Herzlich willkommen zu unserer 11. Ausgabe der „Zumi Pro Talk“ Interview-Serie. Mit diesem Format möchten wir Schweizer Fotograf*innen eine Plattform bieten und euch einen spannenden Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Heute haben wir das Duo MW Studios, bestehend aus Petra Wolfensberger und Selina Meier, zu Gast. Die beiden Fotografinnen mit Sitz in Zürich haben sich mit ihrem natürlichen und intuitiven Bildstil einen Namen gemacht und sprechen in ihrem eigenen MW Studios Podcast auch regelmässig über Kreativität, Fotografie und den Alltag als selbständige Fotografinnen. Dabei geben sie auch Einblicke in ihre Aufgabenverteilung und erzählen, wie sie sich als Duo ideal ergänzen. Sei es hinter der Kamera, in der Postproduktion oder in der Organisation ihrer Projekte.

In diesem Format stellen wir den Fotograf:innen jeweils achtzehn Fragen. 

  • Fünf persönliche Fragen zum/zur Fotograf:in

  • Fünf neugierige Fragen zur Technik und ihrem Equipment

  • Fünf "schnelle" Fragen, die mit einem Satz beantwortet werden können

  • Drei Bonusfragen zum Abschluss

Die Interviews werden jeweils bei uns im Store von Fotograf Denny Waves durchgeführt.

  • MW Studios ist ein Fotografie-Duo aus Zürich, gegründet von Petra Wolfensberger und Selina Meier. Sie zeichnen sich durch einen natürlichen, intuitiven Bildstil aus. Besonders schätzen die beiden die Möglichkeit, flexibel auf jede Situation reagieren zu können – eine Stärke, die zugleich ihre bevorzugte Arbeitsweise ist. Offen bleiben und die Welt mit Staunen betrachten.

  • Kurzprofil MW Studios - Petra & Selina
    Kamerasystem(e): Nikon Z
    Hauptkamera(s): Nikon Z9, Z7 II, Z6 II 
    Lieblingslinse(n): Nikon 24mm F1.8 & Nikon 24-70mm F2.8
    Standort: Zürich

    Website
    Instagram
    Podcast

1. Ihr habt beide zunächst als Einzelunternehmerinnen gearbeitet und euch erst später zusammengeschlossen. Was hat sich für euch seit der Gründung von MW Studios am meisten verändert. Sowohl im kreativen Prozess als auch im Umgang mit Kund*innen? 

Petra: Für mich hat sich ganz klar das Auftreten verändert. Wir sind ein richtig starkes Team. Jede bringt ihre eigene Erfahrung mit und genau das ergänzt sich super. Ob beim Shooting oder in der Vorbereitung.
Selina: Und wir können am Set viel präziser arbeiten. Allein fehlt oft die Zeit, noch eine Lampe aufzustellen oder das Styling zu optimieren. Zu zweit fällt uns mehr auf, wir haben mehr Energie und müssen nicht alles erst einem Assistenten erklären, das macht uns viel effizienter.

2. Ihr habt euch im Studio von Oliver Rust kennengelernt und seid danach euren eigenen Weg gegangen, bevor ihr MW Studios gegründet habt. Wann war für euch der Moment klar, dass ein gemeinsames Studio der nächste logische Schritt ist?

Petra: Ich glaub der erste Schritt war nach Corona, wo mir bewusst wurde, dass ich auf alleine arbeiten die ganze Zeit keine Lust hatte, aber jemanden anstellen - das wollte ich nie. Wir haben uns dann coachen lassen und dann war sehr schnell klar, dass wir uns gegenseitig unglaublich gut unterstützen können. Da war MW Studio geboren. Unser Leitsatz ist „we merge our Skills“.

Selina: Ich erinnere mich noch genau: Meine Mitarbeiterin kündigte, ich war völlig überlastet und rief heulend Petra an. Sie sagte nur: „Selina, alles gut – we got this.“ Da wusste ich, dass ich zu zweit weitermachen möchte. Für mich war es auch der Moment, nicht mehr nur auf Anfragen zu reagieren, sondern meine Selbstständigkeit bewusst in eine Richtung zu entwickeln, aber dies lieber gemeinsam. 

Ihr habt im November 2024 die Idee für euren Podcast entwickelt und schon wenige Monate später losgelegt. Was war für euch der entscheidende Grund, dieses Format zu starten und warum habt ihr euch bewusst gegen einen Onlinekurs für Einsteigende entschieden, der ebenfalls im Raum stand? 

Petra: Wir wollten zuerst unser Wissen teilen, für Fotografinnen und Fotografen, die neu ins Business einsteigen. Wir wollten den Weg aufzeigen, den wir gegangen sind um andere Fotograf*innen zu motivieren das auch zu tun. Doch irgendwie wurde uns dann bewusst, dass wir uns lieber mit Fotografierenden austauschen, um Einblicke zu erhalten, wie andere das machen. So ist unser Podcast geboren. 

