr wertig und robust an. Das Aluminiumgehäuse ist minimalistisch, aber makellos konstruiert. Ohne viel Schnickschnack sind die Objektive mit den wichtigsten Bezeichnungen versehen. Zudem findet man die klassische Schärfentiefe Skala, welche für mich in der Street - und Landschaftsfotografie sehr hilfreich ist.  

Die Fokus - und Blendenringe weisen ein wenig Widerstand auf und brauchen leichten Druck, um verstellt zu werden. Dies ermöglicht einerseits ein weiches Fokusziehen bei Videoaufnahmen und verhindert auf der anderen Seite das versehentliche Verstellen der beiden Ringe. 

Hier geht es zu den aktuellen 7Artisans Objektiven


In Kombination mit der neuen Sony Alpha A6600 konnte ich das 12mm f/2.8 und das 55mm f/1.4 ausgiebig testen. 
Um diese Objektive richtig zu nutzen, müssen vorgängig ein paar Einstellungen in der Kamera geändert werden. Da es keine Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv gibt, muss der Menüpunkt «Auslösen ohne Objektiv» zuerst aktiviert werden. Um auch ohne Autofokus eine gewisse Kontrolle zu haben, arbeite ich mit dem Focus Peaking. Die Peaking Stufe stelle ich auf niedrig, da es sonst schwierig ist, bei offener Blende die Schärfe einzustellen.
Zusätzlich hinterlege ich auf der Kamera eine Taste mit der Funktion "Fokusvergrösserung". Diese Funktion ist bei Objektiven mit Übertragung nicht nötig, da sie sonst automatisch aktiviert wird sobald man am Fokusring dreht. Da wir aber keine Kommunikation zwischen Kamera und Linse haben, muss dies selbst über eine Taste getriggert werden.

Das klingt vorerst alles kompliziert, ist aber schnell gemacht und danach kann man direkt loslegen!

Nun aber zur Bildqualität:

 

Dieses Bild wurde mit dem 12mm f/2.8 fotografiert. Damit verschwindet der Hintergrund schön in der Unschärfe. Das Bokeh hat eine Zwiebelring- Form und auch die seitlich einstrahlende Sonne ergibt nicht die klassischen Flares. Es sieht eher aus wie ein gleichmässiges Scheinen. Ob diese Effekte nun gut oder schlecht sind, sind relativ und hängen vom persönlichen Geschmack des Fotografen ab. Für mich ist das Objektiv grossartig, wenn man einen tollen Vintage-Effekt erzielen will. 
Auch an der Schärfe kann ich soweit nichts bemängeln. Das Bild wurde mit Blende 2.8 und 24 Megapixel aufgenommen. Erstaunlich, dass das Objektiv eine solche Schärfe liefert. 

 

Das 55mm f/1.4 kommt in Punkto Schärfe nicht an das 12mm heran. Da ich das 55mm vorwiegend für Portrait-Aufnahmen verwende, sehe ich das nicht als grossen Nachteil. 
Die Chromatischen Aberrationen sind jedoch sehr ausgeprägt und eher schlecht korrigiert. Entweder man findet sich mit diesem Objektivfehler ab, oder korrigiert dies nachträglich im Rahmen der Bildbearbeitung. 
Auch leichtes Abblenden steuert diesen Objektivfehlern entgegen.

Dass bei beiden Objektiven kaum Vignettierung auftritt, hat mich am meisten erstaunt. Auch mit Offenblende kann man mit beiden Linsen problemlos arbeiten. 

Fazit: 

Wer auf einen Autofokus verzichten und sich damit anfreunden kann, manuell die Schärfe zu setzen, wird mit den 7Artisans Objektiven sicherlich glücklich werden.
Dass die Schärfe und die Korrektur chromatischen Aberration nicht auf dem selben Niveau sind, wie bei namhaften Herstellern ist sicher dem Preis geschuldet. Jedoch ist es erstaunlich, wieviel Leistung man für das kleine Budget bekommt. Ich habe definitiv schlechteres erwartet und bin positiv überrascht worden. Zum Fotografieren wie zum Filmen sind die Obje
ktive eine Interessante Investition. Sie sind klein, leicht und dennoch robust und bringen den Charme alter Objektive in die digitale Welt.

Website: Silvanschaer.com                    
Instagram: silvan_schaer

Hat 2012 seine Lehre als Fotofachmann angefangen und ist bis anhin in der Fotografie Branche tätig. Er engagiert sich nebst seiner Arbeit auch privat viel für die Fotografie und Videografie.
Silvan fotografiert privat am meisten Landschaften, Konzerte & Makro