Selina: Genau, ausserdem haben mich bei der Recherche diese typischen Onlinekurse gestört, die behaupten, sie hätten die eine richtige Lösung. Wir wollten stattdessen eine Plattform schaffen, auf der Wissen geteilt wird – nicht nur von uns, sondern von vielen. Das hat für die Community viel mehr Mehrwert.

Zwischen euch beiden gibt es eine klare Aufgabenaufteilung: Petra übernimmt eher die Organisation, Selina arbeitet gerne an der Umsetzung. Wie profitiert euer kreativer Prozess konkret von dieser Aufteilung und wie spürt man die Aufteilung in den fertigen Resultaten?

Petra: Die Aufteilung zwischen uns passiert ganz natürlich – ich hab den Kopf eher bei Planung, Kommunikation und Organisation, während Selina super darin ist, im Moment kreativ zu sein und direkt umzusetzen. Aber das heisst nicht dass wir strikt in unseren Rollen bleiben. Je nach Projekt wechseln wir uns ab oder stehen auch mal gemeinsam hinter der Kamera. Das funktioniert, weil wir uns blind verstehen.

Ihr habt gesagt, dass ihr bevorzugt im Team arbeitet. Gab es ein konkretes Projekt, bei dem euch besonders deutlich wurde, wie sehr euch eure Zusammenarbeit fachlich oder kreativ weitergebracht hat?

Petra: Ja, total – das merken wir eigentlich bei fast jedem Projekt. Aber ein besonders gutes Beispiel war ein Corporate-Shooting, das wir letztes Jahr gemacht haben. Ein langer Tag, viele Locations, wechselndes Licht und immer wieder neuer Set-Aufbau – da hat sich richtig gezeigt, wie gut wir als Team funktionieren. Allein wäre das gar nicht machbar gewesen. Wir hatten zum Glück auch noch einen Assistenten dabei und konnten uns super abwechseln, Entscheidungen gemeinsam treffen und trotzdem entspannt am Set bleiben. Während eine von uns fotografiert hat, konnte die andere schon das nächste Set vorbereiten oder sich um die Models kümmern. 

Fünf Equipment & Gear Fragen

Ihr arbeitet beide mit einem Dual-Body-Setup und habt gleich mehrere Nikon Z-Modelle im Einsatz (Z9, Z7, Z6). Was ist für euch der grösste Vorteil dieser redundanten Arbeitsweise? Wie helfen euch die neusten spielgellosen Nikon Kameras im Alltag? 

Petra: Wir kennen es gar nicht anders, wir sind eigentlich nie nur mit einer Kamera unterwegs. Schon früher im Studio hatten wir immer zwei Kameras dabei. Gerade bei Events finden wir es super praktisch, zwei Bodies dabei zu haben, weil wir so viel flexibler und schneller beim Wechseln sind und nicht ständig die Objektive tauschen müssen. Bei unseren Corporate Jobs arbeiten wir meistens mit der Nikon Z9 und haben Ersatz-Bodies dabei, falls mal was sein sollte. 

Selina: Genau, entweder als Backup, denn eine Kamera ist uns tatsächlich schon ausgefallen, oder als zweite Kamera mit anderer Linse, wenn es schnell gehen muss. Nachdem ihr unsere Podcastfolge mit Noemi Ottilia Szabo gehört habt, geht ihr auch nicht mehr nur mit einer Kamera aus dem Haus.

Auf der «Meet Us»-Seite von MW Studios beschreibt ihr euren Stil als „natürlich, intuitiv und einzigartig“ – mit einer besonderen Fähigkeit, euch jeder Situation spontan anzupassen. Wie schafft ihr diesen Spagat zwischen gezielter Planung und intuitivem Reagieren, insbesondere wenn ihr in der dynamischen Corporate-Fotografie für Kund*innen wie ABB, EY oder PwC arbeitet?

Petra: Das ist definitiv der Vorteil, wenn man zu zweit ist. Ich liebe alles, was mit Planung und Organisation zu tun hat und da bin ich voll in meinem Element. Wir sind super flexibel, schnell und reagieren spontan, wenn sich vor Ort etwas verändert. Das schätzen unsere Kund*innen auch sehr. Selina dagegen liebt es, sich langsam an Situationen heranzutasten, mit Licht und Stimmung zu spielen das ergibt dann oft genau die Bilder, die man nicht planen kann.

Video spielt in eurer Arbeit keine Rolle, obwohl viele Studios heute hybride Produktionen anbieten. Was war für euch der Grund, diesen klaren Fokus auf Fotografie zu setzen und welchen Vorteil seht ihr darin?

Petra: zu beginn wollten wir da natürlich auch aufspringen, haben auch für einige Firmen Video Content entwickelt, aber uns wurde schnell klar, dass wir die Leistung für Fotografie und Video nicht gleich erfüllen konnten. 

Selina: zumindest nicht in der Qualität, die wir wollten und da es bei uns auf dem Set oft schnell gehen muss, macht es Sinn wenn das ein Videoteam übernimmt.

Im Podcast habt ihr zuletzt auch über KI gesprochen: Petra experimentiert bereits mit Tools, während Selina kritischer bleibt. Wie beeinflusst dieser Diskurs eure eigene Arbeit und wo seht ihr realistische Einsatzmöglichkeiten von KI in der professionellen Fotografie?

Petra: Ich bin KI gegenüber sehr offen und sehe, wie rasant sich das gerade in unserer Branche verändert , manchmal wirkt das sogar ein bisschen beängstigend. es wird sicherlich einige Jobs verändern. Man muss dranbleiben und sich weiterentwickeln. Gleichzeitig eröffnet KI auch völlig neue Möglichkeiten, kreativ zu arbeiten und Arbeiten zu erleichtern. 

Selina: ich glaube ich würde es nicht unbedingt kritisch sondern realistisch nennen. Natürlich gibt es zur Zeit viele coole Einsatzmöglichkeiten, die unsere Arbeit erleichtern. Ich war z.B ein Hautretuschefreak und jetzt macht das AI wunderbar, oder die ganzen Tools die bereits in den Adobe Programmen oder Capture one integriert sind, helfen mir sehr. Gleichzeitig wird AI immer mehr unserer Arbeit übernehmen können, ganze Fotografierichtungen werden wegfallen, bzw. werden sich sehr verändern und ein bisschen raubt es für mich den „sparkle“ der Fotografie. In der realen Welt muss man sich eine echte Location, mit echten Menschen unter echten Umweltsbedingungen suchen und das macht unglaublich viel Spass. 

Ihr sagt über euer Equipment: „Gear ist Werkzeug, wir sind nicht zimperlich damit unterwegs". Was bedeutet das in der Praxis und gibt es ein Setup oder ein Objektiv, das bei euch schon alles mitgemacht hat?

Petra: Definitiv mein Nikkor 85mm, das ist ständig im Einsatz. Für uns ist Equipment einfach Werkzeug, das mitmachen muss. 

Selina: Mein MacBook. Ich schiesse meistens auf den Computer und der muss da ganz schön was durchmachen. Inzwischen ist er deshalb in dein dickes Case eingepackt.

Fast Fire Questions

Du kannst eine Kamera und eine Linse mit auf eine einsame Insel nehmen. Welche sind es?

Petra: Nikon Z6 mit dem Nikkor Z 24mm aber eigentlich nur mein iPhone :-) 
Selina: Nikon Z9 mit Nikkor Z 24-70mm F2.8.

Welche*n Schweizer Fotograf*in sollten unsere Lesenden kennen?

Petra: Wir hatten sie gerade erst bei uns im Podcast, Noemi Ottilia Zabo.
Selina: ja die ist ganz schön cool.

Was war deine erste Kamera?

Petra: Eine analoge Spiegelreflex der Canon EOS Serie, welche genau, weiss ich nicht mehr.
Selina: Was?! du hattest eine Canon? Bei mir wars eine Nikon D90.

Welches ist dein meist verwendetes Zubehör? 

Petra: Mein Nikon Z 85mm, Kamerakoffer (rollbar) und mein Hockerli, das ich immer dabei habe bei Portrait Shoots, denn ich bin einfach immer zu klein.
Selina: Wahrscheinlich auch das Nikkor Z 85mm, meine Elinchrom Blitzlampen und mein Macbook.

Schlägt dein Fotografieherz fürs Team Analogfilm oder Digital?

Petra: Ich bin klar für Digital.
Selina: same.

Bonusfragen

1. Welches ist dein Lieblingsbild der letzten 12 Monate?

Unser Lieblingsbild ist das neue Cover unseres Podcasts. Es steht für unser aktuelles Herzensprojekt, in das wir gerade viel Zeit investieren. Fotografiert wurde es von Sarah Urech.

2. Ihr dürft nur noch ein Foto machen. Was oder wen würdet ihr fotografieren? (Frage gestellt von Fotografin Marina Fischer

Petra: Ich glaube, bei mir wäre es eine Emotion, ein Gefühl. Einer dieser Momente. 
Selina: Als Fotografin würde ich wohl antworten, dass ich schon lange einmal ein Shooting in Sizilien auf den Scala dei turchi planen wollte, aber wenn ich tatsächlich nur noch ein Foto machen dürfe, dann würde ich das wohl von meinen beiden Jungs machen.

3. Welche Frage möchtest du unserem nächsten Interview Partner stellen? 

Petra: Wer ist deine grösste Inspiration in der Fotografie?
Selina: Wenn du heute neu starten würdest, was würdest du machen?